Karim Bel­la­rabi
Um sich ins Geschichts­buch der Liga ein­zu­tragen, gibt es eine breite und bunte Aus­wahl an Mög­lich­keiten. Hun­de­bisse, Schutz­schwalben, Steu­er­hin­ter­zie­hung, Koks, so Sachen eben. Man kann es aber auch wie Lever­ku­sens Karim Bel­la­rabi gegen Dort­mund machen und ein­fach das schnellste Tor der Liga­ge­schichte erzielen. Ganze neun Sekunden brauchte Bayers flü­gel­flit­zendes Lou-Bega-Double für seinen Füh­rungs­treffer, der Mann ist so schnell, wahr­schein­lich kann er sich auch ein Drei-Minuten-Ei in nur zwei Minuten zube­reiten. Mit seinem Blitztor hat sich Bel­la­rabi nun also in den Liga-Geschichts­bü­chern ver­ewigt. Nach seinem Ein­trag zum lati­no­ma­cho­haf­testen Schnurr­bart der Liga­ge­schichte übri­gens bereits zum zweiten Mal. Glück­wunsch dazu.

Holger Bad­stuber
Wenn wir das Ver­let­zungs­pech eines Holger Bad­stu­bers hätten, wir würden uns aus Angst vor neuen Ver­let­zungen pro­phy­lak­tisch alle Glied­maßen ampu­tieren und als Jabba-the-Hut-artige Blobs ein bewe­gungs­armes Leben auf der Couch führen. Was unserem gegen­wär­tigen Lebens­stil eigent­lich recht nahe kommt. Wie dem auch sei: Holger Bad­stuber zieht es vor, nach zwei auf­ein­an­der­fol­genden Kreuz­band­rissen und 21 Monaten Pause ein­fach so mir nichts dir nichts wieder auf abso­lutem Top-Niveau zu kicken, als wäre Pro­fi­fuß­ball die ein­fachste Sache der Welt, unver­sehrte Kreuz­bänder ein Luxus für Weich­eier und zwei Jahre Reha in etwa so anstren­gend wie ein Kur­ur­laub auf Rügen. Da ziehen wir uns ehr­fürchtig den Arthro­skopie-Schlauch aus dem Knie. Cha­peau!

Gian­luca Gau­dino
Ein bit­ter­süßer Moment war das für uns Nost­al­gicos, als mit Gian­luca Gau­dino ein großer Bun­des­li­ga­name in die Liga zurück­kehrte. Der Spross von Neun­zi­ger­jahre-Mit­tel­feld­as­s/Ge­braucht­wa­gen­händler Mau­rizio Gau­dino fei­erte gegen Wolfs­burg sein Liga­debüt, was dazu führte, dass wir weh­mütig unsere Gold­kett­chen und Brust­haar­tou­pets strei­chelten, bei einem Glas Süd­milch die Bun­des­liga-Clas­sics-Staf­feln von 1990 bis 1996 in einem Rutsch durch­schauten und anschlie­ßend vor dem Spiegel traurig unser Nasen­pflaster von der Nase nahmen um ein­zu­sehen, dass wir alt geworden sind. Schnüff. Nichts­des­to­trotz freuen wir uns natür­lich mit Gau­dino Junior und wün­schen ihm eine lange und ebenso erfolg­reiche Kar­riere, wie sie bereits seinem Vater ver­gönnt war. Und sind aber gleich­zeitig auch froh, dass nicht auch noch Mehmet Scholls Sohn Lucas ins Spiel gekommen ist, der auf der Bank saß, denn sonst wären wir wahr­schein­lich an einer Über­dosis Fuß­ball­ro­mantik gestorben.

Arjen Robben
Kaum hat die Saison begonnen, schon wir­belt Bay­erns Arjen Robben wieder, ganz so, als habe es gar keine Som­mer­pause gegeben und er befände sich immer bei der WM in Bra­si­lien, beschäf­tigt damit, die Fuß­ball­na­tion Spa­nien zu demü­tigen. Alberto-Tomba-Soli auf Außen, der berühmt-berüch­tigte Nach-Innen-Trick, mehr Speed als am Wochen­ende im Berg­hain, schö­nere Pässe als in den Alpen und nicht zuletzt natür­lich der Sieg­treffer – Arjen, du kannst auf­hören, die WM ist vorbei, ihr seid raus.

Junior Malanda
Was Frank Mill in dem Moment machte, in dem Wolfs­burgs Junior Malanda das sichere 2:2 neben das bay­ri­sche Tor stüm­perte, wissen wir nicht, aber wahr­schein­lich saß er auf der hei­mi­schen Couch (bzw. daneben) und ärgerte sich, in dem Wissen, dass ange­sichts Malandas Fail nun auch wieder sein eigener legen­därer Fehl­schuss her­vor­ge­kramt werden würde. Wo wir dann ins Spiel kommen. Malanda hin­gegen muss man zu Gute halten, dass er a): noch jung ist und b): auch sehr viel Pech in jener Szene hatte, die ihn schon jetzt zu einer zen­tralen Figur aller nächstes Jahr erschei­nender Sai­son­rück­blicke machen wird. Bitter dann auch die anschlie­ßende Pres­se­kon­fe­renz, in der sich Malanda an der Tisch­kante k.o schlug, weil er den Ell­bogen neben die Tisch­platte setzte. Haste Scheiße am Schuh…

Branimir Hrgota
Was Branimir Hrgota in dem Moment machte, in dem Wolfs­burgs Junior Malanda das sichere 2:2 neben das Tor stüm­perte, können wir uns hin­gegen denken: Mit ziem­li­cher Sicher­heit machte sich Glad­bachs Schwede Notizen, um das Kunst­stück einen Tag später fach­ge­recht zu wie­der­holen. So gesehen im sonn­täg­li­chen Spiel gegen Stutt­gart. Ein Fehl­schuss, nach dem Junior Malanda höchst­wahr­schein­lich kurz bei Frank Mill anrief, um mit ihm ein paar Witze dar­über zu reißen. Hrgota selber blieb im gesamten Spiel relativ glücklos, eine wei­tere ver­ge­bene Groß­chance sowie ein Abseitstor finden sich im Arbeits­nach­weis. Aber wenigs­tens ist im Sai­son­rück­blick genug Platz.

Ivica Olic
Ivica Olic kann viele Dinge, die wir nicht können. Fuß­ball spielen zum Bei­spiel, oder mit Anfang/​Mitte Dreißig keine unweg­trai­nier­bare Wampe haben. Außerdem schießt Wolfs­burgs im Tier­kreis­zei­chen des Duracell­hasen gebo­rener Kroate gerne auch mal Traum­tore, die so schön sind, dass Heidi Klum das drin­gende Bedürfnis ver­spürt, ihnen ein Foto zu über­rei­chen. So etwa sein Sen­sa­ti­onstor zum 1:2 gegen die Bayern, als Olic den Ball aus unmög­li­chem Winkel und Ent­fer­nung tro­cken in den Knick schweißte. Für ein Exklu­siv­in­ter­view zum Thema Geile Lat­ten­tore“ haben wir Olic indes leider nicht erreicht. Er war wie jeden Sonntag damit beschäf­tigt, pro­fes­sio­nelle Mara­thon­läufer ins Erschöp­fungs­koma zu rennen.

Jens Keller
Das blau-weiße 11FREUNDE-Stoff-Mur­mel­tier“ mit ein­ge­bauter Täg­lich-Grüß-Mechanik geht diese Woche fei­er­lich an Jens Keller. Nach dem Poka­laus in Dresden und der 1:2 Auf­takt­nie­der­lage gegen Han­nover ist in Gel­sen­kir­chen schon wieder Kriesen-time, noch bevor die Saison richtig los­ge­gangen ist. Nichts Neues für Keller, der in zwei Jahren Schalke schon mehr Krisen über­stehen musste als der Nahe Osten. Auch wenn die Offi­zi­ellen natür­lich noch hinter dem Trainer stehen – das nächste Spiel sollte drin­gend gewonnen werden, ansonsten muss sich Keller der zwei­hun­dert­zwei­und­drei­ßigsten Trai­ner­dis­kus­sion (wir haben nach­ge­zählt) in seiner Schalker Amts­zeit stellen. Und viel Platz für neue Sor­gen­falten bietet seine Stirn auch nicht mehr.

Elias Kachunga
Wer schon so heißt wie das Geräusch eines kraft­vollen Tor­schusses, der hat im Fuß­ball­ge­schäft eigent­lich schon gewonnen. Im Spiel gegen Mainz wurde Elias Kachunga seinem Namen, dem unserer Mei­nung nach nur noch ein „!“ am Ende fehlt, absolut gerecht, als er mit einem satten Fern­schuss von der Straf­raum­grenze das erste Pader­borner Bun­des­li­gator erzielte. Kachunga! Glück­wunsch dazu. Und jetzt bitte schnell zum Bür­geramt und ein „!“ anfügen lassen.

Uwe Hüne­meier
Immer wieder erstaunt uns die Dünne der Linie zwi­schen Held und Depp. Eine Lek­tion, die am Sonntag auch Uwe Hüne­meier schmerz­haft lernen musste, als er zunächst den späten Füh­rungs­treffer der Pader­borner erzielte, anschlie­ßend aber im eigenen Straf­raum Mainz’ Stürmer Shinji Oka­saki mit der Ele­ganz einer Dach­la­wine von den Beinen checkte. Elf­meter war die Folge, das Spiel endete dra­ma­tisch und durch Hüne­meiers Gedan­ken­lo­sig­keit unent­schieden. Aber gut, viel­leicht war das spek­ta­ku­läre Ende der Partie auch höhere Fügung. Wenn uns der Fuß­ball­gott schon mit Par­tien wie Pader­born gegen Mainz straft, dann sollten sie wenigs­tens unter­haltsam anzu­schauen sein.

Ja-Cheol Koo
Was Mainz’ Ja-Cheol Koo in seiner Frei­zeit macht, wissen wir nicht. Wenn man aber sieht, mit wel­cher Humor­lo­sig­keit Koo den Pader­bor­nern mit seinem Elfer in der 93. Minute die Party ver­saute, gehen wir davon aus, dass er nach Fei­er­abend Falsch­parker auf­schreibt, im Park frisch ver­liebten Pär­chen das Pick­nick ver­dirbt, im Kino den Leuten das Ende des Films verrät oder auf Kin­der­ge­burts­tagen die Torten vom Tisch schubst. Aber wie gesagt: wir wissen es nicht.