Seite 2: Wie Ginter seine Rolle interpretiert

Dass Ginter im Borussia-Park die Rolle des Abwehr­chefs inne­hatte, war unschwer zu erkennen. Von der ersten Minute an trat er überaus selbst­be­wusst auf, vor allem im Spiel nach vorne. Ver­tei­diger schien er nur pro forma zu sein, seine tat­säch­liche Posi­tion schwankte zwi­schen Achter und Zehner. Es war klar, dass wir viel den Ball haben werden, dass wir auch viel in der geg­ne­ri­schen Hälfte den Ball haben werden“, erklärte Ginter. Des­halb sei es wichtig gewesen, dass man als Innen­ver­tei­diger nicht irgendwo hinten parkt, son­dern ver­sucht sich ein­zu­schalten“.

Natür­lich pro­fi­tiert Ginter aktuell von der Per­so­nal­si­tua­tion in der Natio­nal­mann­schaft. Mats Hum­mels und Jerome Boateng, zwei echte Größen, sind von Bun­des­trainer Joa­chim Löw Anfang des Jahres aus­sor­tiert worden, durch die Ver­let­zungen von Niklas Süle und Antonio Rüdiger hat sich eine zusätz­liche Vakanz ergeben.

Abwehr­spieler mit Ein­fällen nach vorne

Ein Auf­tritt wie gegen die Weiß­russen zeigt, dass Ginter seine Chance nicht nur erkannt hat, son­dern auch gewillt ist, sie zu nutzen. Er steht für Serio­sität und Zuver­läs­sig­keit“, sagte der Bun­des­trainer. Er macht’s gut im Spiel­aufbau.“ Gegen eine Mann­schaft wie Weiß­russ­land, die ihren Bus vor dem Tor geparkt habe, brauchst du Abwehr­spieler, die Ein­fälle nach vorne haben. Das hat er toll gemacht.“

Löw hat immer noch das Gefühl, dass Ginter gele­gent­lich unter­schätzt wird. Auch in der Natio­nal­mann­schaft war er nie unan­ge­fochten. Sowohl 2014 als auch 2018 gehörte Ginter zwar zum deut­schen WM-Auf­gebot; aller­dings blieb er beide Male ohne Ein­satz. Und 2016 bei der Euro­pa­meis­ter­schaft stand er nicht mal im Kader. Erst seit der ver­korksten Welt­meis­ter­schaft 2018 ist der Glad­ba­cher eine feste Größe bei Bun­des­trainer Löw. Von den fünf­zehn Län­der­spielen seitdem hat Ginter elf bestritten – alle von Anfang an. In den ersten vier Jahren seit seinem Debüt für die Natio­nalelf im März 2014 waren es ledig­lich drei­zehn Startel­fein­sätze.

Der Auf­tritt gegen Weiß­russ­land dürfte Gin­ters Stel­lung noch einmal gefes­tigt haben. Der Innen­ver­tei­diger war an drei der vier Tore zumin­dest mit­telbar betei­ligt: Das erste erzielte er selbst, das dritte lei­tete er mit einem Ball­ge­winn und dem Pass auf Toni Kroos ein, und beim zweiten ließ er den Ball für den Tor­schützen Leon Goretzka pas­sieren. Da hat er eine richtig gute Ent­schei­dung getroffen“, sagte Goretzka. Das zeigt auch eine gewisse Qua­lität.“