Hof­fent­lich nervt der Typ nicht. Pep Guar­diola hatte ein ungutes Gefühl, als er am Morgen des 9. Okto­bers 2006 runter in die Hotel­lobby zum Früh­stück ging. Guar­diola bereiste mit seinem Freund, dem Regis­seur David Trueba gerade Argen­ti­nien, als ein junger Mann aus Rosario den Fuß­baller um ein Treffen bat. Guar­diola kannte den Mann nicht, sie hatten vorher nur Emails geschrieben. Wenn er nervt, hauen wir sofort wieder ab“, sagte Guar­diola zu Trueba. 

So viel sei schon mal ver­raten: er nervte nicht. Das fol­gende Gespräch sollte gar ent­schei­denden Ein­fluss auf das Leben beider Männer haben. Im Fall von Guar­diola war es ein aus­schlag­ge­bender Moment für dessen Ent­schei­dung zur Trai­ner­lauf­bahn.

Ich war auf dem Feld der gleiche Typ wie Guar­diola“

Der junge Mann von damals heißt Matias Manna und ist heute, knapp zwölf Jahre nach dem Früh­stück mit Guar­diola Co-Trainer der argen­ti­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. Manna wird am heu­tigen Abend an der Sei­ten­linie stehen in St. Peters­burg, wo es für die Argen­ti­nier gegen Nigeria ums sport­liche Über­leben bei der WM geht. Er wird Anwei­sungen erteilen und über Stärken und Schwä­chen des Geg­ners infor­mieren. Er wird Lionel Messi Hin­weise geben, ihn coa­chen. Er, Matias Manna, der vor zwölf Jahren noch ein nerdiger Nie­mand war, ohne großen fuß­bal­le­ri­schen Hin­ter­grund, ohne Pro­fi­ver­gan­gen­heit, ist nun zuständig für die besten Fuß­baller der Welt. 

Im Oktober 2006 ist Manna 20 Jahre alt und haupt­be­ruf­lich Fan. Fuß­ball hat er auf Ama­teur­ni­veau gespielt, wie so viele, daheim in San Vicente. Seine ganze Lei­den­schaft gilt nicht den Boca Juniors oder River Plate, son­dern dem FC Bar­ce­lona und vor allem Pep Guar­diola. Seine Mutter hatte ihm einst von einer Spa­nien-Reise ein Trikot mit Bar­ce­lonas Nummer 4 mit­ge­bracht, von da an war es um den Jungen geschehen. Das war Zufall, aber doch auch Bestim­mung. Ich war auf dem Feld der gleiche Typ wie Guar­diola. Ich konnte nicht schnell laufen, ich hatte keinen guten Schuss und Kopf­bälle machte ich auch nie. Manchmal hieß es, ich sei so völlig nutzlos. Aber ich konnte mit dem Ball umgehen und das Spiel lesen. Als ich merkte, dass man mit dieser Art von Fuß­ball weit kommen kann, gab mir das Selbst­ver­trauen“, hat Manna einmal erzählt. 

Ein Blog namens Para­digma Guar­diola“

Zwar kam er nicht wirk­lich weit damit als Spieler, aber seiner Lei­den­schaft tat das keinen Abbruch. Als Stu­dent grün­dete er einen Blog namens Para­digma Guar­diola“, wo er Bar­ce­lonas Spiele aus tak­ti­scher Sicht zu ana­ly­sieren begann und den offen­siven Stil glü­hend ver­tei­digte. Just in einer Zeit, in der Grie­chen­land die EM und Ita­lien die WM mit destruk­tivem Fuß­ball gewonnen hatten. Guar­diola, der damals gerade seine Spie­ler­kar­riere in Mexiko beendet hatte, gefiel Mannas Lei­den­schaft, dar­über hinaus war er von dessen Ana­lysen recht angetan. Nur des­halb hatte er dem Treffen zuge­stimmt.