Es war eine chao­ti­sche Län­der­spiel­pause auf Schalke. Julian Draxler, vor einem Monat noch Hoff­nungs­träger auf eine bes­sere königs­blaue Zukunft, ver­ließ den Verein – und das in Rich­tung der Auto­stadt Wolfs­burg. Schalke verlor nicht nur eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur, son­dern auch einen zen­tralen Spieler in der Taktik von Andre Brei­ten­reiter. Kann Brei­ten­reiter den Weg­gang kom­pen­sieren?

Meyer schlüpft in die Draxler-Rolle

Gegen den FSV Mainz erkor Andre Brei­ten­reiter Max Meyer aus, die Rolle von Draxler zu über­nehmen. Gemeint ist in diesem Fall nicht die von den Fans zuge­dachte Rolle des Mes­sias, son­dern die tak­ti­sche Rolle, und selbst diese inter­pre­tierte Meyer etwas anders als Draxler. Als Links­außen genoss Meyer viele Frei­heiten und durfte häufig ins Zen­trum ziehen. Außen­ver­tei­diger Dennis Aogo sorgte für die Breite auf dem linken Flügel – alles wie gehabt.

Meyer agierte aller­dings etwas weniger ball­for­dernd als Draxler und spielte etwas höher als der ver­lo­rene Sohn, der sich zuletzt häufig in den Spiel­aufbau ein­schal­tete. Meyer war damit weniger prä­sent als Draxler. Aller­dings pos­tierte er sich oft mann­schafts­dien­lich und schloss die Lücken, die sich in den Hal­b­räumen auf­taten. Trotz einer recht schwa­chen Pass­quote (63%) war es ein gelun­genes Debüt von Meyer in der Draxler-Rolle. Zumal er Brei­ten­reiter den Beweis lie­ferte, dass das 4 – 4‑2-System nicht aus­ge­tauscht werden muss.

Geis macht das Spiel

Ebenso in den Fokus rückte Johannes Geis. Noch stärker als zuletzt riss er das Spiel an sich. Er ließ sich sehr tief zwi­schen die Innen­ver­tei­diger fallen. Geis streute als Fix­punkt des Spiels zahl­reiche dia­go­nale Ver­la­ge­rungen auf die Flügel ein. Das asym­me­tri­sche Spiel über Drax­lers linke Seite, in den ersten Bun­des­liga-Par­tien gegen Bremen und Darm­stadt das her­vor­ste­chende tak­ti­sche Merkmal der Schalker, wurde in dieser Form ohne Draxler nicht ange­wandt.

Dass Geis das Spiel in aller See­len­ruhe von einer Seite auf die andere ver­la­gern konnte, lag auch am zarten Pres­sing der Mainzer. Diese suchten in ihrer 4 – 4‑1 – 1‑Ordnung den Zugriff erst an der Mit­tel­linie. Blöd nur, dass Schalke diese Zone nicht bespielte – Schalke suchte mit langen Bällen den direkten Weg von der ersten in die letzte Linie. Mainz hatte in der Folge große Pro­bleme, Schalkes Flü­gel­an­griffe zu ent­schärfen. Mainz strau­chelte ange­sichts des feh­lenden Drucks auf Geis. Nach 20 Minuten stand es 11:0 nach Tor­schüssen. Einzig die Chan­cen­ver­wer­tung stimmte bei Schalke nicht.