Seite 2: „Dieser Mythos ist unvergänglich“

Auch Bun­des­trainer Sepp Her­berger nahm von dem kleinen Klub Notiz. 1953 berief er Gerdi“ Har­pers als ersten Spieler des Ver­eins in die Natio­nal­mann­schaft. Wir waren eine ver­schwo­rene Gemein­schaft, tech­nisch nicht über­durch­schnitt­lich, aber vom Kampf konnte uns keiner das Wasser rei­chen. Manchmal haben wir uns nur ange­guckt und dann wortlos: Kämpfen bis zum Umfallen! Dass es als Ver­trags­spieler etwas Geld zu ver­dienen gab, war für uns ein Geschenk des Him­mels“, bringt Har­pers die Stärke der Mann­schaft auf den Punkt.

Dabei ging das Wohl und Wehe der Spieler jeden echten Sodinger etwas an. Ich ver­steh’ das gar nicht, was das hier für’n heid­ni­sches Volk ist. Kein Mensch redet von Gott, alle reden hier nur von Adamik“, lamen­tierte ein vor Ort neuer Pastor, der nicht ver­stand, warum sich seine Gemein­de­mit­glieder mehr Sorgen um die schwere Ver­let­zung ihres Mit­tel­stür­mers Hännes“ Adamik machten als um ihr eigenes See­len­heil.

Bal­lett der Arbei­ter­klasse“

Völlig über­ra­schend qua­li­fi­zierte sich der SVS 1955 für die End­runde um die Deut­sche Meis­ter­schaft. Noch bevor der erste Sputnik die Erd­um­lauf­bahn erreichte, raunte man vom Komet des Wes­tens“, noch einmal erwies sich der Fuß­ball als Bal­lett der Arbei­ter­klasse“. Dettmar Cramer, der damals für den west­deut­schen Ver­band tätig war, hielt große Stücke auf diese Leis­tung: Der SV Sodingen ist der letzte Kum­pel­verein, der es fast bis zur Deut­schen Meis­ter­schaft gebracht hat. Dieser Mythos ist ein­ge­tragen in das Gol­dene Buch des deut­schen Fuß­balls und damit unver­gäng­lich, so lange der Ball rollt“, schrieb die Trai­ner­le­gende zum hun­dert­jäh­rigen Klub­ju­bi­läum.

Heute kicken die Grün-Weißen in der Lan­des­liga, immer noch im Glück-Auf-Sta­dion. Die berühmten För­der­türme der Zeche Mont Cenis sind aller­dings längst ver­schwunden. Genauso wie die alte Aschen­kippe, die 1975 einer Umge­hungs­straße wei­chen musste und abge­rissen wurde.