Wenig empörte die Fuß­ball-Fans in den sozialen Medien in dieser Saison so sehr wie die Ent­las­sung von Fried­helm Funkel. Was sollte es For­tuna Düs­sel­dorf bringen, den ver­dienten Trainer zu schassen? Die Mann­schaft sei für die erste Liga ein­fach nicht gut genug auf­ge­stellt, so das Urteil. Viele bedau­erten das unrühm­liche Ende von Fun­kels Trai­ner­kar­riere.

Uwe Rösler dürften diese Sen­ti­men­ta­li­täten egal sein. For­tunas neuer Trainer hat eine ein­zige Auf­gabe: den Verein vor dem Abstieg zu bewahren. Wie stellt sich Rösler auf seinem Weg dahin an? Fünf Punkte zur rund­erneu­erten For­tuna.

1. Mit Fün­fer­kette in die Mis­sion Klas­sen­er­halt

Fried­helm Funkel hat in dieser Saison auf tak­ti­sche Fle­xi­bi­lität gesetzt. Selten bestritt die For­tuna zwei Pflicht­spiele hin­ter­ein­ander in der­selben For­ma­tion. Mal setzte Funkel auf ein 4−2−3−1, mal auf ein 4−3−3, mal auf eine Vari­ante mit Fün­fer­kette.

Uwe Rösler ließ seine Mann­schaft in seinen bis­he­rigen drei Pflicht­spielen hin­gegen nur einer For­ma­tion auf­laufen, einem 3 – 5‑2-System mit offen­siven Außen­ver­tei­di­gern und zwei Spie­lern, die sich in der Spitze anbieten. Diese For­ma­tion möchte Rösler offen­sicht­lich zur Stamm­va­ri­ante aus­bauen – und damit den Spie­lern eine klare Ori­en­tie­rung an die Hand geben, wie sie sich auf dem Feld zu posi­tio­nieren haben.

2. Mehr Mut

Mit der Sys­tem­um­stel­lung einher geht Rös­lers Mut zum Risiko. Dies zeigt sich beson­ders bei den Außen­ver­tei­di­gern: Diese rücken weit auf und schalten sich in das eigene Offen­siv­spiel ein. Aber auch die Achter dürfen im Angriffs­ver­lauf weit vorne mit­mi­schen.

Rösler fährt dabei die Stra­tegie fort, die Funkel nach der Win­ter­pause imple­men­tieren wollte: Wäh­rend die For­tuna in der Hin­runde meist passiv ver­tei­digte, trai­nierte sie nach Weih­nachten das hohe Pres­sing. Auch Rösler möchte, dass seine Mann­schaft weit nach vorne rückt und früh stört. Die For­tuna traut sich mehr.

3. Mehr Ball­be­sitz

Dieser Mut erstreckt sich auch auf das Ball­be­sitz­spiel. Ket­ze­risch gesagt: Die For­tuna wagt end­lich über­haupt ein Ball­be­sitz­spiel. Unter Funkel waren sie das Team mit dem durch­schnitt­lich geringsten Ball­be­sitz­wert der Liga. Ihre pas­sive Ver­tei­di­gung kom­bi­nierten sie mit dem Ver­such, schnell zu kon­tern. So waren hohe Bälle in die Spitze ein wich­tiges Stil­mittel.

Rösler möchte, dass seine Mann­schaft Situa­tionen anders löst. Die For­tuna fokus­siert sich wesent­lich stärker auf das flache Pass­spiel. Der Ball soll von der Drei­er­kette aus ins zen­trale Mit­tel­feld gespielt werden. Mit dia­go­nalen Pässen suchen sie von dort den Weg Rich­tung Tor.

In allen Spielen unter Rös­lers Ägide hatte die For­tuna mehr Ball­be­sitz als der Gegner; eine völlig neue Her­an­ge­hens­weise. Dass dieser Mut zum Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball Früchte tragen kann, zeigte sich beim 1:1 gegen den VfL Wolfs­burg: Dem Treffer zur zwi­schen­zeit­li­chen Füh­rung ging eine schöne Flach­pass-Kom­bi­na­tion durch das Zen­trum voraus.

4. Neu besetztes Mit­tel­feld

Dass Funkel weniger mutigen Offen­siv­fuß­ball spielen ließ, kann man ihm nur bedingt zum Vor­wurf machen. Ihm fehlten schlicht die Spieler, um ein Ball­be­sitz­spiel über das Mit­tel­feld­zen­trum zu fokus­sieren.

Rösler hat es leichter: Mit Kevin Stöger kehrte For­tunas krea­tivster Pass­spieler nach einer langen Ver­let­zungs­pause zurück. Er zieht unter Rösler von der Sech­ser­po­si­tion die Fäden. Gegen Wolfs­burg spielte er die meisten Pässe aller Akteure auf dem Feld (75), 84 Pro­zent seiner Zuspiele kamen an. Stöger ist der für Rös­lers Spiel so wich­tige Fix­punkt im Zen­trum.

Der zweite wich­tige Mann im Zen­trum heißt Valon Berisha. Der von Lazio Rom aus­ge­lie­hene Koso­vare bringt im offen­siven Mit­tel­feld eine tech­ni­sche Qua­lität mit, die der For­tuna bisher gefehlt hat. Das eröffnet mehr Optionen, tat­säch­lich den fla­chen Pass ins Zen­trum zu wählen. Rösler pro­fi­tiert von seinen beiden Neu­lingen“.

5. Der Abstiegs­kampf ist noch immer in den Köpfen

Zwei Unent­schieden in der Liga, ein deut­li­cher Sieg im Pokal: Auf dem Papier hat Rösler einen guten Start erwischt. Und doch wäre mehr drin gewesen. Gegen Ein­tracht Frank­furt zogen sich die Düs­sel­dorfer mit einer 1:0‑Führung im Rücken weit zurück, kas­sierten am Ende noch das 1:1. Gegen Wolfs­burg gelang es ihnen trotz vierzig Minuten Über­zahl nicht, Tor­ge­fahr zu ent­wi­ckeln.

Rösler hat eine Mann­schaft über­nommen, die tief im Abstiegs­kampf steckt. Das spürt man. Auch wenn die For­tuna in Phasen der Par­tien mutiger und kom­bi­na­ti­ons­schärfer auf­tritt als jemals zuvor in dieser Saison: Über neunzig Minuten können sie diesen Stil nicht prak­ti­zieren. Immer wieder schlei­chen sich Epi­soden ein, in denen sie zu passiv ver­tei­digen oder zu kopflos angreifen.

Rösler hat bisher bewiesen, dass in seiner Mann­schaft unge­nutztes Poten­tial schlum­mert. Der nächste Schritt wäre, dieses Poten­tial in Punkte umzu­münzen. Wer weiß, viel­leicht hat die For­tuna doch die Qua­lität für den Nicht­ab­stieg.