Seite 2: Ja klar, ich sprech mit Didi

In der Win­ter­pause, als die TSG Hof­fen­heim noch als erster Abstiegs­kan­didat fest­zu­stehen schien, war der Wechsel von Niklas Süle bei­nahe beschlos­sene Sache. Das ist mein Verein, dem ich viel zu ver­danken habe. Da hätte ich einen schlechten Cha­rakter, wenn ich dann in so einer schwie­rigen Situa­tion gehen würde“, wehrte sich Süle gegen­über dem Kicker“ zwar vor Wech­sel­ge­rüchten. Nach angeb­li­chen Ange­boten von Borussia Dort­mund, AC Mai­land und dem FC Liver­pool war aber wohl jedem TSG-Anhänger klar, dass die Zweite Liga ohne das Eigen­ge­wächs statt­finden würde.

Sollte Süle nach der lau­fenden Saison nicht wech­seln, wäre das für den neuen Trainer Julian Nagels­mann wohl der zweit­größte Erfolg – nach dem Klas­sen­er­halt. Wie viel Ein­fluss der Coach auf seinen Schütz­ling besitzt, ließ Süle selbst in dieser Woche durch­bli­cken, als er über einen mög­li­chen Ver­bleib sprach: Es hängt natür­lich viel davon ab, ob wir in der Liga bleiben. Grund­sätz­lich herrscht aber wieder ein anderes Klima im Verein. Viel besser, seit Julian da ist.“

Aha, Julian also. Nicht das Herr Nagels­mann“ in der Öffent­lich­keit. Son­dern Julian. Und Süle setzte noch einen drauf: Ich habe ein sehr gutes Ver­hältnis zu ihm, ich nehme alles an, was er sagt, aber alles auf einem lockeren Gesprächs­ni­veau. Ich denke, Julian kann mich noch besser machen. Ich weiß schon, was ich in Hof­fen­heim habe.“

Frank­reich oder Rio?

Man möchte sich das schon vor­stellen, wie der Niklas und der Julian im Sommer bei einer Apfel­schorle und dem ange­wor­fenen Grill bei­ein­ander sitzen, über Fuß­ball in der Pro­vinz phi­lo­so­phieren und noch kurz über die neuen Ver­trags­mo­da­li­täten spre­chen. Du Julian, ich bräuchte zur neuen Saison ne Mille mehr. Die Jungs aus Eng­land bieten ja fleißig, weißte.“ – Ach ja, ne klar, Niklas. Bespreche ich morgen mit Didi im Büro. Kriegste.“

Es gibt sonst wenig Pri­vates über den Mus­ter­profi zu erzählen. Eben ganz so wie es sich der DFB vor­stellt.

Wag­hal­sigste Behaup­tungen schreiben Niklas Süle bereits als mög­li­chen Kan­di­daten für Löws EM-Kader in die Gazetten. Dann hätte er natür­lich keine Zeit für Grill und Apfel­schorle. Für ihn dürfte die Beru­fung den­noch ein wenig zu früh kommen. Zumal im August die Olym­pi­schen Spiele in Rio de Janeiro anstehen. Und in der Per­spek­tiv­aus­wahl von Horst Hru­besch ist Süle sowieso gesetzt.

Nicht bereit für hohes Risiko

Träu­me­reien, denn der Abstiegs­kampf mit der TSG Hof­fen­heim wird in den kom­menden Wochen natür­lich im Fokus stehen. Für Süle wäre ein wei­teres und kol­lektiv erfolg­rei­cheres Jahr in Sins­heim per­sön­lich wün­schens­wert. Die Anfragen aus dem Aus­land kämen dann noch früh genug. Darauf ange­spro­chen, sagt er: Kar­rie­re­schritte sollten genau abge­wogen werden. Jeder junge Profi träumt von Spielen auf inter­na­tio­nalem Niveau.“ Es zeigt, dass Süle nicht bereit ist, ein zu hohes Risiko ein­zu­gehen. Alles wird penibel abge­wogen.

Erst Dorf­verein, dann fuß­bal­le­ri­sche Aus­bil­dung in einer der objektiv besten Jugend­fuß­ball­zen­tren des Landes. Junio­ren­na­tio­nal­mann­schaft, Bun­des­li­ga­debüt, nach mög­lichst wenigen Ver­let­zungen erste Ver­ant­wor­tung über­nehmen und nach der Feu­er­probe wohl­mög­lich den Gang ins Aus­land wagen. Süles Lauf­bahn wirkt wie von intel­li­genten Köpfen des Ver­bandes am Reiß­brett ent­worfen. Das ist nicht immer spek­ta­kulär. Das ist aber zumeist sehr erfolg­reich. Genauso wie es sich der DFB vor­ge­stellt hat.