Die Lein­wand von John Led­widge ist 105 Meter lang und 68 Meter breit. Auf ihr malt der 34-Jäh­rige nicht mit einem Pinsel, son­dern mit einem Dennis G860 Hand­spin­del­mäher. Mil­lionen von Men­schen haben seine Kunst­werke gesehen, aber nur wenige beach­teten sie. Das stört Led­widge nicht. Im Gegen­teil, er ist sogar froh, wenn man seine Kunst buch­stäb­lich mit Füßen tritt.

Seit sechs Jahren küm­mert sich Led­widge als grounds­ma­nager um den Rasen von Lei­cester City. (Der in Deutsch­land gerne benutzte Aus­druck gre­en­keeper wird in eng­lisch­spra­chigen Län­dern nur für Leute ver­wendet, die sich um die Pflege von Golf­plätzen küm­mern.) Wäh­rend die meisten seiner Kol­legen bloß dafür sorgen, dass das Spiel­feld in per­fektem Zustand ist, geht Led­widge einen Schritt weiter und zau­bert mit Vor­liebe neue und eigen­wil­lige Muster ins Gras. Er ist der Mon­drian unter den Rasen­mä­her­män­nern. Aber wie viele Künstler, so kämpft auch er gegen die Büro­kratie. Denn seit andert­halb Jahren wird seine Krea­ti­vität per Ver­ord­nung erstickt.

Imago22168360h
Imago Images

Mohnblumen im Rasen

So richtig berühmt wurde Led­widge im November 2016. Am Remem­brance Day spielte Lei­cester gegen West Brom­wich Albion. Zu diesem Tag heften sich Briten im Gedenken an die Kriegs­toten eine sti­li­sierte Mohn­blume ans Revers. Daher schuf Led­widge nicht bloß die Muster aus Linien und Flä­chen, die seine kleine, aber treue Fan­ge­meinde damals schon fast von ihm erwar­tete, son­dern fügte an vier Stellen des Platzes auch noch die Umrisse von Mohn­blu­men­blüten hinzu.

Um das zu errei­chen, musste Led­widge einen Trick anwenden. Seine nor­malen Muster enstehen ein­fach durchs Mähen. Oder besser: beim Mähen. Gras­halme, die sich vom Betrachter weg­biegen, wirken näm­lich heller als solche, die sich ihm ent­ge­gen­n­eigen. In abge­schwächter Form kennt jeder diesen Effekt aus dem eigenen Garten. Doch Pro­fi­ge­räte wie der Dennis G860 haben vorne und hinten Rollen, die den Mäher sta­bi­li­sieren. Sie wirken wie Walzen und drü­cken die Gras­halme gründ­li­cher und groß­flä­chiger zu Boden als es die Räder eines nor­malen Mähers könnten. Auf diese Weise lassen sich auch sehr kom­plexe geo­me­tri­sche Mus­tern erzeugen. Wenn jemand von uns eine Idee hat, zeichnen wir das Design zuerst auf Papier vor,“ erklärt Led­widge. Dann spannen wir Schnüre über den Platz und über­tragen es so auf den Rasen.“