Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bun­des­li­ga­spieler vor, der nicht immer im Ram­pen­licht steht und trotzdem eine ent­schei­dende Rolle für seine Mann­schaft spielt. Ob wir damit tat­säch­lich Recht behalten, seht ihr heute ab 15 Uhr in unserer großen Bun­des­liga-Kon­fe­renz auf www​.kon​fe​renz​.11freunde​.de.

In den ver­gan­genen Wochen gab Roman Neu­städter zwei denk­wür­dige Inter­views. Zum einen für den lie­be­voll auf­be­rei­teten Schalke-Blog halb​feld​flanke​.de. Zusammen mit dem Innen­ver­tei­diger sin­nierte man über einer Tak­tik­tafel über die Rolle, die Neu­städter in dieser Saison ange­dacht ist und was er von seinen bis­he­rigen Sta­tionen mit­ge­nommen hatte.

Und Neu­städter lie­ferte. Er lie­ferte einen unge­wöhn­li­chen Ein­blick in seinen eigenen Vari­an­ten­reichtum auf dem Fuß­ball­platz. Genauso wie sein Vater Peter spielte auch Roman bei Mainz 05, seiner ersten Pro­fi­sta­tion, auf der Posi­tion des Innen­ver­tei­di­gers und wurde nach erst nach einer spon­tanen Maß­nahme durch Jörn Andersen auf der Sechs aus­pro­biert. Er über­zeugte erst Andersen, später dann – als Neu­städter längst in Glad­bach war – den neuen Trainer Lucien Favre. Boah, der Neu­städter, der kann, der ver­steht alles“, soll der Schweizer bei seiner Ankunft am Glad­ba­cher Trai­nings­platz nach den ersten Ein­heiten gemur­melt haben.

Der Xavi am Bökel­berg

Warum Favre ein derart posi­tives Bild von seinem neuen Schütz­ling zeich­nete? Viel­leicht, weil er merkte, dass dort jemand seine tak­ti­schen Vor­gaben nahezu per­fekt umzu­setzen wusste. Weil dieser jemand auf jede noch so kleine Ver­än­de­rung und Vor­gabe ein­ging und der Spaß an Video­ana­lysen fand. Und weil der poly­va­lente (O‑Ton Favre) Neu­städter nicht nur Sechser spielen kann, son­dern auch immer noch Innen­ver­tei­diger. Viel­leicht war es auch etwas anderes, dass Favre zu der Aus­sage bewegte, dass Glad­bach seinen Xavi ver­liere, als es den Deutsch-Ukrainer auf Schalke zog. Ein großes Lob war es allemal.

Das ist natür­lich schon eine große Ehre, wenn so jemand das über einen sagt“, gestand Neu­städter in diesem Inter­view und zeigte anschlie­ßend eine detail­lierte Ana­lyse seiner Arbeit in der Schalker Innen­ver­tei­di­gung auf. Wer wel­ches Signal gebe, um den ball­füh­renden Gegen­spieler zu atta­ckieren. Welche Aus­wir­kungen das Selbst­ver­trauen des Ein­zelnen auf die Sta­bi­lität der Abwehr­kette habe und wes­halb Ste­hen­bleiben in der Bun­des­liga manchmal die bes­sere Alter­na­tive sei.

Sein Ver­trag läuft aus

Neu­städter lie­ferte einen Ein­blick, der ihn neben den ein­tö­nigen Aus­sagen man­cher Kol­legen in der schweiß­ge­tränkten Mixed-Zone wie einen Fuß­ball-Pro­fessor aus­sehen ließ. Aus Har­vard. Summa cum laude.

Dabei sollte man wissen, dass der 28-Jäh­rige nicht nur neben dem Platz besticht. In dieser Saison spielt Neu­städter einen starken Part mit seinem Kom­pa­gnon Joel Matip und ist, nachdem gerade seine Ball­si­cher­heit im defen­siven Mit­tel­feld auf Schalke oft kri­ti­siert wurde, mit 89,9 Pro­zent aller ange­kom­menen Pässe der sicherste Spieler auf dem Platz der Königs­blauen. Einer, der von den Fans jah­re­lang für schlam­pige Zuspiele ver­flucht wurde, ist mitt­ler­weile takt­ge­bend im Spiel­aufbau.

Es ver­wun­dert nicht, dass die rus­si­sche Natio­nalelf ihre Fühler nach ihm aus­ge­streckt haben – bisher auf­grund einiger Papier­mo­da­li­täten noch ver­geb­lich. Dass sein Ver­trag in Gel­sen­kir­chen aus­läuft und bisher noch kein Eini­gungs­an­satz in Sicht ist, sollte die Ver­ant­wort­li­chen beim bevor­ste­henden Abgang Matips sehr nach­denk­lich stimmen.