Der mieseste Job der EM: TV-Außenreporter

Holt die Jungs da raus!

Wer dachte, dass bei der EM alles ein großer Spaß ist, sollte mal auf die Außenreporter der Sender schauen. Eine Bestandsaufnahme.

Screenshot ARD

Bis vor kurzem dachten wir noch, die Torlinienrichter seien die ärmsten Hunde bei dieser EM. Durch schnöde Torlinientechnik ohnehin ihrer Hauptaufgabe – pausenlos auf die Torlinie starren – beraubt, stehen die Herren nun reichlich sinnlos in der Tiefe des Raumes, gucken angestrengt und müssen ständig in die Hocke gehen. Verstößt das nicht gegen die Menschenrechte?


(Videolink)

Doch als seien die Torlinienrichter durch die pure Sinnlosigkeit ihrer Anwesenheit nicht schon genug bestraft, drückte man ihnen als ultimative Demütigung nicht mal einen Fahne in die Hand – sondern einen blanken Stab. Und just in dem Moment, in dem wir eine Initiative für die Rettung hilfloser Torlinienrichter ins Leben rufen wollten, rückten die wirklich gebeutelten Männer dieses Turniers in unser Blickfeld: die Außenreporter der Öffentlich-Rechtlichen.

Was hat Theo Koll verbrochen?

Eins schon mal vorweg: Wir wissen nicht, was etwa die Kollegen Matthias Werth (ARD) und Theo Koll (ZDF) ihren Chefs angetan haben, wir können nur ahnen, dass sie bei den Sender-Granden einen wunden Punkt getroffen haben. Warum sonst schickt man diese beiden Koryphäen der Liveschalte auf die Fanmeilen Frankreichs? Männer, die sonst von politischen Erdbeben, krachenden Wahlniederlagen oder beängstigenden Krisen berichten, werden nun in den vollgeschminkten Fanmassen drapiert und sollen den Zuschauer an den Pulsschlag des Turniers heranführen. Das ist in etwa so, als würde man eine Installation von Joseph Beuys in den Görlitzer Park stellen. Sinnlos. 


Das hilft nur Tränengas

Und so quälen sich die Herren durch das Turnier und berichten offenbar nur unter großem körperlichen Schmerz über jubelnde Franzosen, schunkelnde Belgier und glücksbesoffenen Isländern. Sternstunde dieses absurden Theaters war bisher Werths Liveschalte aus Marseille. Während im Hintergrund angetrunkene Briten ins Bild drängten, lauthals grölten und ihr Bier über das blütenweiße Hemd des Kollegen schütteten, knurrte der bärbeißig in die Kamera: »Die saufen hier seit heute Morgen. Und gleich kriegen sie auch eine Ladung Tränengas ab wie ihre Kollegen. Die sitzen nämlich schon in der Ecke und heulen.« Spaß, das sind die anderen.

Hierzulande lässt man diese Helden am langen Arm verhungern. Keine Online-Petition (»Keine GEZ-Gebühren für Tränengas«), keine medialer Aufschrei (»Lagerkoll(er) bei ZDF-Mann«), nein, nicht mal einen eigenen Hashtag (»Werthvoll«) kriegen diese eisernen Durchhalter, die uns jeden Abend von der Mattscheibe grüßen. Ist das fair? Natürlich nicht. Wir haben Mitleid.