Seite 3: Wie Kroatien bei dieser WM überzeugte

Nach den Spielen reagierten ­seine Kol­legen wie Modric extra selbst­be­wusst, wenn sie ver­blüfft auf ihre Qua­lität ange­spro­chen wurden. Auch der Trainer machte mit: Der Gegner war nicht konfus, wir waren exzel­lent“, sagte Zlatko Dalic nach dem Vor­run­den­sieg gegen ­Argen­ti­nien. Eine nette Über­ra­schung tritt anders auf.

Kroa­tien – so viele Ein­wohner wie Berlin

Zumal man jene, die Kroa­tien vor dem Tur­nier nicht auf der Rech­nung hatten, nicht unbe­dingt als Igno­ranten abkan­zeln muss. In der Qua­li­fi­ka­tion schoss die Mann­schaft nur 15 Tore in zehn Spielen, so wenig wie kein anderes euro­päi­sches Team, das sich für die WM qua­li­fi­ziert hatte. Die Mann­schaft verlor gegen die Türkei und Island, sie spielte 1:1 gegen Finn­land. Vor dem letzten Spiel gegen die Ukraine ent­ließ Ver­bands­prä­si­dent Davor Suker Trainer Ante Cacic. Als er danach den recht unbe­kannten Dalic holte, staunten die meisten nicht schlecht. Schei­tern ist keine Option“, sagte der Neue bei seiner Prä­sen­ta­tion. Wenn wir nicht nach Russ­land fahren, bin ich sofort wieder weg.“ Kroa­tien gewann das Spiel und auch das Play-off gegen Grie­chen­land.

Wäre Kroa­tien im Fuß­ball unbe­deu­tender, es wäre kein Wunder. Das Land hat gerade mal so viele Ein­wohner wie der Groß­raum Berlin, es gibt keine strin­gente Jugend­för­de­rung, und die natio­nale Liga liegt wegen Män­nern wie Mamic schon seit Jahren auf dem Ster­be­bett, Ver­eine wie Hajduk Split oder Dinamo Zagreb sind inter­na­tional kaum mehr wett­be­werbs­fähig. Und auch wenn der Natio­nal­mann­schaft nach 1998 bei jedem großen Tur­nier das Eti­kett Geheim­favorit“ ange­klebt wurde, schei­terte sie immer wieder. Aus in der Vor­runde 2002, 2006 und 2014, Aus in der Qua­li­fi­ka­tion 2010. Auch Luka Modric war bei den Welt­meis­ter­schaften in Deutsch­land und Bra­si­lien zwar dabei, aber er spielte nie wie ein Pony, eher wie ein lah­mendes Pferd.

Bereit für die höchsten Ziele“

Viel­leicht hatte er erst mit vier Cham­pions-League-­Ti­teln im Rücken das Selbst­be­wusst­sein, seine Mann­schaft aus dem Schatten der gol­denen Genera­tion von 1998 her­aus­zu­führen. 2018 war Luka Modric der größte Super­star der WM, der kein Super­star war – und auch nach der Aus­zeich­nung als bester Spieler des Tur­niers wird er keiner mehr werden. Viel­leicht war das auch der große Vor­teil gegen­über Teams wie Argen­ti­nien, Bra­si­lien oder Por­tugal, bei denen nicht nur das Spiel auf Ein­zelne zuge­schnitten war. Groß­auf­nahme, wenn Neymar weint. Schnapp­at­mung, wenn Ronaldo aus dem Bus winkt. Panik, wenn Messi eine Nach­richt des Trai­ners nicht beant­wortet. Bei Kroa­tien gab es noch Ivan Rakitic, Mario Man­dzukic oder Ivan Perisic. Es gab eine Ver­tei­lung der Star-Last, die man mit anderen erfolg­rei­chen WM-Teams ebenso gemein hatte wie den sehr großen Willen, die eigene Geschichte neu zu schreiben.

Bereits nach dem Vor­run­den­spiel gegen Argen­ti­nien – wo war Messi? – konnte man erahnen, dass diese Mann­schaft ein ähn­li­ches Poten­zial hatte wie das Team von 1998. Dieser Pass von Modric mit dem Außen­rist in den Lauf von Ante ­Rebic, der seine Beine in die Hand nahm und aus 25 Metern abschloss. Kein Tor, doch die fielen früh genug. Und die kroa­ti­sche Tages­zei­tung Novi List“ pro­phe­zeite: Es ist defi­nitiv klar: Diese Genera­tion ist bereit für die höchsten Ziele.“

Dieser Text erschien erst­mals für das Buch 11FREUNDE WM 2018: Deutsch­lands Tränen, Frank­reichs Tri­umph“ und ist im Buch­handel sowie im Online-Shop »> erhält­lich.