Anmer­kung: Der Text enstand im Rahmen einer Recherche wenige Wochen vor der UEFA-Ent­schei­dung.

Es war nur eine Rand­notiz – zumin­dest auf den ersten Blick. Bei Öster­reichs Meister RB Salz­burg wurde vor einigen Wochen der Vor­stands­vor­sit­zende Rudolf Theierl ver­ab­schiedet. Der Betriebs­wirt hatte den Klub seit 2015 geleitet – natür­lich völlig unab­hängig von Sponsor“ Red Bull und dessen Unter­neh­mens-Patron Diet­rich Didi“ Mate­schitz (73), wie alle Betei­ligten betonen. Laut UEFA-Sta­tuten darf der Brau­se­kon­zern näm­lich keinen nen­nens­werten Ein­fluss auf die Ver­eins­ge­schäfte in Salz­burg nehmen. Andern­falls droht dem Schwes­ter­klub“ in Leipzig der Euro­pacup-Aus­schluss.

Vor diesem Hin­ter­grund sah es dann doch ziem­lich blöd aus, dass Theierl lang­jäh­riger Pro­ku­rist des Geträn­ke­her­stel­lers Red Bull sowie Geschäfts­führer meh­rerer Red-Bull-Toch­ter­firmen ist und bis 2014 im Vor­stand von RB Leipzig saß. Wie Mate­schitz selbst war auch der 67-Jäh­rige einst beim Zahn­pasta-Her­steller Blendax tätig. In Fuß­ball-Fach­kreisen gilt Theierl zwar als Laie – dafür eilt ihm der Ruf eines zuver­läs­sigen Erfül­lungs­ge­hilfen des Red-Bull-Patrons voraus.

Ohne Mate­schitz gäbe es die Uni nicht“

Genau hier kommen die UEFA-Bestim­mungen zur Inte­grität des Wett­be­werbs ins Spiel. Mit diesem Regu­lativ will der Ver­band näm­lich ver­hin­dern, dass im Euro­pacup gleich­zeitig zwei oder mehr Klubs antreten, die – Zitat – auf irgend­eine Art und Weise ent­schei­dend von ein und der­selben natür­li­chen oder juris­ti­schen Person beein­flusst werden könnten“. Dass RB Leipzig ent­schei­dend von Red Bull beein­flusst wird, bestreitet nicht mal Mate­schitz selbst. Schließ­lich ist die Red Bull GmbH 99-pro­zen­tiger Gesell­schafter der Rasen­ball­sportler. Bleibt also zu klären, ob Red Bull auch beim Schwes­ter­klub“ in Salz­burg die Fäden zieht. Das müsste zwin­gend Leip­zigs Euro­pacup-Aus­schluss nach sich ziehen. Denn das UEFA-Regu­lativ schreibt für einen sol­chen Fall vor, dass der im natio­nalen Liga­be­trieb schlechter plat­zierte Klub inter­na­tional gesperrt wird.

Ein ver­meint­lich unver­däch­tiger neuer Vor­stands­vor­sit­zender für RB Salz­burg war übri­gens schnell gefunden: Harald Lürzer, ein Unter­nehmer aus der Ski-Region Ober­tauern. Gemeinsam mit seinen Brü­dern betreibt Lürzer unter anderem Hotels, einen Taxi­ser­vice sowie meh­rere Gas­tro­nomie-Groß­be­triebe – und pflegt dabei aus­gie­bige Busi­ness-Bezie­hungen zu Red Bull. Ähn­li­ches lässt sich über die beiden wei­teren RB-Salz­burg-Vor­stände Franz Rauch und Her­bert Resch sagen. Rauch ist Seni­or­chef einer Frucht­saft-Fabrik – und macht nebenbei glän­zende Geschäfte als Abfüller für Red Bull. Der Dritte in der Riege, Resch, ist Medi­ziner und Rektor der pri­vaten Salz­burger Para­celsus Medi­zi­ni­schen Uni­ver­sität (PMU) – deren For­schung maß­geb­lich durch Mate­schitz und Red Bull finan­ziert wird. Allein für die Jahre 2005 bis 2023 stellt Red Bull über 70 Mil­lionen Euro bereit. PMU-Pres­se­spre­cher Gott­fried Sti­enen sagte im April gegen­über den Salz­burger Nach­richten“: Ohne Diet­rich Mate­schitz gäbe es diese Uni nicht.“