Seite 2: „Über jeden Fußballer europaweit informiert“

Und das tut er, so akri­bisch bis­weilen, dass Trainer Adi Hütter kurz nach Amts­an­tritt staunte, Manga sei über jeden Fuß­baller euro­pa­weit infor­miert“. Zupass kommt ihm dabei sein rei­cher Erfah­rungs­schatz, er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. Für For­tuna Düs­sel­dorf machte er einst selbst eine Hand­voll Bun­des­li­ga­spiele und warf mit den For­tunen 1995 sogar die großen Bayern aus dem Pokal. Drei Knie­schei­ben­brüche aber ver­hin­derten eine grö­ßere Kar­riere, Manga spielte in der Folge nur noch unter­klassig. Dort aber konnte er schon früh die Wei­chen für die Kar­riere danach stellen. Bei Ale­mannia Aachen war er ab 2003 Scout im Jugend­be­reich, 2011 holte ihn Hof­fen­heim, schließ­lich Bobic zu Stutt­gart. Ich habe viele Ver­gleichs­mög­lich­keiten durch meine Erfah­rung“, so Manga. Der Rest sei eine Mischung aus Bauch­ge­fühl, Instinkt und Logik.“ Außerdem wichtig: Ver­trauen. Ich brauche viel Ver­trauen und viel Frei­heit, um Top-Arbeit abzu­lie­fern. Wenn ich nicht das Gefühl habe, Dinge mit ent­wi­ckeln zu können, bin ich irgend­wann nicht mehr genießbar.“

Zu ent­wi­ckeln gab es bei der Ein­tracht indes genug, als Ben Manga 2016 seinen Dienst antrat. Der Klub hatte zwar just den Abstieg abge­wendet, war dafür aber quasi mit­tellos. Manga und Co. mussten mit einem Budget von gerade mal 2,5 Mil­lionen Euro einen neuen Kader zusam­men­stellen. Eine Mam­mut­auf­gabe, die Manga, Bobic und Hübner mit viel Fan­tasie zu bewäl­tigen wussten. Die Ein­tracht spielte dank Leih­spieler wie dem spa­ni­schen Top-Talent Jesus Val­lejo, jah­re­lang sträf­lich unter­schätzten Kickern wie Marius Wolf oder Omar Mas­ca­rell oder dem mitt­ler­weile fest ver­pflich­teten Ante Rebic eine for­mi­dable Saison ohne Sorgen, an deren Ende sogar das DFB-Pokal­fi­nale stand. Viel wich­tiger aber: Im Hin­ter­grund bas­telte Manga mit den Erlösen aus der Pokal­saison an einem Kader, der mitt­ler­weile zur Creme de la Creme der Liga gehört. Und das, obwohl er extrem kos­ten­günstig zusam­men­ge­stellt wurde.

Ich behaupte, dass ich mehr sehe als andere“

Für den Fran­zosen Sébas­tien Haller zahlte die Ein­tracht sieben Mil­lionen Euro. Ante Rebic kos­tete etwa zwei Mil­lionen Euro, das in Lis­sabon aus­ge­mus­terte Super­ta­lent Luka Jovic kann dem Ver­nehmen nach für unter sieben Mil­lionen Euro gekauft werden. Pea­nuts, schließ­lich liegt der Wert allein dieser drei Spieler mitt­ler­weile bei knapp 150 Mil­lionen Euro. Manga und sein Team, das in den letzten Jahren kon­ti­nu­ier­lich erwei­tert wurde, schaffen es, Spieler in der zweiten fran­zö­si­schen oder spa­ni­schen Liga zu finden, wie Innen­ver­tei­diger Evan N’Dicka und Mit­tel­feld­spieler Lucas Torro, die in Frank­furt sofort Stamm­spieler auf geho­benem Bun­des­li­ga­ni­veau dar­stellen. Bei so vielen Voll­tref­fern ist es kein Wunder, dass sich Manga in einem seiner sel­tenen Inter­views selbst­be­wusst gibt: Ich bin seit 15 Jahren im Geschäft und behaupte, dass ich mehr sehe als andere. Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder. Meine Auf­gabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen“, sagte er der FAZ. 

Eine Auf­gabe, die er meis­ter­haft bewäl­tigt. Mit dem Bra­si­lianer Tuta und dem Fran­zosen Almamy Touré stehen bereits die nächsten Talente bei den Hessen in den Start­lö­chern. Für wenig Geld ver­pflichtet, hat zumin­dest schon Touré bewiesen, dass er höheren Ansprü­chen genügt. Gerade debü­tierte er in der Fran­zö­si­schen U21, bei den Hessen hat er noch einen Ver­trag bis 2023. Anders übri­gens als Ben Manga, dessen Ver­trag im Sommer aus­läuft. Von einer Ver­län­ge­rung war bis­lang noch nichts zu hören. Klar ist aber: Mit einem kicker-Son­der­heft wird man diesen Mann nicht ersetzen können.