Arjen Robben schlägt Schweden 2:0. Diesen Titel könnte man der Insze­nie­rung geben, zu der der letzte Auf­tritt der Nie­der­lande in dieser WM- Qua­li­fi­ka­tion im öffent­li­chen TV wurde. Weil es Robben war, der in unnach­ahm­li­cher Manier für die ein­zigen Tore sorgte. Nur zwei von sieben benö­tigten, aber immerhin. Weil er in seinem 96. und letzten Län­der­spiel den uner­müd­li­chen Anführer gab. Und vor allem weil Robben, der 33-jäh­rige, der das Städt­chen Bedum bei Gro­ningen im ganzen Land bekannt machte, nun geht. Und ein rat­loses Fuß­ball­volk zurück­lässt.

Den Start­schuss zu einem Abschied, der bemer­kens­wert sen­ti­mental geriet, hatte zuvor der renom­mierte Fuß­ball­schreiber Willem Vis­sers gegeben. Guckt heute Abend noch ein Mal Arjen Robben an, mit einer Träne im Augen­winkel“, schrieb er in der Tages­zei­tung Volks­krant. Die Träne floss dann bei Robben selbst, schon wäh­rend der Hymne. Das Publikum jeden­falls guckte nicht nur, es jubelte dem letzten ver­blie­benen Prot­ago­nisten einer gol­denen Oranje-Genera­tion zu, und sang Arjen, Arjen“, als der abge­kämpfte Kapitän mit zweien seiner Kinder eine Ehren­runde drehte.

Der Mann aus Glas hat lange durch­ge­halten“

Psy­cho­lo­gisch ist das recht ein­leuch­tend. Wenn ein Fuß­ball­land dieser Signatur erst die teil­neh­mer­stärkste EM aller Zeiten und nun auch die WM ver­passt, ist das ein Tief­schlag, dessen ver­hee­rende Wir­kung man gerne abfe­dert – egal, wie sehr er sich in den letzten Monaten abzeich­nete. Inso­fern blickten die Fans nicht nur auf die Kar­riere Rob­bens zurück. Die Wehmut, die Melan­cholie, die durch die Arena schwappten und die auch die Reporter an Spiel­feld­rand und im Studio ergriffen, galt durchaus auch dem ver­blas­senden Glanz einer Zeit, die nun, mit Aus­sicht auf einen wei­teren tur­nier­losen Sommer, wie wun­der­bare Jahre anmutet. 

Aber da war mehr: Die Inbrunst, mit der Robben gefeiert wurde, ist auf­fällig, denn seine Bezie­hung zu nie­der­län­di­schen Fans war nicht immer ein­fach. Eine Über­schrift auf der Web­site des TV-Sen­ders NOS erin­nerte ges­tern nacht daran. Der Mann aus Glas hat lange durch­ge­halten“, so wür­digte man die Tat­sache, dass es der ver­let­zungs­an­fäl­lige Robben trotzdem auf fast 100 Län­der­spiele brachte. Nicht nur des­halb war er lange umstritten: Nicht wenigen galt er als fall­süch­tiger, ver­bis­sener Ehr­geiz­ling, der, wenn es darauf ankommt, nicht lie­fert.