Eine Woche ist es her, da mel­dete Fuß­ball-Regio­nal­li­gist Hessen Kassel die Insol­venz an. Bank­rott, pleite, nichts geht mehr. Sogleich bestrafte der Ver­band den zah­lungs­un­fä­higen Verein mit einem Abzug von neun Punkten für die kom­mende Saison.

Wenn im Laufe der Saison die chi­ne­si­sche U20-Natio­nal­mann­schaft in Kassel spielt, können die Hessen keine Punkte sam­meln, aber Geld. Die Gäste aus Fernost sollen, nach den Plänen von DFB und des chi­ne­si­schen Ver­bands, die Regio­nal­liga Süd­west auf die gerade Anzahl von 20 Mann­schaften auf­sto­cken und der ansonsten spiel­freien Mann­schaft zweimal in der Saison als Spar­ring­partner dienen. Was für eine Idee.

Zuschauer + Brat­wurst

Im Gegenzug für die Soli­da­ri­täts­ak­tion Aufbau (Fern-)Ost“ erhält jeder Verein für jedes Spiel von den Chi­nesen eine Zulage von 15.000 Euro. Inklu­sive Zuschau­er­ein­nahmen und Brat­wurst­ver­kauf bedeutet das für jeden Teil­nehmer finan­ziell circa einen neuen Spieler.

Doch darum geht es nicht.

Der Fuß­ball hat längst den Zenit des Gedulds­bergs seiner Anhänger über­schritten. Spiel­zeuge von Brau­se­fa­bri­kanten, die in der Cham­pions League spielen dürfen, weil sie ja absolut nichts mit­ein­ander zu haben – abge­sehen von Logo, Ver­eins­namen und Sponsor. Pokal­end­spiele, die laut öffent­lich geäu­ßerten Plänen dem­nächst im Aus­land statt­finden sollen. Spieler und ihr Rat­ten­schwanz an Bera­tern, die jeden Cent am Fiskus vor­bei­sch­leusen wollen. China in Baden-Würt­tem­berg ist da nur noch ein kleiner Tropfen.

Der Tri­kot­ver­kauf in Tian­jing

Das Fass im Ama­teur­be­reich könnte damit trotzdem über­laufen. Angeb­lich, so sagt der DFB, sind die Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen mit dem Plan ein­ver­standen. Zwei Spiele ohne sport­li­ches Risiko mit Zusatz­ein­nahmen. Und, wie es Kickers-Geschäfts­führer Chris­to­pher Fiori (mel­dete im Mai die Insol­venz seines Ver­eins) sagt: Wir sehen für ein Spiel in Offen­bach auch gute Ver­mark­tungs­mög­lich­keiten“. Natür­lich, die OFC-Tri­kot­nach­frage in Tian­jing wird kaum zu stillen sein.

Der DFB ver­mit­telt spiel­freien Regio­nal­li­gisten Test­spiele gegen eine Prämie. Und die finden das prima, könnte man nüch­tern sagen. Oder: Der DFB ver­folgt seine inter­na­tio­nale Expan­die­rungs­stra­tiegie und drückt den dar­benden Regio­nal­li­gisten die Pis­tole auf die Brust. Dass der Ver­band dieses Vor­haben mit einer Glät­tung der Spiel­pläne argu­men­tiert, ist dreist.

Sonst müssten wir uns noch mit Pro­blemen befassen

Natür­lich in einer Liga, aus der jeder Meister nur durch ein Nadelöhr ent­kommt und die für jeden über­re­gio­nalen Sponsor völlig unat­traktiv ist, sind 30.000 Euro gern gesehen. Da kommen Fan­ta­sie­spiele gegen chi­ne­si­sche Talente gerade recht. Sonst müssten noch Struk­turen ver­än­dert werden. Es ist wider­lich.

Immerhin: Schon jetzt dürfen sich Kri­tiker darauf freuen, wenn ein Auf­stiegs­kan­didat kurz vor Beginn der Rele­ga­ti­ons­spiele – noch so ein Thema, bei dem der DFB angeb­lich die volle Rücken­de­ckung der Ver­eine hat – bei einem Freund­schafts­spiel gegen die Gäste aus Fernost seinen Mit­tel­stürmer mit einem Fuß­bruch vom Platz trans­por­tiert. Oder in weiser Vor­aus­sicht seine zweite Mann­schaft auf­laufen lässt. Auf dem B‑Platz vor hand­ge­zählten 14 Zuschauern.

Kopf­schüt­teln in Pir­ma­sens

Pro­bleme, die der FK Pir­ma­sens übri­gens nicht hat. Weil die Regio­nal­liga Süd­west sich vor Beginn der letzten Saison wieder ver­klei­nern wollte, alle Rele­ga­ti­ons­spiele ver­loren gingen und mit Mainz II und FSV Frank­furt (insol­vent) zwei Absteiger hin­zu­kamen, stieg Pir­ma­sens in die Ober­liga ab. Als Sechst­letzter. Als 20. Mann­schaft einer Regio­nal­liga.

Wenige Tage später mel­dete Hessen Kassel Insol­venz an.