Lukas Podolski wech­selt im Sommer in die japa­ni­sche J‑League. Was sich seit dem Sommer ange­deutet hatte, ist seit heute Vor­mittag fröh­liche Gewiss­heit. Denn Podolski hat ein­ge­sehen, dass sich seine Zeit im Pro­fi­fuß­ball langsam dem Ende zuneigt und geht des­halb wie ein Rock­star mit erho­benem Haupt auf seine letzte große und längst aus­ver­kaufte Abschieds­tournee.

Ver­ant­wor­tung getragen

Für die meisten wird Podolski fälsch­li­cher­weise als das Mas­kott­chen der Deut­schen Natio­nal­mann­schaft wäh­rend der Welt­meis­ter­schaft 2014 in die Annalen ein­gehen. Dabei trägt er die Last der feh­lenden Gnade einer späten Geburt auf seinen Schul­tern. Als der deut­sche Fuß­ball am Boden lag, nach dem Aus­scheiden in der Vor­runde der Euro­pa­meis­ter­schaft 2004, waren es Podolski und Schwein­s­teiger, die für einen leisen Hoff­nungs­schimmer sorgten.

Und mit 21 Jahren nahm er so viel Ver­ant­wor­tung auf sich, wie es nur mög­lich ist für jemanden, der im WM-Vier­tel­fi­nale gegen Argen­ti­nien zum Elf­me­ter­punkt läuft. Das war kein Kir­mes­spiel“, sagte Podolski im Inter­view für unsere neue Aus­gabe, Es war schon eine große Erlö­sung als der Ball drin war.“ Danach spielte er Tur­nier um Tur­nier. Ließ sich in Mün­chen auf die Bank setzen, spen­dete Hoff­nung für dar­bende Kölner, ging seinen Weg allein ins Aus­land.

Jede Rolle klaglos akzep­tiert

Und als Deutsch­land end­lich Welt­meister wurde, war Podolski beim FC Arsenal bereits zum Aus­lauf­mo­dell ver­kommen und füllte seine Rolle als sti­li­sierter Gute-Laune-Bär klaglos aus. Man muss das nicht mögen, aber der Ein­stel­lung seinen ver­dienten Respekt zollen.

Nun geht es im Sommer nach Japan. Zum glanz­losen Vissel Kobe, Grün­dungs­datum 1995, Werks­klub – wie so oft in der J‑League.

Nie­mand sollte den Schein wahren wollen und über sport­liche Ambi­tionen phi­lo­so­phieren. Es gibt keine. Und das ist völlig in Ord­nung. Für Podolski, der nach unzäh­ligen Aha-Momenten auf seinen Asi­en­tour­neen mit Arsenal längst zum japa­ni­schen Heroen auf­ge­stiegen ist, dürfte die Reise einem großen Aben­teuer gleich­kommen. Eine Abschieds­tournee mit seinen besten Songs. Die er früher besser spielte, die aber im Publikum noch immer für das gleiche woh­lige Schau­dern sorgen.

Der Nach­folger von Oliver Kahn

Jeden Moment in der Natio­nal­mann­schaft habe er genossen, erin­nerte sich Podolski. Fraglos, dass er jeden Moment in Japan auf­saugen und genießen wird. Bei diesem Publikum.

Wer sich an den Wahn­sinn um Oliver Kahn und David Beckham in Japan nach der Welt­meis­ter­schaft 2002 erin­nert, wird erahnen können, zu wel­chem Pop­star sich Podolski in den kom­menden Monaten ent­wi­ckeln wird.

Wenige haben es mehr ver­dient

Ich weiß noch nicht, was ich mache, wenn ich mal mit dem Fuß­ball auf­höre“, sagte er uns. Auf jeden Fall werde ich den ganz nor­malen Alltag genießen. Mor­gens zum Bäcker gehen, dann die Kinder in die Schule bringen – ein ganz nor­males Leben eben.“

Ein ganz nor­males Leben hat aber noch etwas Zeit. Vorher wird Podolski ins Land der auf­ge­henden Sonne ziehen und zum letzten großen Stage Dive ansetzen. Nur wenige haben es sich mehr ver­dient.