Knapp zwei Jahre ist es her, da sorgte Arsenal-Trainer Arsene Wenger für ein Novum in der so ruhm­rei­chen Geschichte seines Klubs. In der vierten Runde des FA-Cups, beim 4:0‑Sieg über den Dritt­li­gisten Coventry City, setzte der Fran­zose fünf Spieler mit deut­schem Pass ein. Den zwei­fa­chen Tor­schützen Lukas Podolski, Abwehr­chef Per Mer­te­sa­cker und natür­lich Mesut Özil. Drei spä­tere Welt­meister. Dazu noch Serge Gnabry und einen jungen Mann mit äthio­pi­schen Wur­zeln namens Gedion Zelalem. Nicht berück­sich­tigt, aber unter Ver­trag bei den Lon­do­nern: Thomas Eis­feld aus Fins­ter­walde und der Ber­liner Leander Sie­mann. Vor­sprung durch Technik“ titelte die Bou­le­vard-Zei­tung Sun“ am nächsten Tag – auf deutsch. Ver­traut den Deut­schen“, rief Arsene Wenger den Kri­ti­kern zu, denn sie können kämpfen!“ Deut­scher war der FC Arsenal noch nie.

Talent und Per­sön­lich­keit“

Das war im Januar 2014. Im aktu­ellen Kader des FC Arsenal stehen mit Per Mer­te­sa­cker und Mesut Özil nur noch zwei Deut­sche, Podolski hat den Klub längst ver­lassen und sucht bei Gala­ta­saray sein Glück. Und die jungen Lands­leute Gnabry, Zelalem, Eis­feld und Sie­mann? Eine Spu­ren­suche vor dem Cham­pions-League-Kra­cher gegen die Bayern.

Serge Gnabry
Eigent­lich können sie ja ganz gut mit Talenten beim VfB Stutt­gart. Im Sommer 2012 rutschte ihnen trotzdem einer durchs Raster. Da wech­selte ein Teen­ager namens Serge Gnabry – Vater Ivorer, Mutter Schwäbin – von den Stutt­gar­tern zum FC Arsenal. Der flinke Mit­tel­feld­mann war gerade erst 17 geworden und setzte bald schon Duft­marken. Debüt in der Pre­mier League mit 17 gegen Nor­wich City, drei Tage später Debüt in der Cham­pions League gegen Schalke 04. Ein ein­ge­klemmter Nerv im Rücken warf das von der eng­li­schen Presse zum German Wun­der­kind“ titu­lierte Talent für einige Monate aus der Bahn. Doch Gnabry kehrte zurück und schoss am 28. Sep­tember 2013 ein Tor gegen Swansea. Mit 18 Jahren und 76 Tagen. Jünger war in Arse­nals Klub­ge­schichte nur ein gewisser Cesc Fabg­regas. Er hat Talent und Per­sön­lich­keit“, urteilte Arsene Wenger, schob aller­dings mah­nend hin­terher: Lasst uns nie­manden nach nur einem Spiel zu Super­star machen.“ Viel­leicht lag es aber doch an der über­zo­genen Erwar­tungs­hal­tung, dass dem deut­schen U‑Nationalspieler nie der Durch­bruch gelang. Vor der lau­fenden Spiel­zeit ver­liehen die Lon­do­nern den 1,73 Meter Mann an den Pre­mier League-Kon­kur­renten West Brom­wich Albion. Am 23. August gab er da sein Debüt gegen den FC Chelsea, von einem Stamm­platz ist er aller­dings weit ent­fernt. Viel­leicht wird es ja trotzdem noch was. Der Mann ist schließ­lich erst 21 Jahre alt.