40 _ Thomas Müller
Als Reporter Barney Ronay vom Guar­dian“ im April 2013 unter dem Ein­druck des Bayern-Heim­spiels gegen Juventus beschreiben sollte, was das Spiel des Thomas Müller aus­macht, zählte er zunächst auf, was Müller alles nicht ist. Kein Spiel­ma­cher wie Özil, kein über­ra­gender Tech­niker wie Leo Messi, kein Super­stürmer wie Ibra­hi­movic. Son­dern ein Raum­deuter“, der Lücken sieht, wo sie kein anderer findet und sie mit sich selbst füllt, eine ein­zig­ar­tige Bega­bung im ver­dich­teten Hoch­geschwindigkeitsfußball heu­tiger Zeit. Raum­deuter“ Müller hat den Begriff selbst geprägt. Es war ihm viel­leicht bewusst, wie unprä­ten­tiös dieses Wort daher­kommt und wie revo­lu­tionär es zugleich ist. Er ver­än­dert unseren Blick auf das Spiel. Grund­legend und für immer.

39 _ Herzog & De Meuron
Die Schweizer Jac­ques Herzog und Pierre de Meuron stehen stell­ver­tre­tend für die immer grö­ßere Bedeu­tung der Sta­di­onar­chi­tektur. In Zeiten, in denen Fuß­ball zum glo­balen Mas­sen­spek­takel geworden ist, reicht es nicht mehr, ein­fach nur vier Tri­bünen zu mauern. Optisch der Knaller und tech­nisch per­fekt müssen die Sta­dien der Gegen­wart sein. Mit der Münchner Arena und ihrer Schlauch­bootoptik haben Herzog & de Meuron eines der spek­ta­ku­lärsten Fuß­ball­sta­dien der jün­geren Zeit geschaffen, außerdem gehen das Olym­pia­sta­dion in Peking („Vogel­nest“) oder der St. Jakob-Park in Basel auf ihre Kappe. Ebenso gut könnten an dieser Stelle aber auch Norman Foster (New Wem­bley) oder Speer & Partner stehen, die gerade den Mas­ter­plan für die kli­ma­ti­sierten Sta­dien in Katar ent­werfen. Das Genre boomt und wird weiter boomen.

38 _ Issa Hayatu
Auf die stolze Zahl von 25 Komi­tees kommt der afri­ka­ni­sche Fuß­ball­ver­band, dessen rät­sel­haf­testes das der Zonen­re­prä­sen­ta­tiven des Kon­sul­ta­tiv­ko­mi­tees“ ist. Das damit ver­bun­dene Tagungs­wesen in schi­cken Hotels zeigt, wie der alte Löwe aus Kamerun seine Leute seit mehr als einem Vier­tel­jahr­hun­dert bei Laune hält. Wer für ihn stimmt, hat schöne Reisen mit­ge­bucht. Der 67-jäh­rige Prä­si­dent hat alle voll im Griff und mit dieser Macht die Zahl afri­ka­ni­scher WM-Teil­nehmer von zwei auf fünf gestei­gert. Dem­nächst sollen es viel­leicht sogar noch mehr werden, was mehr Geld und mehr schicke Reisen bedeutet. Kein Wunder, dass keine Oppo­si­tion in Sicht ist.

37 _ Mas­simo Buss­acca
Bis zum Sommer 2011 gehörte der selbst­be­wusste Schweizer noch zu den welt­weit renom­mier­testen Schieds­rich­tern, als er über­ra­schend vier Jahre vor der Zeit auf­hörte. Das Ende seiner aktiven Kar­riere war aber nur der Beginn einer neuen, denn Buss­acca wurde bei der FIFA zum Chief of the World Refe­rees“, also zum Welt­schieds­richter­boss. Damit wird seither keine Frage, ob es um die Aus­le­gung von Regeln und deren Durch­set­zung geht oder um die Leis­tungen und Mög­lich­keiten von Refe­rees auf inter­na­tio­nalem Level, ohne den wich­tigsten Schieds­rich­ter­funk­tionär der Welt dis­ku­tiert.

36 _ Andrea Agnelli
Ach, was waren das für Zeiten, als Serie-A-Klubs von mon­dänen Mäzenen geführt wurden. Doch Milan-Boss Ber­lus­coni ist auf dem Weg in den Knast, Inter-För­derer Mor­atti hat seine Aktien ver­kloppt, Roma-Chef Sensi ist längst tot. Bleibt nur der Spross der Fiat-Dynastie. Aber wäh­rend sein Onkel Gianni die Juve-Profis noch nach Guts­her­renart am Telefon aufs Match ein­schwor, gibt Andrea Agnelli den seriösen Chef, der statt gefühls­du­se­liger Finanz­spritzen seiner alten Dame ratio­nales Wirt­schaften ver­ordnet.

35 _ Carles Fol­guera
So etwas wie der Bern­hard Peters des spa­ni­schen Fuß­balls – und noch mehr. Wie der eins­tige Pfer­de­flüs­terer von Jürgen Klins­mann kommt auch Carles Fol­guera ursprüng­lich aus dem Hockey. Als Spieler wurde er mit Spa­nien Welt­meister und gewann die Sil­ber­me­daille bei den Olym­pi­schen Spielen 1992. Zehn Jahre später wurde er Chef von La Masia, der Jugend­aka­demie des FC Bar­ce­lona, und damit der erfolg­reichste Talent­schmied des Welt­fuß­balls. Um es etwas ver­kürzt zu sagen: Carles Fol­guera hat Leo Messi ent­deckt. Und Andres Iniesta. Und Cesc Fabregas. Und, und, und. Dabei ist Fol­guera nicht nur Erfolgs‑, son­dern auch Wer­te­fe­ti­schist. Sein Credo: Es ist mög­lich, Welt­klas­se­fuß­baller und trotzdem ein guter Mensch zu werden.“

34 _ Jérôme Valcke
Sepp Blat­ters Mann fürs Grobe geht gerne dahin, wo es weh tut. So beschied der FIFA-Gene­ral­se­kretär dem Gast­ge­ber­land der WM 2014, es brauche ange­sichts aus­blei­bender Bau­fort­schritte einen Tritt in den Hin­tern“. In Bra­si­lien war die Empö­rung groß, aber Blatter wird es gefreut haben: Bot­schaft ange­kommen. Weniger amü­siert war der Chef, als eine E‑Mail Valckes an die Öffent­lich­keit gelangte, in der er Katar beschul­digte, den Zuschlag fürs Welt­tur­nier 2022 gekauft zu haben. War dann aber doch, hüstel, alles nicht so gemeint.

33 _ Andrew Jen­nings
Tritt der Jour­na­list auf, bekommen FIFA-Funk­tio­näre einen Reiz­magen. Mit seinem Buch Foul!“ legte der 70-Jäh­rige das Ausmaß der Kor­rup­tion im Ver­band offen und brachte unter anderem den Ver­mark­tungs­riesen ISL ins Wanken. Sprach zuletzt vor dem bra­si­lia­ni­schen Senat und for­derte: Sagen sie der FIFA: ›Ihr stinkt zum Himmel! Unsere Prä­si­dentin sollte sich nicht mit euch Gau­nern foto­gra­fieren lassen.‹“ Soli­da­ri­sierte sich mit Anti-FIFA-Pro­test­lern und unter­stützt das FBI bei der Jagd nach Kor­rup­tion im Fuß­ball. Ein deut­scher Verlag fand sich für Foul“ jedoch nicht. Der Inhalt des Buches sei ein­fach zu bri­sant.

32 _ Mark Parker
Im Büro von Mark Parker hängt Kunst von Warhol neben Ori­gi­nal­mo­dellen aus den Filmen Mars Attacks!“ und Zurück in die Zukunft“, aber das ist nicht (nur) der Grund dafür, dass er schon mal als krea­tivster CEO der Welt“ nomi­niert wurde. Der Nike-Chef kam tat­säch­lich noch als Schuh­de­si­gner und nicht von der Busi­ness School, aber natür­lich ist er in erster Linie ein cle­verer Geschäfts­mann. Berühmt-berüch­tigt der Ein­fluss von Nike als Sponsor der bra­si­lia­ni­schen Natio­nalelf. 2014 soll ihr Jahr werden.

31 _ Cris­tiano Ronaldo
Kna­ckigstes Hoch­glanz­model seit Pamela Anderson, Aus­hän­ge­schild der Spiel­er­ge­nera­tion Askese“, galak­tisch teurer Transfer und natür­lich auch der best­ver­die­nende aktive Fuß­baller der Welt. Die Hälfte seiner der­zeit knapp 35 Mil­lionen Euro Jah­res­ein­kommen (Quelle: Forbes) bezieht der lebende Super­lativ aus per­sön­li­chen Spon­so­ren­ver­trägen. Die Mar­ke­ting­ab­tei­lungen lieben den Beau aus Madeira vor allem, weil er mit über 65 Mil­lionen Face­book-Fans auch der König unter den Sport­lern im Netz ist. Wie groß sein viraler Ein­fluss ist, zeigte sich, als er zuletzt via Twitter junge Fans auf­rief, sich in seiner aktu­ellen Unter­ho­sen­kol­lek­tion abzu­lichten. Gerüchten zufolge war der Rück­lauf so massiv, dass die NSA zusätz­li­ches Per­sonal anheuern musste.