Bevor Javier Pas­tore am Wochen­ende seinen Dop­pel­pack schnürte, jon­glierte er erstmal den Ball. Einmal, zweimal, dreimal tropfte der Ball auf Knie und Fuß, gleich­zeitig degra­dierte er Ver­tei­diger Romain Genevois aus Nizza zum Zuschauer. Sein anschlie­ßender Abschluss wurde zwar pariert, doch der Nach­schuss saß. Pas­tores zweites Tor an diesem Tag, am Ende siegte PSG 3:1 gegen den OGC Nizza. Im Meis­ter­rennen liegt Paris fünf Spiel­tage vor Schluss gleichauf mit Lyon. 

Wegen sol­cher Tore wie am Wochen­ende bringt Pas­tore gerade die ganz Großen des Geschäfts in Wal­lung. Eric Can­tona erklärte Pas­tore jüngst zu seinem abso­luten Lieb­ling: Pas­tore macht Sachen, die dich jedes Mal über­ra­schen. Er ist der krea­tivste Spieler der Welt, des­halb liebe ich ihn!“

Wer ist dieser Schlaks, an den Can­tona sein Herz verlor?

El Flaco„ nennen sie den Argen­ti­nier. Der Dürre“, weil er zwar fast 1,90 Meter groß ist, aber nur 78 Kilo­gramm wiegt. Im Pariser Edel­kader ist der 25-Jäh­rige so etwas wie der Roh­dia­mant, der zwi­schen den teuren Edel­steinen lagert. Trainer Lau­rent Blanc kann ihn in der Offen­sive fast überall ein­setzen. Am wohlsten fühlt er sich auf der klas­si­schen Spiel­ma­cher­po­si­tion. Da zele­briert er seine Pässe, setzt zu 40-Meter-Solos an und packt die gefürch­teten Tunnel aus. Die Spiel­weise von Bay­erns Thiago wäre wohl der ange­mes­sene Ver­gleich. Doch oft spielt er an der Grenze zum Leicht­sinn. Manchmal bringt er das Team in Gefahr, auch wenn wir am Ende 3:1 gewonnen haben„, urteilt Trainer Lau­rent Blanc über ihn.

Ich gucke seine Spiele nur wegen der Pässe“

Die, die ihn schon länger beob­achten, wie Lau­rent Blanc, sagen ihm trotzdem eine große Zukunft voraus. Das klingt merk­würdig, denn er ist schon 25. Gut mög­lich aber, dass diese große Zukunft gerade erst beginnt. Auch weil er die anderen immer wieder traum­haft in Szene setzt: Zehn Vor­lagen sind es in dieser Saison schon. Can­tona, wei­terhin ver­liebt: Ich habe mir zwei Spiele ange­schaut, nur um seine Pässe zu sehen. Er spielt intui­tive Pässe, er hat ein fan­tas­ti­sches Auge für den Mit­spieler.“

Diese Liebe musste sich Pas­tore über Jahre erkämpfen. Als 22-Jäh­riger war er den gerade von der Qatar Invest­ment Group“ gekauftem PSG im Sommer 2011 die wahn­wit­zige Summe von 42 Mil­lionen Euro wert. Pas­tores Refe­renz: Elf Tore und eine ganz ordent­liche Saison für Palermo. Mehr nicht. Genauso viel Geld nahm PSG später für Thiago Silva in die Hand. Für Zlatan Ibra­hi­movic, der sich selbst als Fer­rari sieht, zahlten sie sogar nur die Hälfte. Pas­tore wurde die erste Duft­marke der neu­rei­chen Pariser auf dem Trans­fer­markt.

Einer wie Riquelme

Fortan war er in Paris der Star, der Fix­punkt, das Mega­ta­lent aus Argen­ti­nien, um den eine neue Mann­schaft kre­iert werden sollte. Sein Wechsel löste bei einem Pariser Fan solche Hoch­ge­fühle aus, dass er JA-VIIER PAS-TOOREE!!“ grö­lend in seinem Cabrio durch das som­mer­liche Paris cru­iste. Bis heute ist dieses You­Tube-Video über 350.000 Mal ange­schaut worden.

In seiner ersten Saison erwi­derte er solche Lie­bes­be­kun­dungen der PSG-Fans noch: 16 Tore und sieben Vor­lagen, das machte Lust auf mehr. Ein Hype begann, seine Tri­kots waren aus­ver­kauft. Alle waren ver­liebt, auch Argen­ti­niens ehe­ma­liger Natio­nal­trainer Carlos Bilardo: Pas­tore ist der Pro­totyp eines modernen Regis­seurs, er erin­nert mich an Eng­lands Paul Gas­coigne oder Juan Roman Riquelme.“