Seite 5: „Wenn ich auf den Platz laufe denke ich an diese Mädchen”

Wie haben Sie die Urteile gegen zwei Assis­tenten Kerams Ende 2019 wahr­ge­nommen?
Ich freue mich über jeden Schritt in die rich­tige Rich­tung, weil wir damit eine Stimme bekommen und uns Glauben geschenkt wird. Und des­halb freue ich mich grund­sätz­lich auch über die neu­er­li­chen Urteile, auch wenn die FIFA dafür zu lange gebraucht hat. Ob ich mit der Härte dieser Strafen ein­ver­standen bin, ist eine andere Frage.

Sind Sie es?
Nein. Die Strafen sind für mich lächer­lich. Die Beiden wurden von der FIFA für fünf Jahre von fuß­bal­le­ri­schen Ämter aus­ge­schlossen. Und was pas­siert danach? Sie haben dieses System unter­stützt, sie wussten unter wel­chen Bedin­gungen diese Frauen Fuß­ball spielen, sie wussten von ihrem Leid und sie haben sich mit ihrem Schweigen mit­schuldig gemacht.

Ihre Mann­schaft von damals exis­tiert nach den Rück­tritten aller Spie­le­rinnen nicht mehr. Wie sieht Ihr Kon­takt heute zuein­ander aus?
An unserer Freund­schaft hat sich seit unseren Rück­tritten über­haupt nichts geän­dert. Wir sind nach wie vor sehr eng mit­ein­ander ver­bunden und halten uns gegen­seitig auf dem Lau­fenden, wenn es neue Infor­ma­tionen zu den lau­fenden Ver­fahren gibt. Dar­über hinaus arbeiten wir momentan auch daran, wieder gemeinsam auf dem Platz zu stehen.

Wie haben die Ereig­nisse der letzten Jahre Ihren Blick auf den Fuß­ball ver­än­dert?
Natür­lich wird einem bewusst, mit wel­cher Frei­heit man in Deutsch­land Fuß­ball spielen darf und um wie­viel mehr es im Fuß­ball gehen kann. Aber ich spiele heute auch anders Fuß­ball. Wenn ich auf den Platz laufe denke ich an diese Mäd­chen – meine Team­kol­le­ginnen – und spiele mir all den Frust von der Seele.