In der Kabine des FC Hel­singör machten sie drei Kreuze und priesen Gott, den Herrn. Oder sie dankten sonst wem. André Riel war gegangen. Von jetzt auf gleich. Tschüss! Der Stürmer, der in der ver­gan­genen Saison zehn Treffer zum Auf­stieg in die däni­sche Super­liga bei­getragen hatte, war kurz vor dem Schließen des Sommer-Trans­fer­fens­ters durch das­sel­bige gehechtet – zum Liga-Rivalen Aarhus GF. Warum Riels bis­he­rige Team­kol­legen so erleich­tert reagierten? Weil der 27-Jäh­rige als einer der größten Stink­stiefel aller Zeiten im däni­schen Sport gilt. Als selbst­ver­liebter Voll-Ego­mane. Und somit als Pro­totyp der modernen Ich-AG im Berufs­fuß­baller-Busi­ness.

Riel selbst macht auch gar kein Hehl aus seiner Was-interessiert-mich-der-Rest-der-Welt?“-Attitüde. Gleich nachdem er bei seinem neuen Klub ange­kommen war, erklärte er gegen­über Repor­tern: Der haupt­säch­liche Grund, warum ich zu Aarhus GF gekommen bin, ist der, dass ich hier eine grö­ßere Bühne vor­finde, auf der ich mich prä­sen­tieren kann. So kann ich mich für einen bes­seren Verein emp­fehlen. Wenn ich bei AGF her­vor­steche, sehen mich end­lich auch die grö­ßeren Klubs.“ Rums. Diese Ansage saß schon mal.

Ich hoffe, die Mann­schaft funk­tio­niert in meinem Sinne“

Wäh­rend den Umste­henden noch der Mund offen­stand, legte Riel beherzt nach: Wenn ich wählen könnte, ob ich ganz oben in der Tor­schüt­zen­liste lande oder mit Aarhus GF ganz oben in der Tabelle, würde ich natür­lich den per­sön­li­chen Erfolg wählen“, ver­kün­dete er mit festem Blick und fügte an: Mein Ziel ist es immer, Tore zu schießen. Ich hoffe natür­lich, dass die Mann­schaft in meinem Sinne funk­tio­niert, damit ich mög­lichst häufig treffen kann.“ Aha.

Der Shit­s­torm der Aarhus-GF-Fans ließ nicht lange auf sich warten. Und so beeilte sich Riels neuer Arbeit­geber, dessen ego­ma­ni­sche Aus­sagen auf der ver­eins­ei­genen Home­page zu rela­ti­vieren. So sei es natür­lich nicht, erklärte der Tor­jäger etwas halb­herzig: Ich hatte mich da leider etwas dumm und unklug aus­ge­drückt und ich will mich gern bei den Fans und meinen Mann­schafts­ka­me­raden ent­schul­digen, weil so der Ein­druck ent­standen ist, dass ich meinen per­sön­li­chen Erfolg über den der Mann­schaft stelle.“ Der Erfolg des Teams und des Klubs gehe natür­lich vor und über­haupt und so. Ja, schon klar.

In Aarhus hatte man gewusst, dass man mit André Riel einen eher schwie­rigen Typen ver­pflichten würde. Eigent­lich ist es ja sogar ein Dop­pel­transfer, den der Klub da getä­tigt hat: Man holte Riel und sein Ego, das – so behaupten Spötter – in der Umklei­de­ka­bine gleich drei Plätze in Anspruch nimmt. Min­des­tens. 

In Hel­singör soll sich Riel nach den Trai­nings­ein­heiten regel­mäßig gewei­gert haben, seine ver­schwitzten Stutzen in die dafür vor­ge­se­hene Wäsche­tonne zu werfen. Außerdem soll er mehr­fach vor ver­sam­melter Mann­schaft den Trainer zusam­men­ge­staucht und darauf gedrängt haben, dass Taktik und Spiel mehr auf ihn selbst und seine Tor­quote zuge­schnitten würden. Ach ja, außerdem soll er seinen Schlitten bei seinen häu­figen Fri­seur­be­su­chen gerne auf dem Behin­derten-Park­platz abge­stellt haben. Hm.

Aarhus-GF-Sport­chef Peter PC“ Chris­ti­ansen ist den­noch über­zeugt, mit André Riel den opti­malen Mit­spieler für seine Mann­schaft gefunden zu haben: Wir hatten ihn schon eine ganze Zeit lang im Visier, aber es sah zunächst so aus, als würde nichts aus der Ver­pflich­tung werden. Nun sind wir umso glück­li­cher, dass es geklappt hat. André ist ein hart arbei­tender Stürmer mit extremem Tempo in den Beinen und einem Selbst­ver­trauen, wie man es in diesen Brei­ten­graden nicht allzu oft sieht. Er ist ein Voll­stre­cker von hoher Qua­lität und ein Angreifer, der jeder Abwehr in Däne­mark Pro­bleme bereiten kann.“

Der Typ steht mir bis hier“

Riel kann jedoch auch im eigenen Team für Schwie­rig­keiten sorgen. Das war tags darauf in einer eher seriösen däni­schen Tages­zei­tung nach­zu­lesen. Dort erschien eine rie­sige Geschichte, die erahnen ließ, warum der FC Hel­singör seinen amtie­renden Tops­corer kurz nach dem Sai­son­be­ginn frei­willig ziehen ließ. Schließ­lich hatte Riel in den ersten sieben Spielen der lau­fenden Saison vier Mal getroffen und dem Auf­steiger zu einem tollen Sai­son­start und zu Platz neun ver­holfen.

Aber Tore sind nun mal nicht alles. Riels Mann­schafts­ka­me­raden sollen die Nase zuletzt mehr als voll gehabt haben vom König der Ich-AGs, seinem ewigen Eigen­sinn und den elenden Allüren. Sie hatten es leid, nach Riels Pfeife zu tanzen und sich für ihn die Lunge aus dem Hals zu rennen, wenn er mal wieder seine kleinen Kunst­pausen ein­legte. Auch Trainer Chris­tian Löns­trup habe intern erklärt, dieser Typ stünde ihm bis hier“. Es ging ein­fach nicht mehr.

Ich habe eben ein aus­ge­prägtes Tem­pe­ra­ment“

Riels Reak­tion auf den Bericht war, nun ja, nicht gerade von Selbst­kritik gekenn­zeichnet: Der Reporter, der das ver­breitet hat, ist so ein Lügner vom Hel­singör Dag­blad“, erklärte er kur­zer­hand. Gut, ich habe in der Mann­schaft viel­leicht ziem­lich viel Raum ein­ge­nommen auf­grund meiner Per­sön­lich­keit. Ich habe eben ein aus­ge­prägtes Tem­pe­ra­ment und ich sage meine Mei­nung. Es gibt viel­leicht manche, die mir das negativ aus­legen. Aber ich meine es nur gut. Ich will stets das beste für meine Team­kol­legen.“ Sicher.