Der Jupp Heynckes der Kreis­liga
In Mün­chen ist wieder Ruhe ein­ge­kehrt. Don Jupp hat die Fäden in der Hand. Nie­mand hackt nervös auf seinem Laptop rum und mit­tags wird sich immer aus­ge­ruht. Mit schlaf­wand­le­ri­scher Sicher­heit geleitet Heynckes den FC Bayern zur schon seit November sicheren Meis­ter­schaft. Ein Erfolgs­mo­dell, das auch der Kreis­liga nicht ver­borgen geblieben ist. Bei Phönix Mann­heim ist seit der Rück­runde Hans-Dieter Timo“ Zahn­leiter zurück auf der Trai­ner­bank. Der ehe­ma­lige Spieler von 1860 wurde bei AEK Athen zu Legende und trai­nierte später in der Bun­des­liga Köln und Frank­furt. Mit 69 Jahren und seit 8 Jahren ohne Trai­nerjob sprang er spontan für seinen Vor­gänger Victor Olscha ein, der aus gesund­heit­li­chen Gründen auf­hören musste. Ganz Kos­mo­polit nahm Zahn­leiter seiner Mann­schaft als erstes die Angst vor Spielen in der Fremde. Alle drei Aus­wärts­be­geg­nungen wurden gewonnen. Zuhause läuft es noch nicht so, aber mit 69 Jahren macht man einen Schritt nach dem anderen — oder wie Zahn­leiter sagt: Ich mache hier den Jupp Heynckes der Kreis­liga.“

Immer positiv denken!“ — Del­men­horst blickt nach vorn
In schwie­rigen Zeit muss man Ruhe bewahren — denkt euch die HSV-Anspie­lung jetzt ein­fach. Der TV Jahn II Del­men­horst macht das bra­vourös vor. Die Del­men­horster sind als ein­ziges Team der Kreis­liga noch ohne Sieg — sai­son­über­grei­fend wurde sogar nur eines von den letzten 32 Spielen gewonnen. Trainer Frank Oehl­mann bleibt den­noch opti­mis­tisch: Die Mann­schaft geht voller Mut in die Rück­serie. Die Moti­va­tion ist da, ver­loren ist noch gar nichts.“ Als rou­ti­nierter Trainer beschäf­tigt sich Oehl­mann nicht mit neo­mo­di­schem Chichi, Men­tal­trai­ning wird nicht gebraucht, son­dern: Wir bolzen einmal in der Woche beim Laufen Kon­di­tion und schaffen uns mit Aus­dauer- und Kraft­trai­ning wei­tere wich­tige Grund­lagen.“ Einen Trumpf haben sie auch noch im Ärmel: in der Rück­runde hat der Jahn noch neun Heim­spiele. Ein­ziges Pro­blem: den letzten Heim­sieg gab es im Oktober 2016, damals wurde eine 1:3‑Niederlage gegen den TuS Vielstedt am grünen Tisch zu einem 5:0 umge­wertet.

Ach­tung Rutsch­ge­fahr!
Der Winter hat den Ama­teur­fuß­ball fest im Griff. Jedes Wochen­ende werden hun­derte Spiele abge­sagt. Rasen­hei­zungen sind in der Kreis­liga wie pas­sende Tri­kots — man sucht sie ver­geb­lich. In der Duis­burger Kreis­liga wurde den­noch ange­pfiffen. Die Partie Wan­heim und TuRa 88 dau­erte aller­dings nur 23 Minuten, dann wurde das Spiel vom Schieds­richter abge­bro­chen. Nachdem vier TuRaner und zwei Wan­heimer Spieler gestürzt waren, erklärte er den Platz doch noch für unbe­spielbar. Ob die Stürze jedoch am gefro­renen Boden oder an einem gemein­samen Knei­pen­be­such am Vor­abend lagen, ist bisher unge­klärt.

Danke, Hanke!
Er ist wieder da! Wir haben in dieser Rubrik schon dar­über berichtet, dass Ex-Bun­des­li­ga­spieler Mike Hanke jetzt für seinen Jugend­verein TuS Wie­scher­höfen auf Tore­jagd geht. Sein erstes Spiel hätte jedem Dreh­buch-Autor Tränen in die Augen getrieben. Früh lag der TuS in der Lan­des­liga-Partie gegen SW Wat­ten­scheid zurück. Hanke sollte in seinem ersten Ein­satz eigent­lich zur 60. Minute vom Platz gehen, aber ihn packt der Ehr­geiz. Bis zum Schluss kämpft der TuS um den Aus­gleich. Die Nach­spiel­zeit ist schon ange­bro­chen, da kommt noch­mals ein Ball von rechts rein. Hanke geht auf den kurzen Pfosten und köpft. Ein mar­kerschüt­ternder Schrei aus 400 Kehlen. Der Ball schlägt ziel­genau im langen Eck ein. Ein Zuschauer sagt nach dem Spiel die weisen Worte: Ich habe damit gerechnet, aber nicht mehr dran geglaubt.“ Hanke wid­mete sich nach dem späten 1:1‑Ausgleich erstmal den wesent­li­chen Dingen im Ama­teur­fuß­ball: Wir trinken jetzt erstmal ein Unent­schieden-Bier­chen.“

Rit­schie“ macht weiter
Für jede Ama­teur­mann­schaft ist neben einer spiel­fä­higen Mann­schaft und aus­rei­chend Bier im Ver­eins­heim vor allem eines wichtig: ein guter Kon­takt zum Ver­band. Sitzt dort ein fähiger Mann, erleich­tert das den Spiel­be­trieb unge­mein. Richard Sedl­maier ist so einer. Mit 67 Jahren denkt er noch lange nicht ans Auf­hören, obwohl er 2014 nach einem Herz­in­farkt seinen Arzt fragte, ob er noch wei­ter­ma­chen könne: Er riet mir sogar dazu. Es tut meiner Seele gut.“ Also macht Richard Sedl­maier, von allen nur Rit­schie“ genannt, weiter. Dabei hat er auch immer eine offenes Ohr für die kleinen und großen Pro­bleme der Ver­eine: Wenn es um die Spiel­ver­le­gung wegen eines Mai­baum­auf­stel­lens ging – ich war, so weit mög­lich, immer da.“ 

Schiri, da war nichts.“
Es gibt viele Wege, Punkte für sein Karma zu sam­meln: alten Frauen über die Straße helfen, Kin­der­wägen in Stra­ßen­bahnen heben oder einem Kumpel die vor 5 Jahren geborgte Metal­lica-CD tat­säch­lich zurück­geben (Ja Olli, ich meine dich!). Beim Esch­weiler Lokal­derby zwi­schen dem SC Berger Preuß II und dem SV Falke Berg­rath wurde ein wei­terer Weg pro­biert und er zahlte sich prompt aus. In einem hit­zigen Spiel wurde den Gästen ein Elf­meter zuge­spro­chen. Auch ohne Video­as­sis­tenten erkannte jeder im Sta­dion, dass es sich hierbei um eine Fehl­ent­schei­dung han­delte. Yanik Wiese zögerte nicht lange und ging als ver­meint­lich Gefoulter zum Schieds­richter und gab zu: Schiri, da war nichts.“ Deut­lich ver­nahm man im Sta­dion das Rat­tern seines Kar­ma­kon­to­zäh­lers und Elf­meter wurde zurück­ge­nommen. Das Spiel gewann Berg­rath übri­gens noch mit 5:2. Yanik Wiese erzielte drei Tore. Karma, Baby!