Der Absager von Wersten

Mitt­woch­abend, Bezirks­sport­an­lage Ben­rath. Es ist alles ange­richtet für das Kreis­pokal-Derby zwi­schen dem Lan­des­li­gisten VfL Ben­rath und dem A‑Ligisten SV Wersten 04. Beide Mann­schaften sind da, Flut­licht schafft einen Hauch von Euro­pa­po­kalat­mo­sphäre und das Bier steht kalt, da macht ein Gerücht die Runde: Das Spiel ist abge­sagt!“ Und tat­säch­lich war das Spiel abge­sagt – Begrün­dung: Die Gäste aus Wersten würden nicht antreten. Blö­der­weise saßen diese aber schon umge­zogen in der Kabine. Den Gästen war sofort klar: Er hat wieder zuge­schlagen.

Der Absager von Wersten ist Wie­der­ho­lungs­täter. Er agiert aus dem Unter­grund, seine Fähig­keiten erwarb er in jah­re­langem Tele­fon­scherz­trai­ning. Doch irgend­wann nahm der orts­an­säs­sige Piz­za­ser­vice keine Groß­be­stel­lungen mehr für seine Nach­barn an und nach dem zehnten Anruf im Fri­sör­salon war auch ihm bewusst, dass dort keiner Reinsch oder Dünnsch heißt. Er fand ein neues Opfer: den SV Wersten 04. Es ist mitt­ler­weile die dritte Absage der Mann­schaft aus dem beschau­li­chen Düs­sel­dorfer Stadt­teil. Dieses Mal hatte sich der unbe­kannte Anrufer am Nach­mittag bei Pokal-Spiel­leiter Peter Land­gräber als Wers­tener Ver­eins­of­fi­zi­eller aus­ge­geben und abge­sagt. Aus diesem Grund reiste zunächst auch kein Schieds­richter an. Erst mit einer Stunde Ver­spä­tung konnte die Partie ange­pfiffen werden. Es wun­dert mich schon sehr, wie ein­fach das offenbar geht“, sagte der Ben­ra­ther Trainer Frank Stof­fels nach dem Spiel. Uns ehr­lich gesagt auch.

Einen wie dich können wir immer gebrau­chen“

Wenn Eltern ein Spiel der eigenen Kinder beob­achten, haben sie Angst. Weniger, weil sich der Nach­wuchs ver­letzen könnte, son­dern weil die Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen auf der Suche sind. Auf der Suche nach Spie­ler­ma­te­rial für die zweite, dritte und auch Alt­her­ren­mann­schaft. Michael Thurk, vor­rangig bekannt aus seiner Zeit in Mainz und in Augs­burg, trai­niert beim Augs­burger Vor­ort­klub FC Stätz­ling die E‑Jugend, in der sein Sohn spielt. Natür­lich lässt man einen ehe­ma­ligen Bun­des­li­ga­spieler nicht ein­fach an der Sei­ten­linie stehen, ohne ihn nicht min­des­tens einmal zu sagen: Einen wie dich können wir immer gebrau­chen.“ Und so hat Thurk jetzt wieder einen Spie­ler­pass. Stätz­lings Sport­li­cher Leiter Michael Bau­mann stellt aber klar: Wir wollen mit der Zweiten unbe­dingt die Klasse halten, da wäre die Unter­stüt­zung von Michael Thurk natür­lich Gold wert.“ Klar.