Grup­pen­erster in der Cham­pions League, Vater des besten Sai­son­starts seit Men­schen­ge­denken, Der­by­sieger, Halb­gott und dann: die Ent­las­sung. In knapp 40 Tagen hat der FC Schalke 04 es geschafft, seinen Chef­coach Huub Ste­vens vom Jahr­hun­dert­trainer“ zur Fehl­be­set­zung zu machen. Das ist – selbst für Schalker Ver­hält­nisse – rekord­ver­dächtig, Natür­lich gehört es zu den unge­schrie­benen Gesetzen des Pro­fi­fuß­balls, dass in den Phasen des sport­li­chen Miss­erfolgs auto­ma­tisch all das, was vorher gut war, unglaub­lich schlecht ist. Plötz­lich ist jener Trainer, der Klub und Mann­schaft in der letzten Saison in einem chao­ti­schen Zustand über­nommen hat und mit seiner ruhigen und boden­stän­digen Arbeit ein stück­weit befriedet hat, nicht mehr ver­mit­telbar. Zumin­dest gilt das für Mann­schaft und Ver­eins­füh­rung.

Und wenn man sich einmal die Auf­tritte der Schalker Mann­schaft in den letzten Wochen ansieht, muss man kon­sta­tieren: Wille, Opfer­be­reit­schaft, Kämp­fer­herz – eben jene Urtu­genden des Schalke-Fuß­balls – ließ so man­cher Star immer häu­figer ver­missen. Zu Sai­son­be­ginn hatte sich S04 in der Liga zu einer spek­ta­ku­lären Come­back-Truppe ent­wi­ckelt, die Spiele mit vollem Ein­satz zu drehen ver­mochte. In den letzten Wochen war davon nichts zu sehen. Auch jener Elan, der Schalke durch das Schau­fenster des euro­päi­schen Fuß­balls getragen hatte, war der Mann­schaft in der Bun­des­liga seit Wochen abhanden gekommen. Die Folge: in sechs Spielen holte man schmale zwei Punkte, rutschte von Rang zwei auf Rang sieben und damit raus aus den Euro­pa­po­kal­rängen.

Ein Rück­fall in alte Zeiten

Doch wo andere Klubs in der Win­ter­pause das Zwi­schen­tief gelassen ana­ly­siert hätten, wirft Schalke 04 seinen Trainer raus. Es ist ein Rück­fall in alte Zeiten, in der hek­ti­sche Schnell­schüsse in Gel­sen­kir­chen in der Ver­eins­ord­nung ver­an­kert waren. Die vor­schnelle Ent­las­sung ist umso über­ra­schender, weil man auf Schalke in den letzten Wochen wie­der­holt betonte, dass man eine lang­fris­tige Arbeit anstrebe, die in einem ruhigen Umfeld wachsen und gedeihen solle. Mit Ste­vens hatte man dazu einen loyalen Trainer geholt, der auf viel ver­zich­tete, um seinen Leib- und Magen­verein aus dem Dreck zu ziehen. Der sogar bereit war seinen Platz ruhig zu räumen, wenn ein geeig­neter Nach­folger gefunden worden wäre. So etwas kommt selten genug vor in der Bun­des­liga.

Doch das Bild des inneren Schalker Frie­dens ist beschä­digt, denn der Verein hat bereits auf halber Strecke die Reiß­leine gezogen. Aus einem Gemisch aus blanker Angst vor der Nicht-Qua­li­fi­ka­tion für den Euro­pa­pokal und den damit ein­her­ge­henden finan­zi­ellen Ein­bußen, einer zuneh­mend lethar­gi­schen Mann­schaft und der Ent­schluss­freu­dig­keit der Ver­eins­füh­rung ent­stand über Nacht eine Stim­mung, die den Verein um Jahre zurück­werfen könnte. Was die Stunde geschlagen hat, gab Heldt selbst zu Pro­to­koll, als er sagte: Pläne sind im Tages­ge­schäft Maku­latur“. Die Chance, Ruhe zu demons­trieren, und so das gene­tisch bedingt hek­ti­sche Umfeld weiter in den Griff zu bekommen, ist leicht­fertig vertan worden. Die Degra­die­rung des Jahr­hun­der­trai­ners“ könnte sich schon bald als Jahr­hun­dert­fehler ent­puppen.

Denn den neuen Chef­coach Jens Keller hat man gleich auch noch mit einer Job­ga­rantie bis zum Sai­son­ende aus­ge­stattet. Doch man ahnt bereits: Wenn Schalke gegen Mainz aus dem Pokal fliegen sollte, ist Keller ver­brannt, bevor er über­haupt heiß laufen konnte. Lang­fris­tige Kon­zepte sind gegen kurz­fris­tige Pla­nungen ein­ge­tauscht worden. Und so ist der Klub momentan offenbar weiter von einem trag­fä­higen Plan für die Zukunft ent­fernt als von der letzten großen Sehn­sucht: der Meis­ter­schale.