Seite 3: Gewaltiger Kontrast zwischen Fans und Ultras

Javier Zanetti, der vor dem Ein­gang zum Kabi­nen­trakt stand, grüßte den Fan nament­lich zurück und ging auf ihn zu. Es folgte eine lockere Unter­hal­tung, wie sie offenbar jede Woche statt­findet. Auch seien sie nicht die ein­zigen gewesen, im Kabi­nen­gang waren noch wei­tere füh­rende Ultras, die einen mun­teren Plausch mit Spie­lern und ihren Fami­lien führten.

Die Ultras haben viel­leicht nicht mehr ganz den Ein­fluss wie vor 20 Jahren, sie sind aber immer noch wichtig“, erzählt Hall abschlie­ßend zu dieser Anek­dote, die zeigt, warum der Klub immer wieder den Inter­essen der Anhän­ger­schaft nach­kommt.

Die rest­li­chen Fans stärkten Icardi demons­trativ den Rücken

Es ist ein Trug­schluss, wenn man die Inter-Ultras mit Hoo­li­gans gleich­setzt“, bekräf­tigt Hall. Viel­mehr seien sie gut orga­ni­siert, es herr­schen fast schon Struk­turen wie in einem Unter­nehmen. Das sind Lehrer, Banker, Anwälte und Geschäfts­leute, die wissen, wie man für die eigenen Inter­essen und die des Klubs ein­steht“, erzählt der Jour­na­list. Natür­lich gebe es auch Idioten und Ras­sisten in der Kurve, aber das seien nicht die Leute, die im direkten Aus­tausch mit dem Verein stehen.

Und doch lassen sich die ein­fluss­rei­chen Ultras nicht mit dem Rest der Inter-Fans gleich­setzen, es herrscht ein gewal­tiger Kon­trast in der Sicht­weise der Dinge. Wäh­rend der Groß­teils des Sta­dions Icardi nach dem ver­ge­benen Elf­meter mit Applaus demons­trativ den Rücken stärkte, zogen nach dem Spiel etwa 40 Ultras vor die Woh­nung des Argen­ti­niers, wo sie ihm einmal mehr ver­deut­li­chen wollten, dass er für sie als Spieler und Kapitän gestorben ist.

Die Ultras haben bekommen, was sie wollten

Ohnehin hatte der 23-Jäh­rige immer einen schweren Stand bei den Ultras. Er führt das Leben eines Promis und sorgt auch privat immer wieder für Schlag­zeilen. So modelt er für den deut­schen Mode­desinger Philipp Plein und spannte Kumpel Maxi López seine jet­zige Ehe­frau und Agentin Wanda Nara aus.

Der Kern der Inter-Anhän­ger­schaft sehnt sich nach einer anderen Per­sön­lich­keit für die Kapi­täns­binde“, sagt Hall, der aber glaubt, dass sich die Wogen bald glätten werden: Wenn Icardi 30 Sai­son­tore macht, dann pfeift sicher keiner mehr.“

Letzt­end­lich haben die Ultras bekommen, was sie wollen. Sie haben sich Gehör ver­schafft und die Causa Icardi gewonnen. Der Argen­ti­nier bleibt ent­gegen ihrer For­de­rung zwar Kapitän, muss die die Sas­suolo-Epi­sode jedoch aus dem Buch strei­chen und an seinen Klub 50 000 Euro Strafe zahlen. Auch sich der 23-Jäh­rige für die har­sche Wort­wahl mit einem öffent­li­chen Brief bei den Ultras ent­schul­digt.