Seite 2: Ego-Shooter und Systemkritik

5. Der Migra­ti­ons­hin­ter­grund

Natür­lich können auch Spieler die Schieds­richter beschimpfen. Oft ent­falten schon kon­ven­tio­nell-stumpfe Atta­cken auf Saal­wetten-Niveau gehö­rige Schlag­wir­kung. Ich habe schon viele Blinde gesehen, aber das war die Krö­nung“ (Tim Wiese). Anschei­nend haben die Unpar­tei­ischen etwas gegen mich. Der Schiri war der schlech­teste Mann auf dem Platz“ (Torsten Frings). Wer etwas auf sich hält, ver­sieht seine Atta­cken aber mit einer skur­rilen Note. Vor­bild­haft hier der Dort­munder Alex Frei, der alpine Min­der­wer­tig­keits­kom­plexe kon­ge­nial mit ost­deut­schem Her­ren­tags-Slang ver­schmilzt. Die Schweizer Fuß­baller genießen hier so viel Aner­ken­nung wie die von den Fidschi-Inseln“, schnaubte der Eid­ge­nosse Frei sinn­frei aber amü­sant, als ihm ein Tor aberkannt worden war.

6. Der Ego-Shooter

Dass du para­noid bist, heißt nicht, dass sie nicht hinter dir her sind. Sagt der Volks­mund. Kon­stru­ieren Sie also zur Abwechs­lung einen per­sön­li­chen Rache­feldzug des Schieds­rich­ters. Und zwar gegen Sie ganz allein! Kap der Angst auf dem Fuß­ball­platz, Max Cady im schwarzen Kittel! Ich kann mitt­ler­weile schon glauben, dass Herr Merk mit mir irgendwas am Hut hat“, arg­wöhnte Nürn­bergs Ex-Coach Hans Meyer, nachdem Markus Merk auf eine Schwalbe des Bie­le­fel­ders Artur Wich­niarek her­ein­ge­fallen war. Was genau, wusste Meyer nicht zu sagen, und auch nicht, warum ihn Merk mit seinem unbän­digen Hass ver­folgen sollte. Klang den­noch sehr schlüssig. Noch ein wenig melo­dra­ma­ti­scher insze­nierte sich dann Kölns Chris­toph Daum, der es nach der Heim­pleite gegen Borussia Mön­chen­glad­bach hin­bekam, min­des­tens so geschafft aus­zu­sehen wie Nick Nolte auf dem Haus­boot und mit fla­ckerndem Blick in die Mikro­fone zu jam­mern: Solange ich beim 1. FC Köln bin, fallen die meisten Ent­schei­dungen gegen uns. Das werde ich nicht mehr hin­nehmen.“ Um dann melan­cho­lisch zu werden, wie ein indi­scher Tee­pflü­cker: Ich möchte zukünftig fair behan­delt werden.“ Große Schau­spiel­kunst

7. Die Sys­tem­kritik

Auch wenn sich der Referee bis auf einen nicht gege­benen Ein­wurf an der Mit­tel­linie nichts hat zu Schulden kommen lassen, müssen Sie nicht auf die Schieds­richter-Schelte ver­zichten. Um ihr aber die nötige Schlag­kraft zu ver­leihen, ver­mengen Sie die Kritik am Referee mit kri­ti­schen Anmer­kungen zur Ent­wick­lung des modernen Fuß­balls. Das muss keinen Sinn machen und darf gerne so schlicht daher kommen wie ein Leser­brief an die Sport­re­dak­tion der Bild“-Zeitung. Machen Sie es ein­fach wie Engel­bert Kupka, Prä­si­dent der Spvgg. Unter­ha­ching. Der pol­terte nach einer ver­dienten 0:1‑Schlappe gegen den Lokal­ri­valen 1860: Man schwächt ganz bewusst kleine Mann­schaften, die man nicht in der Liga haben will. Beim DFB ist das ganze System marode: Die Schieds­richter spielen ver­rückt und tote Ver­eine holen sich große Inves­toren ins Haus.“ Noch nicht wirr genug? Noch einmal Kupka: Diese Arro­ganz der Schieds­richter ist nicht mehr zu ertragen, die ver­halten sich wie geis­tige Sklaven!“ Inves­toren! Arro­ganz! Sklaven! So gewinnt man die Luft­ho­heit über die Stamm­ti­sche.

8. Die Direkte Ansprache

Sie können es natür­lich auch so machen wie Jürgen Klopp. Ey du Idiot“, sprach der Trainer von Mainz 05 gera­de­heraus zu Schieds­richter Kin­höfer. Aber das kostet dann 12 500 Euro.