Hin­weis: Wolfs­burg Meister, Hof­fen­heim Herbst­meister, Bayern unter Klins­mann und Hertha noch im März Tabel­len­führer: 2008/09 war die letzte ver­rückte Bun­des­li­ga­saison. Alles zu diesem wun­derbar aus­ge­keksten Jahr lest ihr in der neuen 11FREUNDE-Aus­gabe #2010. Außerdem im Heft: Der Kampf der TeBe-Fans um ihren Lieb­lings­klub, Robert Huth im Inter­view, Anthony Modeste stellt das Anthony-Modeste-Lied nach, Jürgen Klopp im Inter­view, Sta­di­on­poster Greu­ther Führt, der KV Mechelen uvm. Das Heft gibt es ab jetzt im Kiosk oder bei uns im Shop


Zvjezdan Misi­mović, vor der Rück­runde der Saison 2008/09 stand der VfL Wolfs­burg noch auf Platz neun. Wie konnten Sie trotzdem noch Meister werden?

Wir waren ein zusam­men­ge­schweißter Haufen, der trotz der vielen ver­schie­denen Natio­na­li­täten inner­halb des Kaders super mit­ein­ander auskam. Nicht nur auf dem Platz, son­dern auch außer­halb. Das war ein großer Plus­punkt für uns. Zur Rück­runde hin haben wir uns auf dem Platz stark weiter ent­wi­ckelt, plötz­lich stimmten die Ergeb­nisse. Nach zehn Siegen in Serie war das Selbst­ver­trauen dann enorm, es lief ein­fach. Dadurch, dass wir eine sehr junge Mann­schaft waren, hat es eben nur ein biss­chen länger gedauert. Herr Magath hat uns immer drauf hin­ge­wiesen, was mög­lich ist und unser Selbst­ver­trauen wurde von Tag zu Tag immer größer. Und am Ende der Saison, als es drauf ankam, konnte sich jeder auf den Anderen ver­lassen. 

Sie haben sich so gut als Mann­schaft ver­standen, dass sie oft zusammen Abend­essen gegangen sind.
Das stimmt. Ich erin­nere mich noch an ein Abend­essen, bei dem ich mit Edin Dzeko, Makoto Hasebe, Gra­fite und Andrea Bar­zagli unter­wegs war. Eigent­lich konnten nur Edin und ich uns richtig ver­stän­digen, weil Grafa“ damals noch nicht richtig Deutsch konnte und Bar­zagli sowieso nur Ita­lie­nisch, Makoto Japa­nisch. Aber wir hatten trotzdem ein super Abend­essen und ich denke, das zeigt am besten, wie wir uns ver­standen haben. Trotz der Sprach­pro­bleme hat alles super geklappt. Wir haben uns mit Händen und Füßen ver­stän­digt. Und wie meine Frau behauptet: mit Hilfe des Weins. (Lacht.)

Es wurde also auch mal getrunken. Gab es da nicht Ärger mit dem strengen Trainer Felix Magath?
Nee, Herr Magath hat immer gesagt, dass die Frei­zeit­ge­stal­tung Pri­vat­sache sei und solange man am nächsten Tag um zehn Uhr beim Trai­ning Gas geben könne, dürfte man vorher machen, was man will. Dem­entspre­chend musste jeder Spieler für sich selber wissen, was er für richtig hält oder was er braucht, um am nächsten Tag bei der Trai­nings­ein­heit oder beim Spiel hun­dert Pro­zent geben zu können.

Also gab es keine Bestra­fungen, wenn man nicht fit genug war?
Das Trai­ning war meis­tens Strafe genug. Bei Herrn Magath war es eigent­lich die Norm, dass wir das Aus­laufen am Morgen nach einem Spiel sausen lassen durften, wenn es gut gelaufen war. Statt­dessen haben wir dann auf vier kleine Tore gespielt. Nach dem 5:1‑Sieg über die Bayern in der Rück­runde sind wir am nächsten Morgen natür­lich alle davon aus­ge­gangen, dass wir auch wieder nur ganz locker auf vier kleine Tore spielen würden. Ich meine mich auch zu erin­nern, dass ein paar Spieler nicht mehr im besten Zustand waren nach dem Sieg am Vor­abend. (Lacht.) Doch als wir dann am Sonntag am Trai­nings­ge­lände ankamen, war keine Rede von vier kleinen Toren. Wir mussten statt­dessen über eine Stunde lang aus­laufen. Was ich damit sagen will: Herr Magath wusste genau, wann er die Zügel wieder anziehen musste. 

Waren Magaths Trai­nings­me­thoden der Schlüssel zum Erfolg?
Ja sicher­lich, man kennt ja die Methoden von Felix Magath. Der hat seinen Stil und zieht das durch. Was die Kon­di­tion und Fit­ness angeht, waren wir im Ver­gleich zu den anderen Mann­schaften auf einem anderen Level.

Wie hat er das geschafft?
Ich kann mich an das Som­mer­trai­nings­lager in Öster­reich erin­nern. Da haben wir Lauf­schuhe ange­zogen und sind mit dem Bus irgend­wohin gefahren. Als wir aus­ge­stiegen sind, sagte Magath: So Jungs, jetzt gibts Kaffee und Kuchen.“ Da haben wir uns natür­lich riesig gefreut. Doch dann fügte er noch hinzu, dass es den Kuchen nicht hier am Bus, son­dern erst auf 2.200 Meter Höhe geben würde. Also mussten wir den Berg hoch mar­schieren. Mir fiel das nicht so schwer, aber Gra­fite hat es kurz vor dem Ziel erwischt. Der ist in Ohn­macht gefallen und musste von den Sani­tä­tern hoch­ge­tragen werden. Daher kam er ein biss­chen später als alle anderen oben an. Ich bin mir nicht mal sicher, ob wir ihm was von dem Kuchen übrig gelassen haben. Wir waren so aus­ge­hun­gert.