Warum schießt Risse eigent­lich immer die Frei­stöße? 

Seitdem der uner­müd­liche Blond­schopf in Köln die Linie rauf und runter rennt, stellt sich der FC-Fan diese lei­dige Frage. Legendär, wie sich Risse im Sai­son­ab­schluss­video 2016 als Telefon-Prakti der Geschäfts­stelle auf die Schippe nimmt, indem er sich die­selbe Frage stellt. 

In der 91. Minute des Rhein­derbys, es steht 1:1, bekommt der FC jenen Frei­stoß im Halb­feld, über 30 Meter vor dem Tor, der die Ant­wort end­gültig lie­fern sollte. Yann Sommer hat unser DFB-Pokal­spiel gegen Hof­fen­heim wohl nicht gesehen, als Risse aus iden­ti­scher Posi­tion den Aus­gleich schoss. In all seiner Nai­vität stellt Glad­bachs Keeper dem dro­henden Unheil näm­lich nur zwei Leute ent­gegen. Aber wer will es ihm ver­übeln? Immerhin einer mehr als zuvor Oliver Bau­mann im Tor der Kraich­gauer. Und ganz ehr­lich, keiner glaubt wirk­lich daran, dass Risse noch einmal so aus­rutscht wie vor ein paar Wochen. 

Ich hatte Recht!

Risse läuft los, Salih Özcan tippt die Kugel kurz an. Ich starre auf den Fern­seher an der Wand und mache es wie ich es immer mache, wenn ein Tor­schuss aus aus­sicht­loser Posi­tion abge­geben wird. Der ist drin!“, brülle ich wie ein Ber­serker, direkt nachdem der Ball Risses Fuß ver­lassen hat. Ich spüre das Augen­rollen meines hinter mir ste­henden Bru­ders im Rücken, der diesen sau­däm­li­chen Spruch zum tau­sendsten Mal hören muss. 0,8 Sekunden später hängen unsere Kinn­laden kurz vor der vibrie­renden Bier­pfütze auf dem Fuß­boden unserer FC-Stamm­kneipe im Kölner The­ken­ve­edel.

Der Ball ist wirk­lich drin. Ich hatte Recht! Er ist drin!! Nie zuvor hat dieser unko­mi­sche Schwach­sinns­spruch funk­tio­niert. Scheiß­egal. Dieses eine Tor reha­bi­li­tiert ihn und mich und Risse für die tau­send Male zuvor, als der Ball von der Eck­fahne gestoppt oder kurz hinter der 16-Meter-Linie vom Tor­wart auf­ge­nommen wurde und den nächsten Konter des Gegner ein­lei­tete. 

Risse geht, die Bar johlt

Dieses Mal war alles anders. Die Macht war mit mir. ICH habe diesen Ball ins Tor gebrüllt! Wie ein Ber­serker. Ich setze mein Glück auf die Probe. Schiiirii SCHLUUUSS“, brülle ich mit schriller Stimme und letzter Kraft. So hat es mein Jugend­trainer schon gemacht, um die dre­ckige Füh­rung nach 90 minü­tigen Kampf auf knö­chel­tiefer Asche ins Ziel zu bringen. Hat damals schon nicht geklappt. Auch dieses Mal nicht, was meinen kurzen Moment der All­macht jäh beendet. 

Stöger wech­selt noch einmal. Risse geht. Die Bar johlt. Ein letztes Auf­bäumen der Glad­ba­cher bleibt aus, kurze Zeit später ist das Spiel beendet. Der erste Sieg gegen den Rivalen vom Nie­der­rhein seit acht Jahren ist per­fekt.