Seite 2: „Ich gab Autogramme in der Turnhalle“

375 Liter Bier hat der Gast­wirt der Sta­di­on­kneipe »Palme« an diesem Tag aus­ge­schenkt.
HSV-Fans ver­brannten vor Wut ihre eigene Fahne. Davon habe ich nichts mehr mit­be­kommen. Direkt nach dem Spiel rief das ZDF an: Wir brau­chen einen von euch im Sport­studio, am liebsten den Zehner, hieß es. Das fanden wir lustig.

Wieso?
Weil wir vor dem Spiel noch gescherzt hatten, wer von uns ins Sport­studio geht. Im Witz natür­lich. Aber dann ging alles schnell. Ab ins Auto nach Wies­baden, von da sen­dete das ZDF. Damals war das Sport­studio noch ne rich­tige Nummer, die ganze Repu­blik schaute zu. Sieben Minuten dau­erte mein Auf­tritt. Dafür hatte ich den Abend mit meinen Mit­spie­lern geop­fert. Ich war danach fast traurig, dass ich nicht in Eppingen geblieben war.

Bekamen Sie Ange­bote von Pro­fi­ver­einen?
Ich hatte zuvor für 1860 Mün­chen gespielt, aber da war ich zu oft ver­letzt. Außerdem ging ich schludrig mit meinem Talent um. Nach dem Pokal­sieg wollte Tennis Borussia Berlin mich haben, aber ich lehnte ab. Ich habe zu der Zeit in Hei­del­berg Deutsch und Sport auf Lehramt stu­diert. Das wollte ich wei­ter­ma­chen, die Pro­fi­kar­riere hatte ich abge­schrieben.

Was haben Ihre Kom­mi­li­tonen gesagt, als Sie am Montag nach dem Pokal­spiel im Hör­saal saßen?
Ich machte zu der Zeit ein Prak­tikum in einer Schule. Die Kinder hatten von meinen Toren gehört. Ich gab Auto­gramme in der Turn­halle. Aber ich mochte diesen Rummel nicht beson­ders. Einmal ging ich in Hei­del­berg in eine Disko. Ich kam gerade rein, da schrie der DJ: »Der HSV-Killer ist da!« Ich wäre am liebsten davon gerannt.