Boateng. Ein Name, der in Deutsch­land ganz unter­schied­liche Asso­zia­tionen her­vor­ruft. Wäh­rend Jerome Boateng gefei­erter Bayern-Innen­ver­tei­diger und Welt­meister ist, fühlte sich sein Halb­bruder Kevin-Prince nicht ganz zu Unrecht in Deutsch­land oft miss­ver­standen. Eine der Ursa­chen dafür war eine Jugend­sünde aus Teen­ager­jahren, die dem ehe­ma­ligen Her­tha­spieler ewig nach­hing. Gemeinsam mit Freund und Mit­spieler Patrick Ebert hatte er eines Nachts in Berlin meh­rere Auto­spiegel abge­treten.

Boateng, das ist aber auch der Nach­name eines ehe­ma­ligen viel­ver­spre­chenden eng­li­schen Pro­fi­fuß­bal­lers, der jah­re­lang im Gefängnis saß. Denn anders als sein Ber­liner Namens­vetter hatte Michael Kwame Adusei, genannt Mike, keine Kava­lier­de­likte begangen. Er wurde wegen Spiel­ma­ni­pu­la­tion und Dro­gen­miss­brauch schuldig gespro­chen.

Als Sün­den­bock hinter Git­tern

Trotz Aus­bil­dung in der Jugend­aka­demie von Crystal Palace, schaffte Mike Boateng den Sprung in die Pre­mier League nicht. Ab 2010 spielte der linke Außen­ver­tei­diger vor allem bei unter­klas­sigen eng­li­schen Ver­einen wie Bristol Rovers oder New­port County. Der ganz große Durch­bruch blieb jedoch aus. In Diensten des White­hawk FC nahm Boa­tengs Pro­fi­kar­riere Ende 2013 dann ein unrühm­li­ches Ende.

Michael Boateng

Mike Boateng im Trikot der Bristol Rovers.

Auch wenn er sich heute für ein Bau­ern­opfer hält, wie er im Pod­cast Banged Up, in dem er zusammen mit einem Mit­häft­ling und einer Anwältin über die Zeit im Gefängnis spricht, erläu­tert: Ich war der Sün­den­bock für Spiel­ma­ni­pu­la­tion. Es lag im öffent­li­chen Inter­esse, dass ich bestraft werde.“ Fest steht trotzdem: Boateng nahm an einem Treffen mit zwei Män­nern teil, die ver­sucht haben, meh­rere Spieler für Spiel­ma­ni­pu­la­tionen zu gewinnen. Wäh­rend die beiden Initia­toren zu je fünf Jahren Gefängnis ver­ur­teilt wurden, bekam Boateng 16 Monate auf­ge­brummt. Der zustän­dige Richter begrün­dete das Strafmaß damit, dass Mike Boateng aus reiner Gier gehan­delt hätte. Doch damit nicht genug. Der aus dem Süden Lon­dons stam­mende Boateng wurde zudem mit einer lebens­langen Sperre belegt. Er darf nie wieder pro­fes­sio­nellen Fuß­ball spielen.

Ver­bin­dung seit Kin­der­tagen

Heute hat Michael Boateng Frieden mit diesem Kapitel seines Lebens geschlossen und kann auch posi­tive Schlüsse aus der dama­ligen Zeit ziehen. Er ist über­zeugt, dass Dinge aus einem bestimmten Grund pas­sieren“ und er anderen mit seinen Erfah­rungen helfen kann, nicht die glei­chen Fehler zu begehen. Einer dieser anderen ist der immer noch junge eng­li­sche BVB-Star Jadon Sancho, den er trotz Alters­un­ter­schied schon aus gemein­samen Kinder- und Jugend­tagen im Süden Lon­dons kennt. Für Sancho arbeitet Boateng als Per­sonal-Trainer. Er erstellt, über­wacht und ana­ly­siert Trai­nings- und Ernäh­rungs­pläne, um das eng­li­sche Talent in die best­mög­liche kör­per­liche Ver­fas­sung zu bringen.

Die Aus­bil­dung zum Fit­ness­coach hat Boateng wäh­rend seines zweiten Auf­ent­halts im Gefängnis absol­viert. Nachdem Boateng seine Strafe wegen Spiel­ma­ni­pu­la­tion abge­sessen hatte, schien ihn das lebens­lange Verbot pro­fes­sio­nell Fuß­ball spielen zu dürfen, so zu des­il­lu­sio­nieren, dass er 2015 das zweite Mal mit dem Gesetz in Kon­flikt kam. Seine Fin­ger­ab­drücke wurden auf Drogen gefunden. Glück­li­cher­weise löste der zweite Gefäng­nis­auf­ent­halt nicht nur einen Wandel in Boa­tengs Men­ta­lität aus, son­dern mün­dete auch in der Berech­ti­gung, von nun an Per­sonal-Trainer zu sein.

Mehr als ein Trainer

Gleich­wohl ist Mike Boateng mehr als ein Per­sonal-Trainer, der Jadon Sancho wett­kampf­taug­lich hält, er ist zugleich Berater und Freund. Denn Boateng, der neben Sancho auch noch die beiden Zwil­linge Steven (FC Fulham) und Ryan Ses­se­gnon (Tot­tenham Hot­spurs) trai­niert, pflegt eine enge, fast brü­der­liche Bezie­hung zu seinen Schütz­lingen: Ich bin wie ein großer Bruder für sie. Sie fühlen sich wohl wenn ich bei ihnen bin.“ Manchmal fährt er mit den Fuß­bal­lern sogar in den Urlaub und passt auf, dass sie nicht den Fokus ver­lieren und zu sehr abheben. Am meisten beein­drucke Boateng dabei, dass die Jungs mich nicht für meine Zeit im Gefängnis ver­ur­teilen.“

Es scheint, als hätte Michael Kwame Adusei Boateng seine zweite Chance genutzt, als wäre er glück­lich mit dem, was er macht. Und da für Jadon Sancho alle Türen offen stehen – mit Jadon ist der Himmel die Grenze“, meint Boateng – erfüllt er sich viel­leicht doch noch den Traum von einer ganz großen Fuß­ball­kar­riere. Zwar anders als gedacht aber den­noch als wich­tiger Bestand­teil. Als Trainer, Berater und vor allem als Freund.