Seite 3: Folgte Grindel nicht nur seinem Gewissen?

Die Reak­tion des Fuß­ball­bundes auf den Beschwer­de­brief war dann nicht etwa die Pos­ten­ver­gabe an einen anderen, son­dern ein Maul­korb für den Poli­tiker Grindel. Man habe mit diesem ver­ein­bart, dass er zukünftig par­tei­po­li­tisch umstrit­tene The­men­felder nicht in den Mit­tel­punkt seiner poli­ti­schen Arbeit stellen wird, son­dern sich viel­mehr sport­po­li­ti­schen Fra­ge­stel­lungen zuwenden wird“, hieß es in dem Ant­wort­schreiben. Unge­achtet der Grund­ge­setz-Vor­gabe, dass Abge­ord­nete an Auf­träge und Wei­sungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unter­worfen“ zu sein haben.

Maul­korb durch den DFB?

Grindel bestritt damals, dass es eine echte Ver­ein­ba­rung gegeben habe. Der DFB habe nur die Unter­stel­lung zurück­weisen wollen, dass er sein Amt par­tei­po­li­tisch miss­brau­chen könnte. Doch Mutlu kann sich noch heute über den Vor­gang auf­regen. Ein frei gewählter Abge­ord­neter lässt sich vom DFB dik­tieren, womit er sich im Bun­destag zu befassen hat“, reka­pi­tu­liert er. Damit sei ja wohl alles gesagt über das Stand­ver­mögen dieses Poli­ti­kers.

Als Sport­funk­tionär ver­halte sich Grindel nun nicht anders, so Mutlu. Als Deutsch­land vor vier Jahren mit einer mul­ti­kul­tu­rellen Mann­schaft und Mesut Özil die WM gewonnen hatte, stellten sich alle voll dahinter. Jetzt, nach der Nie­der­lage, fällt der DFB-Prä­si­dent einem Spieler von damals in den Rücken und erklärt ihn zum Sün­den­bock, um vom Zustand des DFB und seiner eigenen Ver­ant­wor­tung abzu­lenken.“ Das sei schäbig“ und werde dem deut­schen Fuß­ball, der bis in die untersten Spiel­klassen sehr viel­fältig sei, auch auf lange Sicht schaden.

Kritik auch aus Union und FDP

Auch CDU-Poli­tiker distan­zieren sich vom Nach­treten des DFB-Funk­tio­närs. Auf die Idee, dass ein Foto mit Erdogan an der Nie­der­lage gegen den Fuß­ball-Giganten Süd­korea Schuld sein soll, können auch nur DFB-Funk­tio­näre nach drei Wochen Nach­denken kommen“, twit­terte NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet. Wenn dem DFB die Sache wirk­lich wichtig gewesen wäre, hätte er das vor der WM klären müssen.“

Wäh­rend­dessen rät­selt der FDP-Abge­ord­nete Johannes Vogel rät­selt öffent­lich, was eigent­lich schlimmer sei: Dass der DFB ein Foto von vor sieben Wochen plötz­lich für eine Kern­ur­sache der schlechten WM hält oder die Cha­rak­ter­schwäche, hier einen ein­fa­chen Sün­den­bock zu suchen und damit auch noch ras­sis­ti­sche Res­sen­ti­ments zu bedienen?“