Seite 3: Pornos im Teambus

McDo­noughs Kar­riere war da natür­lich längst im Eimer. Irgend­wann kehrte er nach Col­chester zurück, wo er gleich im ersten Spiel vom Platz gestellt wurde. Anschlie­ßend hielt er erstaun­liche zwei Jahre ohne Rote Karte durch. Er war nicht gerade zu einem neuen Men­schen geworden, aber mit 32 Jahren und als Stürmer in der fünft­klas­sigen Con­fe­rence war dies wahr­schein­lich seine letzte Chance, um es noch mal in den Pro­fi­be­reich zu schaffen. Was aller­dings nie­mand ahnen konnte, war, wie dies geschehen würde. Als Trainer Atkins nach einer Saison seinen Hut nahm, löste McDo­nough ihn über­ra­schend als Spie­ler­trainer ab.

Beim Saufen und Schä­kern war er ganz vorne dabei

Roy war immer noch zual­ler­erst Spieler“, erin­nert sich Mark Kin­sella, der spä­tere iri­sche Natio­nal­spieler, der damals als Jung­profi bei Col­chester spielte. Wenn es ums Saufen und Schä­kern ging, war er ganz vorne dabei. Aber er nahm auch junge Spieler unter seine Fit­tiche, lehrte sie etwas über das Leben und den Fuß­ball, ver­langte hun­dert Pro­zent im Trai­ning und in den Spielen. Außerdem wollte er in einer Liga, in der viel kick n’ rush prak­ti­ziert wurde, rich­tigen Fuß­ball spielen.“ Tat­säch­lich gewann United das Double aus Meis­ter­schaft und FA Trophy (den Pokal­wett­be­werb der unter­klas­sigen Klubs) in rekord­ver­däch­tiger Manier, wobei McDo­nough 29 Tore schoss.

Klar, seine Methoden waren bis­weilen kon­tro­vers. Einmal strich er eine Trai­nings­ein­heit, um Hal­len­cri­cket zu spielen, ein anderes Mal zeigte er Pornos im Teambus. Doch der Erfolg gab ihm recht, zumin­dest vor­über­ge­hend. Am Ende schei­terte er aber daran, dass er als Spieler nicht umsetzen konnte, was er als Trainer pre­digte. Mark Kin­sella erzählt: Vor einem Spiel sagte er: ›Die werden alles pro­bieren, um euch aus der Fas­sung zu bringen. Lasst euch nicht darauf ein, schluckt es runter, spielt euer Spiel und lasst uns hier mit drei Punkten wieder abhauen.‹ Keine zehn Minuten später sah er Rot!“

Ich war unge­stüm“

Letzt­lich ver­san­dete McDo­noughs Trai­ner­kar­riere. Nach einer Zeit als Auto­ver­käufer zog er nach Spa­nien, wo er heute in der schi­cken Urlaubs­re­gion La Manga Immo­bi­lien unter die Leute bringt. Und wenn­gleich er die Roten Karten nicht bereut („Ich war unge­stüm, aber ich wollte nie jemanden absicht­lich ver­letzen“) und seine Frauen- und Alko­hol­ge­schichten abge­klärt beur­teilt („War nicht toll und auch nicht schlau, doch es ver­schaffte mir Auf­merk­sam­keit“), weiß er, dass seine Kar­riere auch anders hätte ver­laufen können. Sams­tags abends schaue ich X Factor und mir kul­lert eine Träne über die Wange“, sagt er, und ich weiß auch, warum. Diese Leute ver­wirk­li­chen ihren Traum, so wie es ich tat, bevor mir das Spiel in die Eier trat.“ Man kann aller­dings sagen, McDo­nough hat mit Schma­ckes zurück­ge­treten.