Seite 2: Die schlechtesten zehn Minuten des FC Chelsea

In einem Spiel musste McDo­nough zurück­ge­halten werden, damit er nicht wie einst Can­tona in die Menge sprang, als er von einem groß­mäu­ligen Pisser“ mit einem Schwall an Belei­di­gungen bedacht wurde. Wal­sall stieg ab und McDo­noughs Saison war nur wegen seiner ersten Roten Karte als Profi bemer­kens­wert, die er nach einem Zusam­men­stoß mit Liver­pools legen­därem Rau­bein Tommy Smith sah, der damals für Wrexham spielte. Der Ball ging Rich­tung Sei­tenaus und er war mir einen Schritt voraus“, sagt McDo­nough, der sich außerdem erin­nert, direkt in ihn rein­ge­ras­selt“ zu sein und den Kon­tra­henten in einem Schnee­haufen abge­laden“ zu haben.

Schiebt ihn euch in den Arsch!“

Zwar schaffte Wal­sall sofort den Wie­der­auf­stieg, aber McDo­nough war inzwi­schen mehr damit beschäf­tigt, abseits des Platzes zum Zuge zu kommen. So ver­ab­schie­dete er sich stan­des­gemäß mit einem Tripper, den er sich auf der Sai­son­ab­schluss­fahrt nach Mal­lorca ein­fing. Nun, da er seinen Ruf als Quer­treiber weg­hatte, bot ihm Wal­sall einen neuen Ver­trag zu ver­rin­gerten Bezügen an. Schiebt ihn euch in den Arsch“, lau­tete die Ant­wort.

Als er im Sep­tember 1980 an die Stam­ford Bridge kam, glaubte McDo­nough zurück im großen Geschäft zu sein und nahm sich vor, Chelsea in die erste Liga zu schießen. Doch er hatte die Rech­nung ohne seinen neuen Boss gemacht, einen der Helden von 1966: Bei Chelsea ging es zu wie im Zirkus, und Geoff Hurst war der Clown. Der schlech­teste Trainer, den ich je­mals hatte.“ Nicht, dass er die eng­li­sche Legende viel zu sehen bekommen hätte. In seinem ein­zigen Ein­satz bei der ersten Mann­schaft, einem Freund­schafts­spiel gegen Dor­drecht, wurde McDo­nough als Innen­ver­tei­diger ein­ge­setzt und war mit der Auf­gabe betraut, den hol­län­di­schen WM-Star Rob Ren­sen­brink in Mann­de­ckung zu nehmen. Chelsea gewann 4:2 und Hurst machte McDo­nough für die schlechten zehn Minuten“ der Blues ver­ant­wort­lich.

Ein Wen­de­punkt in der Kar­riere des 22-Jäh­rigen, der damals heim­weh­krank in einer Sozi­al­woh­nung in der Nähe des Flug­ha­fens Heathrow bei einem ver­hei­ra­teten Paar zur Unter­miete hauste und in den Plänen des Trai­ners offenbar keine Rolle spielte. Chelsea brach mir das Herz“, sagt er. Rück­bli­ckend wünschte ich, ich hätte mit einem Psy­cho­logen spre­chen können, denn ich verlor nach und nach meine Selbst­ach­tung und meine Liebe zum Spiel. Von da an wurde ich zum Trinker und Frau­en­helden. Scheiß drauf, dachte ich, dann mache ich eben einen drauf!“

Wir waren ver­dammte Monster!“

Um von Chelsea weg­zu­kommen, schloss sich McDo­nough dem erst­besten Klub an, der Inter­esse zeigte. In wel­cher Liga spielen wir?“, fragte er bei seiner Ankunft beim dritt­klas­sigen Verein Col­chester United. Nicht, dass es ihn wirk­lich inter­es­siert hätte. McDo­nough hatte jetzt vor allem Wein und Weib im Kopf. Ein Gelage mit Stars des nahe­ge­le­genen Ips­wich, das damals unter Bobby Robson erfolg­reiche Zeiten erlebte, endete damit, dass Eng­lands Natio­nal­ver­tei­diger Terry But­cher nackt mit der Hand über einem Auge durch eine Kneipe hopste – ein Scha­ber­nack, der Pirat“ genannt wurde. Terry war ein guter Kerl, aber er konnte mit uns nicht mit­halten“, sagt McDo­nough. Wir waren ver­dammte Monster.“

Doch mit dem Spaß war es bald vorbei. McDo­noughs Sturm­partner David Lyons, mit dem er nur Stunden zuvor gebe­chert hatte, nahm sich kurz nach seinem 26. Geburtstag das Leben, das tra­gi­sche Ende einer immer tie­feren Depres­sion, die weit­ge­hend unbe­merkt geblieben war. Zwei Tage später trug McDo­nough im Spiel gegen Tran­mere das Trikot seines Freundes mit der Nummer 9 und jubelte aus­ge­lassen, als er nach nur 45 Sekunden traf. Bald aber ver­fiel er wieder in den alten Trott. In einem Spiel für die Reser­ve­mann­schaft flog er vom Platz, nachdem er einem ehe­ma­ligen Mann­schafts­kol­legen einen rechten Haken“ ver­passt hatte.

Geschwafel über Jesus

Danach wird die Sache langsam unüber­sicht­lich. Es folgten Sta­tionen in Sou­thend, Exeter und Cam­bridge, jedes Enga­ge­ment war kürzer als eine Saison, zwei endeten mit einem Abstieg. Bei Cam­bridge United spielte er in der soge­nannten God Squad um David Moyes. McDo­nough wun­derte sich: Wie kann ein rie­siger schot­ti­scher Rot­schopf von Celtic mit so wenig Mumm spielen und statt­dessen seine Energie für Geschwafel über Jesus ver­schwenden?“

Cam­bridge war auch Schau­platz der bemer­kens­wer­testen seiner zahl­rei­chen Epi­soden von Trun­ken­heit am Steuer. Weil er nach der Weih­nachts­feier des Klubs zu besoffen war, um noch Klein­geld in den Park­au­to­maten zu ste­cken, gab McDo­nough ein­fach Gas und setzte den Wagen über die 25 Zen­ti­meter hohe Rampe an der Ein­fahrt hinweg. An sein letztes Spiel für Cam­bridge kann er sich kaum erin­nern: Ich war so durch den Wind, dass ich zwei ver­zerrte Bälle sah.“