Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.

In der Welt der Sport­po­litik scheint es ein unum­stöß­li­ches Gesetz zu geben, das sich in einem simplen Satz zusam­men­fassen lässt: Der größte Schurke ist immer der Nächste. Egal wie uner­träg­lich ein Mann (denn in der Regel sind es Männer) an der Spitze eines Sport­ver­bandes auch sein mag, sein Nach­folger wird immer noch viel schlimmer sein.

Wer hätte gedacht, dass man sich einmal Rein­hard Grindel an die Spitze des Deut­schen Fuß­ball-Bundes zurück­wün­schen würde, der im Lichte der aktu­ellen Ent­wick­lungen beim DFB inzwi­schen als Muster an Inte­grität wirkt? Und wer hätte ahnen können, dass Sepp Blatter gar nicht der schlimmste Schurke im inter­na­tio­nalen Fuß­ball ist?

Wie falsch! Wie unfair!

Sepp Blatter ver­hält sich zu Gianni Infan­tino, seinem Nach­folger als Fifa-Prä­si­dent, wie der Räuber Hot­zen­plotz zum Chef eines mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Dro­gen­kar­tells.

Infan­tino ist in einem Maße gerissen, durch­trieben, skru­pellos, wie es Blatter nie war. Das hat er jetzt wieder bei einem Auf­tritt vor dem Euro­parat in Straß­burg auf beein­dru­ckende Weise bewiesen. Der Fifa-Prä­si­dent hat dort für sein Lieb­lings­pro­jekt geworben, für die Aus­tra­gung der Welt­meis­ter­schaft alle zwei Jahre.

Noch immer muss sich Infan­tino in dieser Sache ja unred­liche Motive unter­stellen lassen. Ihm gehe es angeb­lich nur um noch mehr Geld und noch mehr Macht. Wie falsch! Wie unfair! In Wirk­lich­keit ist Infan­tino ein Men­schen­freund, ein Kämpfer für die Gerech­tig­keit.

Infan­tino geriert sich als Wohl­täter

Denn wäh­rend in Europa die WM zweimal pro Woche statt­finde, so Infan­tino, sind große Teile der Welt wei­terhin kom­plett vom Spit­zen­fuß­ball aus­ge­schlossen. Das müsse man ändern, findet Gianni, der Gerechte. Wir müssen den Afri­ka­nern Hoff­nung geben, damit sie nicht über das Mit­tel­meer kommen müssen“, hat Infan­tino gesagt. Denn statt hier in Europa viel­leicht ein bes­seres Leben zu finden, sei es sehr viel wahr­schein­li­cher, dass sie im Meer den Tod fänden.

Mit anderen Worten: Die Fifa Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft im Zwei­jah­res­rhythmus rettet Men­schen­leben. Wer sich diesem Pro­jekt wider­setzt, hat schlicht kein Herz.

Sepp Blatter hat immer davon geträumt, dass er irgend­wann den Frie­dens­no­bel­preis für sein wohl­tä­tiges Schaffen ver­liehen bekommt. Gianni Infan­tino schielt wohl eher auf sofor­tige Hei­lig­spre­chung.