Der große weiße Mann”, wie Dr. Joa­chim Schu­bert bei seinem letzten Ein­satz in Afrika genannt wurde, geht wieder auf Reisen. Seine Kol­legen im Pri­vat­ärzt­li­chen Pra­xis­zen­trum Bochum erfüllen ihm einen Traum und über­nehmen seine Arbeit, wenn der 54-jäh­rige Medi­ziner in den kom­menden drei Wochen mit der Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft von Kamerun beim Afrika-Cup in Ghana den Titel gewinnen will.


So eine Anfrage kann man nicht abschlagen. Das ist eine total span­nende Sache”, sagt Schu­bert. Als Otto Pfister, der 70-jäh­rige Kölner, der seit 1972 vor­nehm­lich in Afrika arbeitet, vor drei Monaten das Amt des Natio­nal­trai­ners von Kamerun antrat, erin­nerte er sich sofort an seinen Freund aus dem Ruhr­ge­biet. Bei der Welt­meis­ter­schaft 2006 hatte Schu­bert schon als Medi­zin­mann aus Bochum” Pfister bei seiner Arbeit mit der Natio­nal­mann­schaft aus Togo unter­stützt.

Da war ich plötz­lich der ein­zige Weiße”

Damals war es noch ein großes Aben­teuer. In Togo ist der Voodoo-Kult weit ver­breitet, und so musste Schu­bert den Voodoo-Mas­seur ein­dring­lich ins Gebet nehmen, nur keine uner­laubten, sprich auf der Doping­liste ste­henden Mittel anzu­wenden. Es ging chao­tisch zu bei den Togo­lesen wäh­rend der WM. Erst streikten die Spieler, um höhere Prä­mien zu bekommen, dann legte Otto Pfister für drei Tage sein Amt nieder. Da war ich plötz­lich der ein­zige Weiße unter lauter Afri­ka­nern”, schmun­zelt Schu­bert heute über das WM-Wirr­warr. Pfister kehrte dann zurück, konnte aber das Vor­runden-Aus nicht ver­hin­dern. Mit sol­chen Kapriolen rechnet Schu­bert diesmal nicht. Die Togo­lesen musste man abends fast ins Bett prü­geln”, erzählt der Arzt, das ist bei Kamerun ganz anders. Die Spieler sind alle bei euro­päi­schen Klubs beschäf­tigt.” Moham­madou Idrissou vom MSV Duis­burg. Thi­mo­thee Atouba vom Ham­burger SV und natür­lich Joel Epalle vom VfL Bochum kennt er gut. Auf den Super­star Samuel Eto’o vom FC Bar­ce­lona ist er schon ganz gespannt.

Der Titel ist mög­lich, glaubt Schu­bert. Und Otto Pfister, den weiß­haa­rigen Trainer-Methu­salem, hält er genau für den rich­tigen Mann. Pfister sei ein netter Mensch, nicht ganz unchao­tisch und vor allem unkon­ven­tio­nell. Er lässt den Afri­ka­nern ihren Spaß am Spielen”, sagt er, von deut­scher mili­tä­ri­scher Ord­nung hält er nicht viel. Das schätzen sie in Afrika. Dort erkennt ihn jeder auf der Straße. Er ist fast ein Fuß­ball-Hei­liger.” Joa­chim Schu­bert ist ein Ent­wick­lungs­helfer auf Zeit.

Seinen Koffer mit seinen Pri­vat­sa­chen hat er schnell gepackt, aber für die Zusam­men­stel­lung der medi­zi­ni­schen Aus­rüs­tung hat er sich Zeit genommen. 100 Kilo wiegt das Equip­ment. Vom Tape bis zum Ultra­schall­gerät, Schu­bert nimmt alles mit, um auf alles vor­be­reitet zu sein. Wenn er am 12. Februar nach Bochum zurück­kehrt, reist er bequemer, denn die Geräte blieben in Afrika, wo sie noch wich­tige Dienste leisten.

Viel­leicht kann er im Gegenzug den Titel mit­nehmen. Auch wenn der große weiße Mann nur ein kleiner Teil des Teams ist.