Vor einiger Zeit schlug ein geschätzter Kol­lege bei einer The­men­sit­zung unseres kleinen Fami­li­en­ma­ga­zins einen Bei­trag über die Geschichte der Tor­wart­hand­schuhe vor. Auch einen Auf­hänger – also eine Ant­wort auf die Frage: Warum sollen wir das gerade jetzt machen? – hatte er parat: Jene Geschichte begann vor ziem­lich genau 50 Jahren, näm­lich 1970. (Wie gesagt, der Vor­schlag wurde schon vor einiger Zeit gemacht.)

Auf den ersten Blick schien das wirk­lich pas­send. Die baden-würt­tem­ber­gi­sche Firma Uhl­sport, heute ein Spe­zia­list für Tor­wart­be­darf, brachte in der Tat 1970 ihren ersten Hand­schuh auf den Markt. Und die WM 1970 in Mexiko war das erste große Tur­nier, bei dem zwei Schluss­männer mit spe­ziell ange­fer­tigten Hand­schuhen spielten. Zum einen war das natür­lich Sepp Maier, der bei uns in Deutsch­land min­des­tens als Pio­nier, manchmal sogar als Erfinder dieses Acces­soires gilt. Zum anderen der Eng­länder Gordon Banks. Als Banks im Grup­pen­spiel gegen Bra­si­lien das zeigte, was Briten als Parade des Jahr­hun­derts“ bezeichnen, trug er Baum­woll­hand­schuhe, auf die er – ganz ähn­lich wie Maier – einen Belag geklebt hatte, wie man ihn von Tisch­ten­nis­schlä­gern kennt.

Was ist ein Hand­schuh?

Aber – und damit begann die große redak­ti­ons­in­terne Was-genau-ist-ein-Hand­schuh-Debatte, die am Ende dem geplanten Artikel den Garaus machen sollte – die WM 1970 war nicht die erste, bei der Banks Hand­schuhe trug. Schon im Finale 1966 gegen West­deutsch­land hatte Eng­lands Nummer eins (im Gegen­satz zu seinem Gegen­über Hans Til­kowski) seine Finger geschützt. Und zwar mit einem Paar han­dels­üb­li­cher Hand­schuhe, die er angeb­lich in einem Laden für Armee­be­darf in London gekauft hatte. Und im selben Jahr tat sich der deut­sche Tor­wart Wolf­gang Fah­rian mit dem ober­frän­ki­schen Sport­ar­ti­kel­pro­du­zenten Kurt Kränzle zusammen und brachte indus­triell gefer­tigte Tor­wart­hand­schuhe auf den Markt, also vier Jahre vor Uhl­sport.

Und wenn man will, kann man sogar noch viel weiter in der Geschichte zurück­gehen. So bekam ein Mann namens Wil­liam Sykes schon 1885 ein Patent auf beson­dere Hand­schuhe für Fuß­ball­tor­hüter. Sie bestanden aus mit Natur­kau­tschuk beschich­tetem Leder und sollten den Auf­prall des Balles dämpfen. Oder nehmen wir den berühmten Heiner Stuhl­fauth (1896−1966) aus Nürn­berg. Von ihm ist der Satz über­lie­fert: Bei Regen habe ich immer Hand­schuhe aus grober Wolle getragen. An sol­chen Hand­schuhen bleibt ein nasser Ball näm­lich kleben. Das habe ich im Leben gelernt – ich wusste, dass man einen Aal nicht mit bloßen Händen fest­halten kann, man muss ihn mit einem groben Stück Stoff packen.“