Fuß­ball­ver­eine haben Macht. Sie bewegen sehr viel Geld, sie moti­vieren Spon­soren, sie ent­scheiden über poli­ti­sche Ent­schei­dungen, sie können ganze Städte in Freu­den­taumel oder ins Tal der Tränen stürzen. Sie fas­zi­nieren Men­schen, egal wel­cher Alters­klasse, wel­cher Her­kunft, wel­ches Geschlechts. Und sie sind in der Lage, kranken Men­schen für einen Moment ihre Krank­heit ver­gessen zu machen.

Das aktu­ellste Bei­spiel dafür, wie man die Macht seiner Popu­la­rität sinn­voll ein­setzt, ist Ajax Ams­terdam. Die Nie­der­länder haben einen jungen Fan namens Jay Jay Wil­lems. Der Acht­jäh­rige leidet unter einer chro­ni­schen Reiz­dar­mer­kran­kung, ist häufig ans Kran­ken­haus­bett gebunden und bekommt mehr Medi­ka­mente als herz­kranke 80-Jäh­rige. Um so ein Schicksal zu über­strahlen braucht es schon mehr als ein von der ganzen Mann­schaft unter­schrie­benes Trikot. Also tat Ajax mehr.

In Koope­ra­tion mit der Opki­kker Foun­da­tion“ lud der Rekord­meister Jay Jay auf seine Anlage ein, gab dem Jungen einen VIP-Tour durch die hei­ligen Hallen, ließ ihn ein wenig mit der Mann­schaft trai­nieren – und simu­lierte den großen Traum eines jeden fuß­ball­be­geis­terten Kindes: Chef­trainer Frank de Boer zeigte sich begeis­tert von den Fähig­keiten seines Gastes und orga­ni­sierte, um ja keine Zeit zu ver­lieren, gleich das ganz große Kino. Der Coach höchst­per­sön­lich übergab seinem neuen Talent seine Arbeits­klei­dung, bekun­dete sein Inter­esse an einem Enga­ge­ment und ließ Jay Jay Wil­lems dann auch gleich mit dem sil­bernen Mer­cedes zur Pres­se­kon­fe­renz chauf­fieren.

Der Auf­wand hat sich gelohnt

Einer hand­voll Medi­en­ver­treter prä­sen­tierte De Boer kurze Zeit später unseren Neu­ling für die Zukunft“. Damit nicht genug: Für das Liga­spiel gegen NAC Breda wurde der Acht­jäh­rige selbst­ver­ständ­lich in die Start­for­ma­tion berufen, lief mit seinem eigenen Ein­lauf­kind ins Sta­dion, sah sein Foto auf der Anzei­ge­tafel und durfte den Anstoß aus­führen.

Die schöne Aktion von Ajax Ams­terdam wird Jay Jay Wil­lems nicht gesund machen. Und es gibt bestimmt auch bei dieser Geschichte Kri­tiker am Sinn und Zweck einer sol­chen Sache. Aber der schwer Kranke durfte für einige Stunden seine Krank­heit ver­gessen. Und schon allein des­halb hat sich der Auf­wand gelohnt.