Erin­nert sich noch jemand an die Klage, die Markus Gisdol vor ein paar Wochen erhoben hat? Wie der Trainer des 1. FC Köln auf Mit­leid gemacht hat, als er sich mit seiner Mann­schaft auf den Re-Start in der Fuß­ball-Bun­des­liga vor­be­rei­tete? Gisdol jam­merte damals, dass er mit seinen Spie­lern bei schönstem Wetter in Qua­ran­täne sitzen müsse, wäh­rend das nor­male Volk sich schon wieder zum Eis­essen in den Stra­ßen­cafés her­um­treibe.

Solche Klagen sind gar nichts im Ver­gleich zu dem, was uns ab dem Herbst, durch den kom­pletten Winter hin­durch, bis in den Früh­sommer des kom­menden Jahres erwartet. Der Deut­sche Fuß­ball- Bund und die Deut­sche Fuß­ball-Liga haben jetzt ihren Rah­men­ter­min­ka­lender für die neue Saison vor­ge­stellt. Das Pro­gramm ist so kna­ckig, dass man diesmal tat­säch­lich Mit­leid mit den hoch­be­zahlten Fuß­bal­lern haben kann und sich vor allem echte Sorgen um ihre kör­per­liche Unver­sehrt­heit machen muss.

Bun­des­liga, Pokal, Län­der­spiele – und gerne auch inter­na­tional

Am 11. Sep­tember startet die neue Saison mit der ersten Runde im DFB-Pokal, eine Woche später folgt die Bun­des­liga, deren Herbst­meister diesmal erst im Winter (Ende Januar) gekürt werden wird. Drei eng­li­sche Wochen sind allein für die Liga vor­ge­sehen, dazu kommen für viele Profis diverse Län­der­spiele, der Pokal und die Euro­pacup-Wett­be­werbe.

Der Rah­men­ter­min­ka­lender für die kom­mende Saison ist ein fra­giles Gesamt­kunst­werk, das ange­sichts der Gefähr­dung durch die Coro­na­virus-Pan­demie jeder­zeit vom Ein­sturz bedroht ist. Einen Tag vor Hei­lig­abend endet die zweite Runde im DFB-Pokal, und kaum sind die Weih­nachts­ge­schenke aus­ge­packt, geht es am 2. Januar auch schon mit der Liga weiter. Die Win­ter­pause fällt als letzte Insel der Erho­lung damit auch weg.

Ver­steckte Tücken im Spiel­plan

Dar­über hinaus ent­hält der Spiel­plan einige ver­steckte Tücken, auf die man erst bei genauerem Hin­sehen stößt. Zum ersten Mal seit 1984 findet das DFB-Pokal­fi­nale nicht an einem Samstag statt und zum ersten Mal seit 2006 auch nicht nach Abschluss der Bun­des­li­ga­saison. Das End­spiel ist für Christi Him­mel­fahrt ter­mi­niert – was für die beiden Teil­nehmer bedeutet, dass sie zwei Tage nach dem Finale schon wieder in der Bun­des­liga ran­müssen.

Dass der Fuß­ball längst Gefan­gener seines öko­no­mi­schen Erfolgs geworden ist, das hat die Coro­na­krise ein­drucks­voll gezeigt. Gespielt werden muss, weil sonst kein Geld fließt. Zwar gab es in der Ver­gan­gen­heit immer mal wieder Stimmen, auch aus der Branche selbst, dass man das Rad nicht über­drehen dürfe. Beherzt in die Spei­chen gegriffen hat trotzdem nie­mand. Und des­halb geht es nur drei Wochen nach der viel­leicht zeh­rendsten Bun­des­li­ga­saison der Geschichte auch gleich weiter mit der Euro­pa­meis­ter­schaft. Warum? Weil es sich lohnt.

Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.