Craig, warum hast du zwei Jahre lang Archive durch­wühlt, um die Bot­schaften bei Tor­ju­beln zusam­men­zu­stellen? Das Buch ist eine Art Klage. Irgend­wann werden die Men­schen ver­gessen haben, dass Spieler einst mit Bot­schaften unter ihren Tri­kots etwas aus­drü­cken konnten. Unser Gefühl ist, dass der Fuß­ball, wie wir ihn lieben, durch solche Ver­bote nach und nach aus­bleicht.

Du siehst im Verbot der Trikot-Bot­schaften ein Sym­ptom des soge­nannten modernen Fuß­balls“? Defi­nitiv. Es mag zynisch klingen, aber all diese Beschrän­kungen und Auf­lagen, die Ver­bände wie die FIFA Spie­lern auf­ge­bürdet werden – sie dienen doch haupt­säch­lich dem Ziel, den Fuß­ball kom­mer­ziell besser ver­markten zu können.

Du meinst, kon­tro­verse Spieler sollen auf diese Weise glatt­ge­bü­gelt werden? Nein, es geht nicht um Kon­tro­versen, son­dern um Per­sön­lich­keit. Des­halb haben wir ja auch diesen dop­pel­deu­tigen Buch­titel I belong to Jesus“ gewählt.

Eine Bot­schaft, die Kaká unter anderem nach dem Cham­pions League-Tri­umpf des AC Mai­land 2007 prä­sen­tierte. Inwie­fern ist diese Bot­schaft dop­pel­deutig? Klar, auf den ersten Blick scheint das nur ein Aus­druck seines Glau­bens zu sein. Aber man kann es auch tie­fer­ge­hender inter­pre­tieren. Wem gehört“ der Fuß­ball denn heute? Ich glaube, er gehört längst nicht mehr den Fans. Und wenn Kaká meint, er gehöre Jesus, dann gibt er zu, fremd­be­stimmt zu sein. Und so ist es doch: Spieler wie er gehören nicht mehr sich selbst. Sie gehören den Klub­be­sit­zern und Inves­toren.

Trotzdem ver­sam­melt das Buch haupt­säch­lich Tri­kot­bot­schaften aus den Neun­zi­gern und dem Anfang des neuen Jahr­tau­sends. Einer Zeit, in der die Kom­mer­zia­li­sie­rung des Fuß­balls begann… Ein Teil dieser Kom­mer­zia­li­sie­rung ist die Zunahme der medialen Bericht­erstat­tung. Die fing nun einmal Anfang bis Mitte der Neun­zi­ger­jahre an. Spieler erreichten plötz­lich Mil­lionen statt der paar zehn­tau­send Men­schen, die im Sta­dion waren. Da nahm eben auch die Zahl der Bot­schaften auf den Tri­kots zu.