Im Juni sagte der ehe­ma­lige Man­chester City-Ver­tei­diger Nedum Onuoha gegen­über BBC Radio 5 Live, dass er sich in den USA nicht mehr zu 100 Pro­zent sicher fühle. Onuoha – ein schwarzer Spieler, der bei Real Salt Lake in der MLS unter Ver­trag steht – ver­spüre Angst und Miss­trauen gegen­über der Polizei“. Was sicher auch an Bei­spielen wie diesem liegt: Ver­gan­gene Woche wurde in Kenosha, Wis­consin, Jacob Blake von einem Poli­zisten sieben Mal in den Rücken geschossen. Dieser erneute Vor­fall von Poli­zei­ge­walt gegen­über schwarzen Ame­ri­ka­nern rief lan­des­weite Pro­teste hervor, auch die Sport­welt zeigte sich betroffen. Ath­leten aus dem Bas­ket­ball, Base­ball und Fuß­ball stellten demons­trativ zur Schau, dass es im Moment wich­ti­gere Dinge gibt als Sport im Land der unbe­grenzten Mög­lich­keiten.

Fünf von sechs Par­tien fanden an jenem 27. August in der Major League Soccer nicht statt. Auch das Team von Real Salt Lake aus dem Bun­des­staat Utah schloss sich den Pro­testen an. Besitzer des Teams ist Dell Loy Hansen, Immo­bi­lien-Unter­nehmer aus Utah. Seit 2013 ist er Haupt­an­teils­eigner des Klubs sowie der Frau­en­mann­schaft Utah Royals und des Zweit­li­ga­teams Real Mon­archs. 

Die Spieler haben sowohl unsere Stadt als auch unser Unter­nehmen außer Acht gelassen“

In einem Inter­view mit seinem eigenen Radio­sender X96 sprach er am Morgen nach den Pro­testen von einer herben Ent­täu­schung für die Com­mu­nity“ und die Familie des RSL. Auf das Spiel zu ver­zichten und die Men­schen wäh­rend der Corona-Pan­demie im Stich zu lassen, so Hansen weiter, sei respektlos“. Die Schul­digen waren für den Unter­nehmer schnell aus­ge­macht: Die Spieler des Los Angeles FC, Gegner an diesem Abend, hätten nicht spielen wollen. Die eigene Mann­schaft sei auf das Duell vor­be­reitet gewesen und habe antreten wollen.

Der Groll Han­sens traf aber auch schnell das eigene Team. Er kün­digte im Inter­view an, keine Fans mehr ins Sta­dion zu lassen, das Risiko sei zu groß. 40 bis 50 Ange­stellte werde er des­wegen erneut ent­lassen müssen, obwohl diese erst kürz­lich nach der Corona-Pause wieder ein­ge­stellt worden seien. Real Salt Like war übri­gens das erste Fran­chise, das zu Beginn der Krise Mit­ar­beiter frei­stellte. Hansen selber sieht sich als inklu­siver und libe­raler Mensch – und fühlt sich von seinem Team im Stich gelassen. Die Spieler haben andere, natio­nale Belange unter­stützt, aber sowohl unsere Stadt als auch unser Unter­nehmen wurde ganz offen­sicht­lich außer Acht gelassen“, so Hansen.

Diese Aus­sagen stießen logi­scher­weise auf Unver­ständnis, hatten die Spieler schließ­lich nur die Bekämp­fung sozialer Ungleich­heit im Sinn. Ich möchte nicht hier sein, weil ich nicht für jemanden spielen möchte, der uns nicht unter­stützt“, sagte Onuoha dar­aufhin. Zustim­mung erhielt der Pro­test auch von oberster Stelle der MLS. Com­mis­sioner Don Garber wider­sprach Hansen in einer am Nach­mittag ver­öf­fent­lichten Stel­lung­nahme vehe­ment und rief zu Geschlos­sen­heit im Kampf für einen echten Wandel in der Gesell­schaft auf. Auch ein State­ment der National Women’s Soccer League (NWSL) gab dem Besitzer gehö­rigen Gegen­wind. Ein Bericht von The Ath­letic krönte“ den Tag des weißen Mil­li­ar­därs dann schließ­lich. Der Artikel beschreibt ver­gan­genes Fehl­ver­halten Hansen, bereits mehr­fach habe er sich ras­sis­tisch geäu­ßert. Der frü­here Spieler und ehe­ma­lige Chef-Scout Andy Wil­liams berich­tete über meh­rere Ver­gehen, unter anderem soll Hansen im Gespräch mit Wil­liams und dem dama­ligen Trai­ner­team und Zeug­wart Kevin Harter mehr­fach ein­deutig ras­sis­ti­sche Worte ver­wendet haben. Diverse Spieler und ehe­ma­lige Mit­glieder des Ver­eins zeigten sich wenig über­rascht von den im Bericht erwähnten Ent­glei­sungen. Nachdem der Artikel erschienen war, legte die MLS nach und ver­öf­fent­lichte ein wei­teres State­ment, in dem ange­kün­digt wurde, dass mit sofor­tiger Wir­kung eine Unter­su­chung ein­ge­leitet werde. Auch die NWSL star­tete eine Unter­su­chung.

Ver­gan­genen Sonntag ver­kün­dete Hansen in einem Schreiben, dass er den Verein als­bald ver­kaufen möchte. Damit kommt er einer For­de­rung der MLS Players Asso­cia­tion nach, die bereits am Don­nerstag eine Unter­su­chung sowie den Zwangs­ver­kauf for­derte. Im Zuge der Unter­su­chung trat Hansen bereits als Prä­si­dent der Utah Soccer LLC. zurück. Dem Unter­nehmen gehören offi­ziell alle drei Teams.

Der Start in eine neue Ära

Die Erleich­te­rung bei RLS ist deut­lich spürbar, so sprach Kapitän Kyle Beckerman von einer neuen Ära und einem Neu­start. Wir brau­chen ledig­lich ein wenig Hilfe, einen Besitzer, der hier her kommen will und uns die finan­zi­ellen Mög­lich­keiten gibt und uns somit tat­säch­lich hilft, unsere Ziele zu errei­chen“, sagte Becker­mann mls​soccer​.com. Pläne für die Zukunft gibt es der­weil auch schon. NFL-Star J.J. Watt kün­digte via Twitter grund­sätz­li­ches Inter­esse an einer Betei­li­gung am Herren- wie am Damen-Team an. Watt ist mit US-Natio­nal­spie­lerin Kealia Watt ver­hei­ratet, die aktuell für Chi­cago Red Stars auf­läuft und aus Ohio stammt. Der Defen­sive End der Houston Texans möchte nicht nur helfen, den Fuß­ball weiter auf­zu­bauen, son­dern auch Frau­en­sport als Ganzes in den USA weiter vor­an­bringen.

Für Real Salt Lake gilt es nun einen neuen Besitzer zu finden, der die Spieler so unter­stützt, dass es sich für das Team lohnt alles in Waag­schale zu werfen, um erfolg­reich zu sein. Dann hätte der Pro­test bereits wirk­liche Ver­än­de­rung gebracht.