Wäh­rend die Mag­pies“ in den ver­gan­genen Jahren meist rund 42.000 Dau­er­karten für den 52.405 Plätze fas­senden St. James’ Park ver­kauften, waren am Montag noch über 12.000 Tickets ver­fügbar. Sogar die Marke von 38.000 Dau­er­karten, die der Klub für die letzte Zweit­liga-Saison ver­kaufte, könnte New­castle in diesem Sommer ver­passen. Zum Auf­takt­spiel gegen den FC Arsenal am 11. August droht die schlech­teste Besu­cher­zahl seit dem 10. November 2010, als 41.053 Fans zum Heim­spiel gegen die Blackburn Rovers kamen. 

Der erwar­tete Zuschau­er­schwund ist dabei weniger das Ergebnis sport­li­cher Ent­wick­lungen als viel­mehr ein Ventil für die Wut zahl­rei­cher New­castle-Fans über Klub­be­sitzer Mike Ashley. Unter dem Claim Empty for Ashley“ haben sich meh­rere Fan-Orga­ni­sa­tionen zusam­men­ge­funden und rufen nun dazu auf, den Sai­son­start gegen den FC Arsenal zu boy­kot­tieren. Doch damit nicht genug: Sie wollen den Heim­spielen der Mag­pies sogar solange fern­bleiben, bis der Klub einen neuen Besitzer hat. 

Ashley wird nie­mals unsere stolze Stadt ver­nichten“

Unter­stüt­zung erfahren sie dabei von lokalen Geschäften und Pubs, die an Spiel­tagen mit Son­der­an­ge­boten für die boy­kot­tie­renden Anhänger auf­warten. Ashley kann ver­su­chen, unseren Klub zu ver­nichten, aber nie­mals wird er unsere stolze Stadt ver­nichten“, schreiben die Fans. Und die Zahlen des jüngst gestar­teten Dau­er­karten-Ver­kaufs bestärken das Bündnis. Zahl­reiche Anhänger ver­zich­teten darauf, ihr Abon­ne­ment für die kom­mende Saison zu erneuern. 

Ashley ist falsch für diesen Verein und er liegt falsch, wenn er glaubt, er habe eine Zukunft hier“, heißt es in dem Boy­kott-Aufruf. Wir brau­chen eine Bot­schaft: Nicht nur Ashley, son­dern auch die Pre­mier League und der gesamte Fuß­ball müssen ver­stehen, dass dieser Mann Gift ist.“ 

Dass die Anhänger der Über­zeu­gung sind, Ashley würde den Klub ver­giften“, hat meh­rere Gründe. Vor allem werfen sie ihm vor, den Verein zu führen wie seine Sport­ar­tikel-Kette: Statt nach­haltig zu inves­tieren hole Ashley wahllos Spieler, um diese dann nach gewisser Zeit gewinn­brin­gend wei­ter­zu­ver­kaufen – jedoch ohne ange­mes­senen Ersatz. Kurz­fris­tige Ren­dite statt lang­fris­tiger sport­li­cher Ent­wick­lung.

Und auch die eigenen Fans sieht Ashley offenbar allen voran als zah­lende Kund­schaft. So zählt das neue Heim­trikot mit einem Ver­kaufs­preis von 95 Pfund zu den teu­ersten der ganzen Pre­mier League. Und auch die Ticket­preise hob der Klub in diesem Sommer noch einmal um fünf Pro­zent an, nachdem es bereits zur ver­gan­genen Saison eine Erhö­hung von bis zu 20 Pro­zent gegeben hatte.

Anfangs sorgte Ashley für Euphorie in New­castle

Wei­tere Minus­punkte sam­melte Ashley bei vielen Fans, als er das Sta­dion nach seinem Unter­nehmen Sports Direct“ umbe­nannte – nachdem die Spiel­stätte mehr als 110 Jahre lang den tra­di­tio­nellen Namen St. James’ Park getragen hatte. Eine finan­zi­elle Gegen­leis­tung gab es für den Namens­wechsel nicht. Mike Ashley wollte ledig­lich andere Spon­soren auf die Mög­lich­keit der Über­nahme der Namens­rechte auf­merksam machen. Diese erwarb das Unter­nehmen Wonga im Jahr 2011, ver­zich­tete jedoch – offenbar in weiser Vor­aus­sicht – auf eine Nen­nung im Sta­di­on­namen.

Dabei hatte Ash­leys Ein­stieg bei New­castle United im Jahr 2007 anfangs für große Euphorie gesorgt. Nicht wenige Fans sahen in dem Mil­li­ardär einen zweiten Roman Abra­mo­witsch und hofften auf ähn­liche Erfolge wie beim FC Chelsea. Es ist ja nicht so, als wären die eng­li­schen Fans Inves­toren gegen­über grund­sätz­lich abge­neigt – es muss halt passen. Auch Ashley selbst gab sich anfangs fannah, ging im Trikot ins Sta­dion, zeigte sich Pints hebend im Pub und instal­lierte mit Kevin Keegan eine abso­lute Ver­eins­le­gende auf dem Trai­ner­stuhl. 

Der trat jedoch im Sommer 2008 nur ein halbes Jahr nach seinem Amts­an­tritt zurück und beklagte sich öffent­lich über Ash­leys man­gelnden Inves­ti­ti­ons­willen. Ab diesem Zeit­punkt sanken die Beliebt­heits­werte von New­castles Eigen­tümer rapide. Und auch Ashley selbst verlor zuse­hends die Lust an seinem neuem Spiel­zeug. Bereits kurz nach dem Zer­würfnis mit Keegan ver­suchte Ashley erst­mals, den Klub zu ver­kaufen – ver­ge­bens. 

Seither hat der Unter­nehmer New­castle United mehr­fach zum Ver­kauf ange­boten. Doch ein Ver­trags­ab­schluss kam nie zustande. Was offenbar auch an Ashley selbst liegt. So beklagten etwa die am Verein inter­es­sierten Inves­toren der Pro­fi­table Group“ aus Sin­gapur Ash­leys man­gelnde Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit“. Auch die Unter­neh­merin Amanda Stav­eley brach die Kauf­ver­hand­lungen ab und bezeich­nete sie gegen­über Sky“ als ermü­dend“.

Mit Benitez ging der letzte Sym­pa­thie­träger

So sind Verein, Fans und Besitzer seit nun­mehr zwölf Jahren in einer unglück­li­chen Bezie­hung anein­ander gekettet. In den letzten Jahren war es oft allein Trainer Rafa Benitez, der die Anhän­gern noch an das Gute in ihrem Klub glauben ließ. Nicht nur holte er aus den ver­gleichs­weise beschei­denen Mit­teln, die ihm Ashley zur Ver­fü­gung stellte, in sport­li­cher Hin­sicht das wohl Maxi­male heraus. Er machte sich in der Stadt äußerst beliebt, indem er die von Anhän­gern orga­ni­sierte Food­bank“, eine Tafel-ähn­liche Ein­rich­tung, unter­stütze, Fans mit Behin­de­rung besuchte oder sich für die Stif­tung von Ver­ein­si­kone Bobby Robson enga­gierte.

Doch auch Benitez ist nun Geschichte in New­castle. Sein Ver­trag lief zum Sai­son­ende aus. Statt sich weiter von Mike Ashley hin­sicht­lich mög­li­cher Ver­stär­kungen hin­halten zu lassen, darf der Spa­nier nun in China bei Dalian Yifang mit Fan­ta­sie­summen han­tieren. Eine Tat­sache, die ihm die meisten Fans der Mag­pies wohl kaum vor­werfen werden. Viel­mehr richtet sich ihre Wut einmal mehr gegen den Klub­be­sitzer, der den beliebten Trainer nicht von einer Ver­trags­ver­län­ge­rung über­zeugen konnte. 

Statt Benitez steht in der kom­menden Spiel­zeit nun Steve Bruce an der Sei­ten­linie der Mag­pies. Der 58-Jäh­rige kommt vom Zweit­li­gisten Shef­field Wed­nesday und soll laut Sky“ auf der ver­eins­in­ternen Liste der Trai­ner­kan­di­daten ledig­lich den elften Platz belegt haben – weit hinter illus­tren Namen wie Jose Mour­inho, Mikel Arteta oder Patrick Vieira. Bei vielen Fans sorgt der Trai­ner­wechsel vom Cham­pions-League-Sieger Benitez zum Zweit­liga-Zwölften Bruce für zusätz­liche Ver­är­ge­rung – und mög­li­cher­weise für wei­tere leere Plätze im St. James’ Park.