Vor zwei Tagen starb József Tóth, der letzte noch lebende Spieler aus dem Kader der unga­ri­schen Mann­schaft von der WM 1954. Das ist ein guter Anlass, um noch einmal auf das Finale – und die Rolle der Familie Tóth – zu bli­cken.

Ah, jetzt stöhnt sicher der eine oder andere Leser. Denn das berühm­teste Spiel der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte, das Finale von 1954, ist zugleich das am gründ­lichsten ana­ly­sierte. Was kann man da noch Neues erzählen?

All­ge­gen­wär­tiges Spiel

Es stimmt, das Spiel ist all­ge­gen­wärtig. Es wurde für Sönke Wort­manns Films Das Wunder von Bern“ mit Ama­teur­spie­lern und von drei Stu­denten mit Lego-Figuren nach­ge­stellt. Allein das ZDF pro­du­zierte drei Doku­men­ta­tion, und inzwi­schen gibt es mehr als ein halbes Dut­zend Bücher über den Final­sieg der deut­schen Elf gegen die favo­ri­sierten Ungarn. Dazu noch meh­rere Audio-CDs, Bio­gra­fien der ein­zelnen Helden und natür­lich Werke zum ganzen Tur­nier in der Schweiz.

Dank dieser Medien-Lawine weiß inzwi­schen auch der letzte Fan, wie und warum (West-) Deutsch­land die Sen­sa­tion schaffte: mit deut­schen Tugenden, durch die Tricks von Sepp Her­berger, dank des deutsch­freund­li­chen Fritz-Walter-Wet­ters, weil die Ungarn spä­tes­tens nach dem 2:0 die Deut­schen unter­schätzten.

Rand­ge­schichten und Ver­schwö­rungs­theo­rien

Dazu kommen dann noch einige Rand­ge­schichten und Ver­schwö­rungs­theo­rien, die man hier­zu­lande zwar kennt, aber gerne unter den Tep­pich kehrt, vom Foul von Werner Liebrich an Ferenc Puskás aus dem Grup­pen­spiel, dessen Folgen den Star der Ungarn im ganzen Tur­nier behin­derten, über das nicht gege­bene 3:3 kurz vor dem Ende der Partie bis zu den diversen Doping­theo­rien. Was in Deutsch­land selt­sa­mer­weise fast nie zum Thema wurde, ist die Rolle, die der Trainer der Ungarn spielte, Gusztáv Sebes.

Ein Zeit­zeuge aus Buda­pest namens Etelka Banyai berich­tete dem ZDF, dass die unga­ri­schen Fans nach dem Abpfiff keinen Zweifel hatten, wer Schuld an dem Drama war – und das war nicht Liebrich, nicht der Schieds­richter, keiner der Spieler Ungarns: Die Men­schen vor dem Haus von Sebes wurden immer mehr“, erin­nerte er sich. Sie riefen: ›Der Sebes soll ver­re­cken, er ist ein Schwein, er hat das Vater­land ver­kauft!‹ Unglaub­lich, was sich in der Masse auf­ge­staut hatte, diese Aggres­sion. Sie schrien: ›Wir fackeln sein Haus ab!‹“