Heute ist es wieder soweit: der FC Bar­ce­lona emp­fängt Real Madrid im Camp Nou. Ein neues Kapitel der unend­li­chen Geschichte Namens Cla­sico. Aber dieses Auf­ein­an­der­treffen wird anders sein als die Spiele zuvor. Ein ein­ziger Zuschauer auf der VIP-Bühne sorgt schon im Vor­feld für viel Wirbel: Gilad Shalit.

Shalit ist 26. Er ist Israeli. Fünf Jahre war er Gefan­gener der Hamas, wurde wäh­rend seines Wehr­dienstes ent­führt. Erst im ver­gan­genen Jahr hat die Hamas Gilad Shalit frei­ge­lassen. Seitdem ver­sucht er sich als Sport­ko­lum­nist, Sport sei seine große Lei­den­schaft, der FC Bar­ce­lona sein Lieb­lings­verein. Mit seiner Lei­den­schaft für den Verein ist er in der Region nicht alleine, der Cla­sico ist ein Groß­ereignis, ob in Israel, in Paläs­tina oder den ara­bi­schen Nach­bar­län­dern. Das könnte sich nun ändern.

Ein israe­li­scher Soldat als Ehren­gast? Die Paläs­ti­nenser sind ver­är­gert

In den ver­gan­genen Tagen machten sich Gerüchte breit, der FC Bar­ce­lona habe Gilad Shalit zum Spiel gegen Real Madrid offi­ziell ein­ge­laden. Das löste Ärger aus, vor allem unter Paläs­ti­nen­sern in Gaza. Mahmoud Sarsak ver­ur­teilte die Ein­la­dung. Sarsak ist Fuß­ball­spieler, war drei Jahre lang Gefan­gener Israels, ohne Ver­hand­lung ein­ge­sperrt. Nach einem drei­mo­na­tigen Hun­ger­streik Anfang des Jahres, ließ Israel den fast ver­hun­gerten Spieler frei. FIFA-Boss Sepp Blatter übte Druck auf die israe­li­sche Regie­rung aus, erwirkte die Frei­las­sung. Sarsak hat nun gesagt: Als ein paläs­ti­nen­si­scher Gefan­gener, Fuß­ball­spieler der paläs­ti­nen­si­schen Natio­nal­mann­schaft und großer Fan des FC Bar­ce­lonas, ver­ur­teile ich die Ein­la­dung des Sol­daten Gilad Shalit und for­dere den Verein auf, die Ein­la­dung zurück­zu­ziehen.“ Ein offener Brief for­dert den FC Bar­ce­lona auf, Shalit aus­zu­laden. Der Brief endet mit dem Satz: Gilad Shalit will­kommen zu heißen, ist wie einen SADF Sol­daten (Sol­daten des süd­afri­ka­ni­schen Apart­heit­re­gimes. Anm. Der Red.) in den 1980ern wäh­rend eines euro­päi­schen Fuß­ball­spiels ein­ge­laden zu haben. Hät­test du das getan, FC Bar­ce­lona?“ Über 50 Fuß­ball­ver­eine, Fan­clubs des FC Bar­ce­lonas, Spieler und Trainer in Gaza haben die For­de­rung bereits unter­schrieben. Eine wei­tere Peti­tion läuft in Spa­nien, schon 1000 Unter­schriften liegen vor. Akti­visten in Spa­nien kün­digen schon jetzt hef­tige Pro­teste an.

Gilad Shalit war gerade einmal 19 als er von der Hamas ent­führt wurde. Er leis­tete seinen Wehr­dienst, war ein schmäch­tiger, schüch­terner Junge, er ist es bis heute geblieben. Seine Gei­sel­nahme nahm die israe­li­sche Regie­rung zum Anlass, den gesamten Gaza­streifen abzu­rie­geln, von der Öffent­lich­keit zu iso­lieren. Die Ent­füh­rung diente zur Recht­fer­ti­gung des Gaza­krieges 2008, in dem 1400 Paläs­ti­nenser getötet und 500 schwer ver­letzt worden. Die Gefechte zer­störten nahezu die gesamte Infra­struktur des Gaza­strei­fens. Der schmäch­tige Junge wurde für die Paläs­ti­nenser in Gaza zur Sym­bol­figur von Iso­la­tion, Krieg und Tod. In seiner Gefan­gen­schaft erfuhr er ähn­li­ches: fünf Jahre war er iso­liert, gefangen in einem Kel­ler­loch ohne Tages­licht.

FC Bar­ce­lona, für Frieden und Har­monie

Der FC Bar­ce­lona reagierte sofort, ver­öf­fent­lichte am Don­nerstag eine Pres­se­mit­tei­lung auf seiner Inter­net­seite. Die Mit­tei­lung hat die heroi­sche Über­schrift: FC Bar­ce­lona, für Frieden und Har­monie im Nahen und Mitt­leren Osten“. Die Spre­cher demen­tierten den Israeli ein­ge­laden zu haben. Der Verein hat Gilad Shalit nicht ein­ge­laden, hat aber der Anfrage zuge­stimmt, ob Gilad Shalit sich das Spiel wäh­rend seines Bar­ce­lona-Besuchs angu­cken dürfe.“ Der Verein gab weiter bekannt, dass er außerdem die Anfragen der paläs­ti­nen­si­schen Bot­schaft positiv beant­wor­tete habe. Dem­nach werden sich auch Musa Amer Odeh, Bot­schafter der paläs­ti­nen­si­schen Auto­no­mie­be­hörde sowie Jibril Rajoub, Prä­si­dent des paläs­ti­nen­si­schen Fuß­ball­ver­bandes das Spiel live ver­folgen. Fuß­ball­spieler Mahmoud Sarsak lehnte die Ein­la­dung ab.

Barcas Han­deln wirft viele Fragen auf. Wäre es ein Skandal, wenn Bar­ce­lona Shalit Gilad wirk­lich ein­ge­laden hätte? Wäre es gar ein poli­ti­sches Signal gewesen? Wurde die Pres­se­mit­tei­lung auf Drängen des Spon­sors der Qatar Foun­da­tion ver­öf­fent­licht? Qatar hielt in der Ver­gan­gen­heit immer wieder gute wirt­schaft­liche Bezie­hungen zu Israel. Diese wurden jedoch 2000 wie 2008 auf Grund der eska­lie­renden poli­ti­schen Situa­tion gegen die Paläs­ti­nenser auf Eis gelegt. Letzt­end­lich war es aber Israels Pre­mier Ben­jamin Net­an­yahu, der die Bezie­hungen zum Emirat nicht wei­ter­führen wollte. Die Qatar Foun­da­tion ant­wortet auf solche Fragen bis­lang nicht. Auf ihrer Face­book­seite rufen die Fans der Seite die Qatar Foun­da­tion auf, den Wer­be­ver­trag umge­hend auf­zu­lösen. FC Bar­ce­lona indes recht­fer­tigt sich: Man würde keine Stel­lung in dem Kon­flikt beziehen. Schließ­lich habe man 2011 Prä­si­dent Mahmoud Abbas herz­lich emp­fangen. Abbas bedankte sich damals mit den Worten: Barça ist ein Verein, der eine Gesell­schaft reprä­sen­tiert und Men­schen mit beson­deren Werten.“

Die Hamas boy­kot­tiert den Cla­sico

Das Spiel am heu­tigen Abend wird zeigen, ob der FC Bar­ce­lona mit Kon­se­quenzen rechnen muss, oder nicht. Vor allem der FC Bar­ce­lona und Real Madrid genießen einen aus­ge­zeich­neten in der ara­bi­schen Welt. Fuß­ball­fans sind ver­rückt nach den Spielen und den Mann­schaften. Fast jeder Fan besitzt ein Trikot von Messi, oder eben Ronaldo. Die Hamas in Gaza hat aller­dings schon ange­kün­digt, das Spiel zu boy­kot­tieren. Fern­seh­sender werden den Cla­sico nicht wie sonst über­tragen. Auch Zei­tungen berichten nicht wie üblich über das Spiel. Inwie­weit der Boy­kott wei­ter­gehen wird, sich noch auf andere Länder aus­breitet, lässt sich noch nicht sagen. Ich rufe alle mus­li­mi­schen, ara­bi­schen und paläs­ti­nen­si­schen Medien auf, das Spiel nicht zu zeigen“, so Sami Abu Zuhri, Spre­cher der Hamas. In den ver­gan­genen Wochen brannten wäh­rend der Pro­teste wegen des islam­kri­ti­schen Films in der ara­bi­schen Welt Flaggen, man kann nur hoffen, dass nicht bald Tri­kots des FC Bar­ce­lonas in Flammen auf­gehen. Die Marke Bar­ce­lona ist zumin­dest in diesem Teil der Erde in Gefahr.