Seite 3: „Mein Bruder war nicht schwul“

Fas­hanu flüch­tete erneut in die USA, er spielte bei Atlanta Ruckus und heu­erte 1998 als Trainer bei dem neu­ge­grün­deten Team Mary­land Mania in der zweiten US-ame­ri­ka­ni­schen Ama­teur­liga an. Bekannten erzählte er, dass er Besitzer des Klubs sei. Einer davon war Donald H., ein 17-jäh­riger Junge, DJ genannt, der eines Abends zu einer kleinen Party in Jus­tins Woh­nung erschien. Sie tranken Bier, rauchten Mari­huana. Zwei Tage später stand ein Poli­zist vor Fas­hanus Tür und fragte, ob er homo­se­xuell sei und in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1998 sexu­ellen Kon­takt zu Donald H. gehabt habe. Fas­hanu ver­neinte beide Fragen. Wenige Tage später ver­ließ er die USA in Rich­tung London.
 
Monate nach seinem Tod fand man diesen Abschieds­brief:
 
Wenn irgend­je­mand diese Notiz findet, bin ich hof­fent­lich nicht mehr da. Schwul und eine Person des öffent­li­chen Lebens zu sein, ist hart. Ich will sagen, dass ich den Jungen nicht ver­ge­wal­tigt habe. Er hatte bereit­willig Sex mit mir, doch am nächsten Tag ver­langte er Geld. Als ich nein sagte, sagte er: ›Warte nur ab!‹ Wenn das so ist, höre ich euch sagen, warum bin ich dann weg­ge­rannt? Nun, nicht immer ist die Justiz gerecht. Ich fühlte, dass ich wegen meiner Homo­se­xua­lität kein faires Ver­fahren bekommen würde. Ihr wisst, wie das ist, wenn man in Panik gerät. Bevor ich meinen Freunden und meiner Familie wei­teres Unglück zufüge, will ich lieber sterben. Ich hoffe, der Jesus, den ich liebe, heißt mich will­kommen. Ich werde zumin­dest Frieden finden.“

John Fas­hanu: Ich musste unseren Namen schützen“
 
Ende Januar 2012 strahlte die BBC eine Doku­men­ta­tion mit dem Titel Britain’s Gay Foot­bal­lers“ aus. Die Autorin ist Amal Fas­hanu, Tochter von John und Nichte von Justin Fas­hanu. In einer Szene fragt Amal Fas­hanu ihren Vater, warum er sich von seinem Bruder abwen­dete. John ant­wortet: Justin war selbst­süchtig. Ich musste unseren Namen schützen.“
 
Einige Wochen später mel­dete sich John Fas­hanu noch einmal zu Wort. In der Radio­sen­dung talk­SPORT“ wurde er gefragt, was er von dem Film seiner Tochter hält. Er sagte: Ich denke nicht, dass mein Bruder schwul war. Das ist doch Non­sens! Showbiz!“

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Dieser Text erschien Anfang 2013 im 11FREUNDE SPE­ZIAL Rebellen“. Mitt­ler­weile hat John Fas­hanu akzep­tiert, dass sein Bruder homo­se­xuell war. In der bri­ti­schen TV-Show Cele­brity SAS sagte er vor wenigen Tagen: Er war schwul, aber wir wollten es als Familie nicht wahr­haben.“ Er fühle sich bis heute schuldig am Selbst­mord seines Bru­ders. Auf Net­flix ist momentan die Doku­men­ta­tion For­bidden Games: The Justin Fas­hanu Story“ zu sehen.