Seite 3: „Ich hatte das Gefühl, dass er es verstanden hat“

Der Verein belegt Frahn mit einer Geld­strafe und ver­öf­fent­licht ein State­ment, in dem sich Frahn ent­schul­digt. Im Aus­tausch mit unseren Fans habe ich eines Tages auch Thomas Haller ken­nen­ge­lernt. Mir per­sön­lich gegen­über ist er nie poli­tisch geworden. Ich bin weit davon ent­fernt, sein Gedan­kengut zu teilen“, wird Frahn zitiert. Er habe dem Wunsch der Fans nach gemein­samen Gedenken ent­spre­chen wollen. Dabei sei ihm nicht bewusst gewesen, dass dieses T‑Shirt so tief in der Nazi-Szene ver­breitet ist”. Auch auf seinem Insta­gram-Kanal distan­ziert sich Frahn von Neo­nazis. Das Sport­ge­richt des Nord­ost­deut­schen Fuß­ball­ver­bandes (NOFV) sperrt Frahn für vier Spiele, wovon zwei zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wurden. Zusätz­lich muss er eine Geld­strafe zahlen.

Der 9. März sollte ver­hee­rende Folgen für den Chem­nitzer FC haben. Das war schon eine Zäsur und hat gezeigt, wie kaputt dieser Verein doch war“, sagt der ehe­ma­lige Trainer Bergner. Meh­rere Spon­soren stiegen aus, in Deutsch­land war der CFC jetzt als Nazi­ve­rein bekannt. Der Verein war wirk­lich am Wanken. Wir haben die nächsten zwei Spiele ver­loren, weil die Spieler damit nicht umgehen konnten“, sagt Bergner. In den fol­genden Monaten geht der Klub stärker gegen rechts­ex­treme Fans vor und erteilt Sta­di­on­ver­bote gegen Mit­glieder von Kaotic”.

Für Frahn gibt es keine wei­teren Kon­se­quenzen im Verein. Im Gegen­teil: Bergner bestimmt ihn im Trai­nings­lager Anfang Juli 2019 sogar zum Kapitän für die neue Saison. Er hatte einen sehr, sehr hohen Stel­len­wert in der Mann­schaft. Keiner hat gedacht, dass wir einen anderen Kapitän nehmen als Daniel.“ Frahns Ver­halten am 9. März spielt zu dem Zeit­punkt für Bergner und sein Trai­ner­team keine Rolle mehr. Er hat uns glaub­würdig mit­ge­teilt, dass es ein ein­ma­liger Fehler war, den er bereut. Ich habe ihm geglaubt und habe ihm gesagt: Wir lassen dich nicht fallen. Er war dankbar dafür.” Um sicher zu gehen, führt der Trainer ein Gespräch mit seinem neuen Kapitän und ver­sucht, Frahn die Bedeu­tung als Kapitän in der Öffent­lich­keit klar­zu­ma­chen. Bergner ist zuver­sicht­lich: Ich hatte das Gefühl, dass er es ver­standen hat.“

Frahn kommt nicht in die Kabine

Nur einen Monat später, im August 2019, fährt Frahn in seinem Auto mit dem mut­maß­li­chen Rechts­ex­tremen Chris J. zum Aus­wärts­spiel nach Halle. Das Gericht sieht das als unstrittig” an. Es ist jene Fahrt, die Trainer Bergner vom Teambus aus beob­achtet. Frahn kommt nicht in die Chem­nitzer Kabine, wie es ver­letzte Spieler von Fuß­ball­teams nor­ma­ler­weise machen, um das Team zu moti­vieren. Statt­dessen guckt Frahn neben den als rechts­ex­trem bekannten Ultras das Spiel – obwohl der Pres­se­spre­cher des Chem­nitzer FC Frahn zuvor per WhatsApp noch darauf hin­ge­wiesen hatte, auf­zu­passen, mit wem er zusammen im Block steht. Im Leip­ziger Café sagt Trainer Bergner rück­bli­ckend über die Wahl von Frahn als neuem Kapitän: Das zeugt natür­lich davon, dass ich die Ent­schei­dung falsch getroffen habe.“

Der Spieler, der nach dem Hoch­halten des Shirts am 9. März 2019 noch öffent­liche Reue gezeigt hatte, erkennt dagegen keine Ver­feh­lung. Bergner erzählt, dass er abends nach dem Spiel in Halle noch bei Frahn ange­rufen habe. Ob es etwas zu bespre­chen gäbe, habe Bergner gefragt. Nein, habe Frahn geant­wortet. Es ist das letzte Tele­fonat, was Bergner mit Frahn führen wird. Seitdem haben die beiden keinen Kon­takt mehr. Er hat die Sache unter­schätzt. Er hat wirk­lich gedacht, er macht das ein­fach so, er ist Daniel Frahn, da wird nichts pas­sieren”, sagt Bergner.

Zwei Tage nach dem Spiel in Halle kün­digt der Verein Daniel Frahn fristlos. Zu dem Kün­di­gungs­ge­spräch in der Geschäfts­stelle kommt Frahn in einem Kapu­zen­pull­over, Loyal” steht auf der Brust, auf seiner Kappe ist der gleiche Schriftzug. Vor dem Gebäude des Ver­eins sichern Poli­zisten ab. In dem Gespräch sollen die Ver­ant­wort­li­chen des Klubs Frahn eine ein­ver­nehm­liche” Tren­nung ange­boten haben – mit der Bedin­gung, sich von seiner rechts­ex­tremen Sta­di­on­be­glei­tung zu distan­zieren. Das lehnte Frahn ab.