Diese Frisur. Die Haare Rich­tung Zukunft gegelt, als wäre ein Revival der frühen Neun­ziger der nächste heiße Scheiss. Als wäre die Pop­gruppe Die Prinzen“ ein nach­hal­tiger Teil deut­schen Kul­tur­guts. Als wäre Lands­berg am Lech, die Heimat Julian Nagels­manns, das wahre Man­hattan.

Diese Frisur, die tat­säch­lich das Ein­zige ist, was man dem Hof­fen­heimer Übungs­leiter, für den DFB immerhin der Trainer des Jahres 2016“, vor­halten könnte. Wenn das nicht so furchtbar däm­lich und ober­fläch­lich wäre.

Nach­hal­tige Arbeit, und trotzdem bleibt ein großes Aber

Weil es das ist, muss man Julian Nagels­mann eigent­lich böse sein. Denn abge­sehen vom hart geklebten Kopf­schmuck gibt es an ihm nichts aus­zu­setzen. Schlimmer noch: Durch seine unauf­ge­regte Art, durch seine über jeden Zweifel erha­bene, for­mi­dable Arbeit macht es einem dieser sym­pa­thischste Streber ver­dammt schwer, das immer noch unbe­dingt zu kri­ti­sie­rende Kon­strukt TSG 1899 Hof­fen­heim zu kri­ti­sieren.

Zuge­geben: Der Klub erzielt nach Jahren des Sugar-Daddy-Wahn­sinns Trans­fer­über­schüsse, arbeitet nach­haltig und setzt ver­mehrt auf junge und andern­orts ver­kannte oder uner­kannte Spieler. Auch wenn Kevin Vogt, Ben­jamin Hübner oder Sandro Wagner das ungern hören mögen. Trotzdem bleibt das große Aber vom Gusto eines Ein­zelnen, und sei die Absicht von Mäzen Dietmar Hopp noch so edel (gewesen).

Mit der Sou­ve­rä­nität eines Dalai Lama

Wie also stellt er das an, dieser älteste 29-Jäh­rige der Bun­des­liga-Geschichte? Wie schafft er es, erfolg­reich eine Mann­schaft anzu­leiten, in der gleich fünf Spieler zumin­dest gleich alt, wenn nicht älter sind? Wie zieht er die Anhänger, ver­meint­li­chen Experte und Kol­legen auf seine Seite?

Die Ant­wort ist so ein­fach wie kom­pli­ziert zugleich: Nagels­mann hat Qua­lität. Und ist dabei vor allem authen­tisch und mensch­lich. Er ver­fügt auch als Junior über die Aura eines Elder Sta­tesman. Wirkt in jeder Sekunde, in jedem Inter­view, jeder Spiel­szene wie einer, der schon alles gesehen, erlebt und durch­litten hat. Und jedes ver­dammte Mal scheint er die ihm gestellten Auf­gaben mit der Sou­ve­rä­nität eines Dalai Lamas zu lösen.