Wir schreiben den 1. Oktober 2003, zweiter Spieltag der Cham­pions-League-Gruppe E. Für den VfB Stutt­gart ist es das erste Heim­spiel über­haupt in der Königs­klasse, Gegner ist Man­chester United. Der Mann­schaft um Kevin Kuranyi, Philipp Lahm, Horst Heldt und Zvonimir Soldo gelingt ein umfei­erter 2:1‑Überraschungssieg. Ein 22-jäh­riger Weiß­russe namens Alex­ander Hleb, bereits in seiner vierten Saison beim VfB, ist an diesem Abend wieder einmal Spiel­ge­stalter.

Auf Spiele befragt, die er nie ver­gessen wird, nennt der inzwi­schen 34 Jahre alte Mit­tel­feld­spieler auch heute noch diese Partie gegen Man­chester. 2005 sollte er selbst in die Pre­mier League wech­seln, nach einer Spit­zen­saison, die er als bester Vor­la­gen­geber der Bun­des­liga abschloss. Sein krea­tives Pas­spiel und seine starke Technik brachten ihm in Deutsch­land den Spitz­namen Zau­ber­lehr­ling“ ein und beför­derten ihn auf die Ein­kaufs­listen der Top­ver­eine Europas.

He’s good at foot­ball, Alex­ander Hleb!“

Heute, zehn Jahre später, spielt Alex­ander Hleb wieder beim weiß­rus­si­schen Seri­en­meister BATE Baryssau. Der Verein, bei dem die Kar­riere des Aus­nah­me­spie­lers begann, ist seine inzwi­schen 14. Sta­tion im euro­päi­schen Fuß­ball und viel­leicht seine letzte. Eine trau­rige Ent­wick­lung für einen, der 2005 für 15 Mil­lionen zum FC Arsenal wech­selte. Damals sah es so aus, als wäre Hleb in die Riege der Top­stars Europas auf­ge­stiegen.

Aller­dings begann bei Arsenal das Ver­let­zungs­pech, das Hleb später öfter einen Strich durch die Rech­nung machen sollte. Erst in der Rück­runde 2005/06 zeigte er, wofür Arsène Wenger ihn geholt hatte, bil­dete mit Cesc Fab­regas ein über­ra­gendes Offensiv-Duo, das Arsenal ins Finale der Cham­pions League brachte. Sogar einen – zuge­geben nicht sehr ein­falls­rei­chen – Kur­ven­ge­sang wid­meten die eng­li­schen Fans dem Weiß­russen: Alex­ander Hleb, Alex­ander Hleb, he’s good at foot­ball, Alex­ander Hleb!“

130 Spiele bestritt Hleb bis 2008 für den Lon­doner Klub, schoss zehn Tore und berei­tete 16 vor. Auf der Spitze seines Schaf­fens ange­langt, holte Pep Guar­diola ihn nach Bar­ce­lona, 19 Mil­lionen Euro Ablöse und eine Aus­stiegs­klausel über 90 Mil­lionen. Ein Königs­transfer zu einem Traum­verein. Scheinbar.

Denn im Rück­blick beschreibt Hleb den Wechsel als die schlech­teste Ent­schei­dung seiner Kar­riere und auch in Auf­zäh­lungen der mie­sesten Wech­sel­ge­schäfte der Guar­diola-Ära taucht er regel­mäßig auf. Den größten Teil seiner ersten Saison in Bar­ce­lona ver­lebte Hleb auf der Bank. Beim Cham­pions League Finale 2009 in Rom stand er nicht einmal im Kader – ein Rück­schlag, der Hleb so wütend machte, dass er nur mit Mühe davon abge­halten werden konnte, direkt wieder aus Rom abzu­reisen. Vor allem in seiner eigenen Wahr­neh­mung war Alex­ander Hleb ein Super­star, der nicht ange­messen gewür­digt wurde.

Dabei hätte der Weiß­russe bei Barça durchaus eine Chance gehabt, es man­gelte jedoch an der Ein­stel­lung, wie Hleb im Nach­hinein zugibt: Ich war belei­digt wie ein Klein­kind und das zeigte ich auch: Manchmal rannte ich im Trai­ning etwas weniger, manchmal posierte ich. Der Coach sagte mir, was ich tun sollte und ich tat aus Trotz etwas anderes. Es war wie im Kin­der­garten, im Rück­blick war das lächer­lich.“

Die Hoff­nung auf die Rück­kehr nach Deutsch­land

Nach nur einer Saison waren seine Tage in Bar­ce­lona gezählt, auch wenn er noch bis Februar 2012 auf der Gehalts­liste der Kata­lanen geführt wurde. Per Leihe sollte Hleb zu Inter Mai­land wech­seln. Statt­dessen ent­schied er sich für Stutt­gart, im Rück­blick eine wei­tere Fehl­ent­schei­dung: Inter holte 2009/10 das Triple. Beim VfB kam er mit Trainer Chris­tian Gross in Kon­flikt, bei seinen fol­genden Leih­ge­schäfts-Sta­tionen in Bir­mingham und Wolfs­burg ereilte ihn wieder das Ver­let­zungs­pech. End­lich aus dem Barça-Ver­trag raus, ging Hleb 2012 nach Russ­land zu KS Samara. Es schien wie der letzte Schritt in einer unglück­lich ver­lau­fenen Kar­riere.

Doch Alex­ander Hlebs alter Verein BATE Baryssau hatte sich für die Cham­pions League qua­li­fi­ziert, nach nur fünf Monaten in Russ­land wech­selte er zu BATE. Der Star begriff das als Chance, sich noch einmal auf der inter­na­tio­nalen Bühne zu prä­sen­tieren, viel­leicht noch einmal in seine zweite Heimat“ Deutsch­land zu wech­seln. Was folge, waren jedoch Enga­ge­ments in der Türkei, bei Turku Kon­yaspor und Gen­cler­bir­ligi Ankara.

Und nun, wenn BATE Baryssau am Mitt­woch­abend in Lever­kusen spielt, ist das Muster ähn­lich. Alex­ander Hleb spielt inzwi­schen zum dritten Mal an alter Wir­kungs­stätte. Der nächste Ver­such, sich noch einmal den Sprung nach Deutsch­land zu schaffen? Wenn es ein Angebot gäbe, sehr gerne!“, sagte Hleb noch im Mai in einem Inter­view mit Trans​fer​markt​.de. Ver­let­zungs­mi­seren hat er im betagten Fuß­bal­ler­alter scheinbar über­wunden: Ich fühle mich sehr gut und habe noch viel Spaß am Fuß­ball spielen. Ich mache defi­nitiv weiter.“