Es steht momentan nicht gut um den FC Bayern. Genau genommen: Es wird ihm dieser Tage ziem­lich übel mit­ge­spielt. Dabei war der Rekord­meister in der jün­geren Ver­gan­gen­heit doch außer­or­dent­lich generös gewesen. Wie jüngst bekannt wurde, ret­tete er den BVB vor ein paar Jahren vor dem finan­zi­ellen Ruin. Zwei Mil­lionen gab man dem Kon­kur­renten, ohne Sicher­heiten, ein­fach so auf die Kralle. Doch wer hat es ihnen gedankt? Die Liga? Die anderen Ver­eine? Die Fans? Der Fuß­ball an sich? Nein, in diesem Winter hat sich jeder gegen den FC Bayern ver­schworen. Und nun wird er sogar so sehr von den Schieds­rich­tern benach­tei­ligt, dass er ver­mut­lich nicht mal Meister werden kann.


Eines ist ganz klar, die Schieds­richter pfeifen im Zwei­fels­fall immer gegen Bayern“, sagte Uli Hoeneß am Mitt­woch auf Sky, und wie­der­holte damit das, was Karl-Heinz Rum­me­nigge bereits vor einigen Tagen ver­kündet hatte: Man hat manchmal den Ein­druck, dass es heißt: Im Zwei­fels­fall contra Bayern.“ Der Vor­stands­vor­sit­zende des Klubs bezog sich dabei auf das Spiel beim HSV, als dem FC Bayern ein, so Rum­me­nigge, kor­rekt erzieltes Tor“ aberkannt wurde. Wäre es gegeben worden, dann hätten die Bayern gar nicht die Tabel­len­füh­rung ein­ge­büßt“.

Irgendwie kommen einem solche Worte bekannt vor. Aller­dings gehören sie eigent­lich zum Stamm­vo­ka­bular von Trai­nern, die jene soge­nannten kleinen Ver­eine“ trai­nieren, die eine wie auch immer gear­tete Schieds­richter-Benach­tei­li­gung seit jeher für sich bean­spru­chen. Alleine Fried­helm Funkel, so etwas wie der Kleine-Ver­eine-Hopper der Bun­des­liga, sagt obigen Rum­men­nigge-Satz – strei­chen Sie ein­fach das Wort Tabel­len­füh­rung – circa sieben- bis achtmal pro Saison.

Refe­rees benach­tei­ligen heute die Großen

Goo­gelt man die Worte Funkel“ und Schieds­richter“ gelangt man ohne Umwege zu Arti­keln, in denen er sich als Trainer des VfL Bochum betrogen“ fühlt, in denen er als Duis­burger Coach dem Schieds­richter die Schuld“ gibt oder in dem man von ihm, als Übungs­leiter bei Hansa Ros­tock, erfährt, dass die Leis­tung des Refe­rees ein Witz“ gewesen sei. So ver­hielt sich das über all die Jahre. So war das bis diese Woche: Schieds­richter benach­tei­ligen die Kleinen. Und jetzt? Jetzt haben sich die Ver­hält­nisse gedreht. Schieds­richter ent­scheiden plötz­lich gegen die Großen“. Gegen den FC Bayern.

Man mag zunächst leise anfügen, dass auch der FC Bayern schon ein- oder zweimal oder 57-Mal bevor­teilt wurde (vgl. Klose, vgl. Flo­renz). Man mag auch fragen, wel­ches Inter­esse denn ein Schieds­richter bei einer Bayern-Benach­tei­li­gung über­haupt habe, wird sich aber schleu­nigst in die Ecke schlei­chen, denn Uli Hoeneß hat auf alles eine Ant­wort. Unsere Fans“, zei­ge­fin­gert er, nehmen Fehl­ent­schei­dungen sehr gut hin, die Fans anderer Ver­eine machen Tele­fon­terror bei den Schieds­rich­tern.“

Nur logisch also, dass die Refe­rees gegen den FC Bayern pfeifen, weil sie dann die ganze Woche Ruhe haben“. Wer will schon stän­digem Tele­fon­terror aus­ge­setzt sein? Terror hat man im Alltag schon genug, Spam-Terror („Dear friend, I have one mil­lion euro for you“), Face­book-Terror („Eben gekocht: Nacken­steak“), Arbeits­platz­terror („Kannst du die 3000 Seiten zur 11-Uhr-Sit­zung kopieren?“), Schlechte-Musiker-in-der-U-Bahn-Terror („Guan­tan­amera“).

Bayern: Auf allen Ebenen gen Abgrund

Die Sache ist aller­dings: Momentan werden alle, ja, wirk­lich und ver­dammt noch mal alle Mann­schaften benach­tei­ligt. Es ist zum Ver­rückt­werden. Selbst Trainer von Ver­einen aus dem sicheren Bun­des­liga-Mit­tel­feld echauf­fierten sich diese Saison schon mehr­fach über Unge­rech­tig­keit auf dem Platz. Nach dem 1:3 gegen Mainz 05 trom­pe­tete Stutt­garts Bruno Lab­badia Schieds­richter Guido Wink­mann diesen Satz ent­gegen: Wir haben von der ersten Minute an gegen zwölf Mann gespielt!“ Oder Mirko Slomka von Han­nover 96. Der beschwerte sich nach dem 1:1 gegen Hertha BSC in der Hin­runde über eine Fehl­ent­schei­dung des Unpar­tei­ischen Robert Hart­mann. Wir wären Tabel­len­führer gewesen!“

Man hat es momentan nicht leicht in der Bun­des­liga. Nicht als Kleiner, nicht als Mitt­lerer, nicht als Großer, nicht als der FC Bayern. Doch nicht, dass jemand nun denkt, es gleiche sich daher alles aus. Für den FC Bayern gleicht sich gar nichts aus. Es geht auf allen Ebenen gen Abgrund. Denn selbst, wenn der ach so kal­ku­lie­rende Schieds­richter aus Ver­sehen mal ordent­lich pfeift, gibt es diese Saison gewiss etwas anderes, das die Schuld daran trägt, dass der FC Bayern viel­leicht nicht Meister wird. Der Rasen zum Bei­spiel.