Die Dop­pel­spitze in den blauen Hemden stürmte beherzt in den freien Raum, sie nutzte den güns­tigen Moment und ging ent­schlossen zum Angriff über. Aber dann machten die Schweden das, was sie auch im Spiel bis in die Nach­spiel­zeit prak­ti­ziert hatten. Sie bauten eine mas­sierte Abwehr auf. Es kam zu Ran­ge­leien, die Männer in Blau wurden geschubst und bepö­belt, einer der beiden ver­ließ den Infight mit nassem Hemd, weil ein Schwede den Inhalt seiner Trink­fla­sche auf ihn gespritzt hatte.

Bei den Angrei­fern han­delte es sich um zwei Ange­hö­rige aus der Dele­ga­tion der deut­schen Natio­nal­mann­schaft. Uli Voigt, Mit­ar­beiter der Medi­en­ab­tei­lung, und Georg Behlau, zuständig für alles Orga­ni­sa­to­ri­sche, liefen direkt nach dem Schluss­pfiff zur schwe­di­schen Bank. Sie fei­erten so pro­vo­kativ aus­ge­lassen das späte 2:1, dass Schwe­dens Trainer Janne Andersson ihre Gesten als ekel­haft“ emp­fand. Ent­spre­chend auf­ge­bracht reagierte er. Später am Abend suchten die beiden Pro­vo­ka­teure des Deut­schen Fuß­ball-Bundes die schwe­di­sche Kabine auf und ent­schul­digten sich für ihr Ver­halten.

Die Presse ist kri­tisch“ 

Unab­hängig von der mora­li­schen Bewer­tung: Der Aus­bruch nach dem Abpfiff sagte einiges über das, was sich seit dem depri­mie­renden 0:1 gegen Mexiko in der Natio­nal­mann­schaft ange­staut hatte: an Druck, an Frust, an Wut auf alles und jeden. Das alles brach nach dem späten Treffer von Toni Kroos offen hervor. Im Posi­tiven wie im Nega­tiven. Das Land steht hinter uns“, sagte Joshua Kim­mich. Aber die Presse ist kri­tisch.“

Manchmal hilft dieses Gefühl, sich gegen eine Welt von Feinden behaupten zu müssen, um sich des eigenen Selbst­ver­ständ­nisses zu ver­ge­wis­sern. Am Sams­tag­abend aber brauchte die Natio­nal­mann­schaft diese psy­cho­lo­gi­sche Krücke aller­dings gar nicht. Der Sieg an sich und vor allem sein Zustan­de­kommen sollten eigent­lich rei­chen, um das eigene Ego wieder auf­zu­richten.

Nach Kroos‘ for­mi­da­blem Frei­stoß­treffer stürmte die kom­plette Bank zu ihm, der rekon­va­les­zente Mats Hum­mels in Frei­zeit­klei­dung vor­neweg. So wie wir am Schluss zusammen gefeiert haben, war das ein erster wich­tiger Schritt in die rich­tige Rich­tung“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Diesen Schwung müssen wir jetzt mit­nehmen.“