Regel­mä­ßige TV-Zuschauer ahnten es bereits, denn die Sta­dien der eng­li­schen Pre­mier League offen­barten zuletzt immer grö­ßere Lücken auf den Rängen. Und das, obwohl vie­ler­orts Aus­las­tungs­quoten von nahezu 100 Pro­zent ver­meldet werden. Zwar war bekannt, dass die Ver­eine nur die Zahl aller abge­setzten Tickets (inklu­sive Frei- und Son­der­karten) und nicht die tat­säch­liche Anzahl der Sta­di­on­be­su­cher kom­mu­ni­zieren. Aber dass die Pre­mier League ihre Zuschau­er­sta­tis­tiken so dreist fri­siert, wie es ein Inves­ti­gativ-Team der BBC nun ermit­telt hat, lässt die Fans in aller Welt um den Fuß­ball auf der Insel bangen.

230.000 Zuschauer fehlten

Die BBC hatte ein­fach die offi­zi­ellen Zuschau­er­zahlen aller Pre­mier-League-Ver­eine zur Hand genommen und die jeweils zustän­digen Kom­mu­nal­be­hörden dazu befragt. Denen müssen die Klub­ver­ant­wort­li­chen näm­lich aus gesetz­li­chen Gründen die genaue Zahl derer melden, die tat­säch­lich das elek­tro­ni­sche Dreh­kreuz-System pas­siert haben. Die Gegen­über­stel­lung der Daten ist durchaus ein Debakel für die Pre­mier League: Allein West Ham United schönte seine Besu­cher-Sta­tistik in der ver­gan­genen Saison um weit über 12.000 – pro Heim­spiel. Statt der vom Lon­doner Klub ange­ge­benen 55.309 Zuschauer im Schnitt (Aus­las­tung: 97 Pro­zent) kamen in Wahr­heit nur 42.779. Das macht, hoch­ge­rechnet auf eine Saison, rund 230.000 angeb­liche Sta­di­ongänger, die schlicht und ein­fach gar nicht da waren.

Bei einem Spiel, am 2. Januar gegen West Brom­wich Albion, hatten die West-Ham-Ver­ant­wort­li­chen sage und schreibe 17.523 Zuschauer hinzu gedichtet. Statt der offi­ziell 56.888 waren laut Behörden nur 39.365 im Lon­doner Olympic Sta­dium. Natür­lich erklärt sich ein Teil dieser Dis­kre­panz aus den mitt­ler­weile auch in Deutsch­land all­ge­gen­wär­tigen und durchaus ner­vigen No-Shows. Das sind jene (Dauer-)Karteninhaber, die ihre Ein­tritts­be­rech­ti­gung ein­fach mal ver­fallen lassen, in der Bun­des­liga sind dies rund zehn Pro­zent pro Partie. Bei besagter Partie zwi­schen West Ham und West Brom aber hätte die No-Show-Rate laut Behör­den­an­gaben bei über 30 Pro­zent liegen müssen, was kaum denkbar ist – und die Ham­mers“ nun in akute Erklä­rungsnot ver­setzt.

Aus­dru­cken, weg­werfen – fertig!

Laut Liga-Insi­dern und Ver­tre­tern von Fan-Ver­bänden in Eng­land zeigen sich viele Ver­eine beim Fri­sieren ihrer Zuschau­er­zahlen äußerst kreativ. So geht ein wei­terer großer Teil der Dif­fe­renz zwi­schen offi­zi­eller und tat­säch­li­cher Besu­cher­menge auf das Konto von Frei‑, Aktions- oder Son­der­karten für eher unat­trak­tive Par­tien. Diese Give-away-Tickets“ werden erfah­rungs­gemäß kaum genutzt, das wissen die Klubs nur zu gut. Aber darauf kommt es ihnen gar nicht an: Jede vom Verein aus­ge­druckte oder elek­tro­nisch ver­sandte Frei­karte – selbst wenn sie vom Dru­cker direkt in den Papier­korb wan­dert – fällt sta­tis­tisch in den Ticket­absatz und hilft somit, die offi­zi­elle Zuschau­er­zahl auf­zu­hüb­schen.